Ein Kessel Buntes # 24 – Klima, Messenger, Schlafwandler

Nach etwas Pause über Weihnachten und Januar ist MYTHOS wieder zurück. 

Links eröm? Räts eröm? – Gerald Altmann, Pixabay.com
Links eröm? Räts eröm? – Gerald Altmann, Pixabay.com

Gehen wir gleich in die Vollen, voll, wie es voller nicht geht, Peter Unfried in der taz zu Harald Welzer:

Das zukunftsweisende Ereignis des Jahres 2021 war nicht die krachende Niederlage der Grünen bei der Bundestagswahl, nicht die der Union und schon gar nicht die scheinbare Wiederauferstehung der SPD. Es ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das Klimapolitik verfassungsrechtlich verpflichtend vorschreibt. Das hoffe ich jedenfalls. Damit wird endlich die Frage zentral, die der Soziologe und taz-Futurzwei-Herausgeber immer wieder unserem geliebten Gewurschtel entgegenstellt: „Wie kommen wir durchs 21. Jahrhundert?“ [Link zu Futurzwei von HHö eingefügt, andere Links im Artikel der taz]

Der Artikel beleuchtet nicht nur Aspekte der letzten Bundestagswahl sondern auch unser heutiges Thema Nr. 1:

1. Klima

Harald Welzer 1)es geht hier um Welzers Buch Nachruf auf mich selbst. Harald Welzer stellt fest, dass unsere Kultur kein Konzept vom Aufhören hat. schreibt zur Entgrenzung der Menschen von ihrer Arbeit (S. 105/6), und hiermit wollen wir heute einleiten:

„Vormodern fertigte ein Handwerker einen spezifischen Gegenstand, zum Beispiel einen Schrank, so, wie er von einem Auftraggeber gewünscht und gebraucht wurde. Die Arbeit war mit der Fertigstellung des Schranks beendet und wurde auch exakt dafür entgolten – fand also ihren Zweck im finalen Produkt. In der industriellen Produktion geht es dagegen keineswegs mehr um die Herstellung des einzelnen Produkts als eines Zweckes an sich und um die Arbeit als Mittel zur Erreichung dieses Zwecks, sondern um ein System, in dem nun unablässig gearbeitet wird, um eine prinzipiell unendliche Reihe von Produkten zur Gewinnung von Mehrwert zu generieren … [um wieder zu investieren – HHö] … So entsteht eine Entgrenzung in die Unendlichkeit der Produktion: Nichts ist jemals fertig, die Arbeit hört niemals auf.“

und fährt auf S. 114/5 zur Tesla Gigafabrik in Brandenburg fort:

„… – geradezu irre, wenn man sich überlegt, dass dieses in ökologischer, politischer und volkswirtschaftlicher Hinsicht völlig antiquierte und falche Signale setzende Gigaprojekt nach einem halben Jahrhundet Umweltbewegung euphorisch begrüßt wird [wir legen hier eine „Club-of-Rome-1972-Gedenkminute“(!!) ein – HHö]. … Irgendwer findet Elektroautos fortschrittlich, jemand anders Arbeitsplätze, aber dass ein solches Projekt in jeder Hinsicht zerstörerisch ist, stört erstaunlicherweise niemanden. Der NABU achtet darauf, dass die Blindschleiche umgesiedelt wird, und so hat jeder seine Rolle.“

und setzt hier einen ersten Höhepunkt, S. 118/9:

Man kann mit der Natur nicht verhandeln: „… Okay, Klima, machen wir es so: Bis 2050 kannst du noch 580 Gigatonnen CO2 aufnehmen, also machst du das bitte. Wir versprechen dir dafür, dass wir eine bis dahin immer noch wachsende Wirtschaft »dekarbonisieren« und kein CO2 mehr emittieren. Abgemacht?
Man sieht sofort, eine solche Klimapolitik ist nichts anderes als ein Anthropomorphismus, der sich für Politik hält. Kinderkacke. … Die Fiktion des immerwährenden Fortschritts durch immerwährendes Weitermachen muss aufgeklärt werden durch eine Kultur, die das Aufhören lernt.“ [Link HHö]

Wir wollen es für heute bei diesen Zitaten belassen. Welzers Buch wird uns noch eine Weile beschäftigen.

2. Internet
Wir hatten das schon mehrmals: Im Internet werden die Menschen von den amerikanischen „Klickkonzernen“ abgeschnorchelt, dass es nur so raucht. Neben Google tut sich da auch ein gewisser „Herr Sackerbörg“ mit seinem „Klickimperium“ (heißt jetzt: Meta) sehr hervor2)und dass sogar in den USA Facebook und der mangelnde Datenschutz dort im Fokus steht, das will schon was heißen!: Facebook, WhatsApp, Messenger und Instagram.

Wie unser jüngstes Familienmitglied berichtet geht – zumindest in der Schweiz – der Trend weg von WhatsApp, die Menschen wollen nicht mehr, dass ihre Telefondaten, digitalen Adressbücher und sonstige Daten abgesaugt werden und wechseln zu dem Messenger Signal. Dieser hat wohl den vollen Umfang wie WhatsApp, aber ohne abschnorcheln von „Sackerbörg“ & Co. Auch hierauf werden wir noch zurückkommen. Obwohl ich kein Fan von diesen – imho überflüssigen3)man kann ja – ganz altmodisch(?) – eine Mail schreiben, eine SMS oder sogar 😉 anrufen, wozu also so einen „Boten“ (Messenger)? – Dingen bin, habe ich mir Signal auf mein Streichelphon geladen und probiere das (abschnorchelfrei) aus.4)es geht nicht um Inhalte – der ganze Kryptoscheiß, Verschlüsselung Ende zu Ende usw. ist eh Illusion, im Internet gibt es kein „Briefgeheimnis“! – es geht darum, dass sich kein Dritter unbefugt an meinen Daten bereichert – und das zu meinem Nachteil, schon auf kurze und direkte Sicht!! Nebenbei: Threema (aus der Schweiz) ist eine weitere Alternative, die Hürde dort ist: 3,99 € Registrierungsgebühr, daher nicht sehr verbreitet. Zitat von dort: „Nachdem WhatsApp im Januar 2021 angekündigt hatte, in Zukunft Daten an den Mutterkonzern Facebook weiterzugeben, wurde ein massenhaftes Abwandern zu anderen Messenger-Apps prophezeit. Neben Signal verzeichnete auch Threema einen deutlichen Anstieg an Neuregistrierungen.“ Wer also meine Handynummer hat und Signal auf seinem Smartphone installiert, der kann mich auch über Signal erreichen.

Das Internetthema hat auch sehr viel mit dem 3. Thema heute zu tun: Ohne Nachdenken darüber oder Wahrnehmung von Konsequenzen geben wir uns hin, wie …

3. Schlafwandler
Was hier aber gemeint ist, ist das Buch von Christopher Clark Die Schlafwandler. Treffend beschreibt der Autor wie unbekümmert die damalige Welt (Europa) in den Ersten Weltkrieg geschlittert ist.5)siehe unter Rezeption: Die Kritik ist wenig überzeugend, die großen Namen in der Rezeption (z.B. Winkler, Münkler, Friedrich, Neitzel) teilen Clarks Sicht weitgehend Aus der „großen Politik“ – isb. der Auswärtigen – will ich mich weitgehend raushalten, aber zur Ukrainekrise doch kurze Stellung beziehen:

Die Art und Weise, wie heute – nicht nur zu Hause, auf der Straße, im Internet – miteinander umgegangen wird ist im höchsten Maße unwürdig und gefährlich. So heißt es: „Des einen Held, des anderen Terrorist“ (und umgekehrt)! Was haben Alexei Nawalny und Julian Assange (und Edward Snowden) gemeinsam? Wie kommt man auf den Gedanken: „Und willst du nicht mein Bruder sein (so handeln, wie ich es will) so hau‘ ich dir Sanktionen rein!“, (siehe auch hier und hier) wie auf den Gedanken: „Der Iwan hat keine Interessen“? (siehe hier: soweit ist „der Russe“ uns schon auf den Pelz gerückt – Achtung: Ironie! Dass Russland da wenigstens die Brauen hochzieht und „Stoi!“ sagt ist klar und!)

Wo soll das hinführen? Der militärisch-industrielle-Komplex freut sich und reibt sich schon die Hände!

Zu letzt, bevor ich es vergesse:

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Die Anonymität im Internet ist aufzuheben!

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Einzelnachweise

Einzelnachweise
1 es geht hier um Welzers Buch Nachruf auf mich selbst. Harald Welzer stellt fest, dass unsere Kultur kein Konzept vom Aufhören hat.
2 und dass sogar in den USA Facebook und der mangelnde Datenschutz dort im Fokus steht, das will schon was heißen!
3 man kann ja – ganz altmodisch(?) – eine Mail schreiben, eine SMS oder sogar 😉 anrufen, wozu also so einen „Boten“ (Messenger)?
4 es geht nicht um Inhalte – der ganze Kryptoscheiß, Verschlüsselung Ende zu Ende usw. ist eh Illusion, im Internet gibt es kein „Briefgeheimnis“! – es geht darum, dass sich kein Dritter unbefugt an meinen Daten bereichert – und das zu meinem Nachteil, schon auf kurze und direkte Sicht!! Nebenbei: Threema (aus der Schweiz) ist eine weitere Alternative, die Hürde dort ist: 3,99 € Registrierungsgebühr, daher nicht sehr verbreitet. Zitat von dort: „Nachdem WhatsApp im Januar 2021 angekündigt hatte, in Zukunft Daten an den Mutterkonzern Facebook weiterzugeben, wurde ein massenhaftes Abwandern zu anderen Messenger-Apps prophezeit. Neben Signal verzeichnete auch Threema einen deutlichen Anstieg an Neuregistrierungen.“
5 siehe unter Rezeption: Die Kritik ist wenig überzeugend, die großen Namen in der Rezeption (z.B. Winkler, Münkler, Friedrich, Neitzel) teilen Clarks Sicht weitgehend

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