Der Staat soll sich um das Ganze kümmern – Teil 3

Aber nicht nur, wenn die privaten Akteure sich verzockt haben!!

Wir bleiben bei Abba Lerners functional finance. Im zweiten Teil haben wir das Thema Staatsfinanzierung vertieft und wollen das heute noch erweitern. Wir haben ja „doppeltes Geld“, Zentralbankgeld (€uro1)der Vollständigkeit halber: der €uro ist ein Spezialfall, wir werden dieses Fass später aufmachen, Dollar, Pfund in bar) und Bankgeld/Giralgeld (€uro, Dollar, Pfund auf dem Konto), ein zweistufigens Geldsystem. Giralgeld ist nur ein Versprechen meiner Bank/Sparkasse auf Zentralbankgeld, auf Bargeld. Geht die Bank pleite ist mein Geld auf dem Konto weg.2)dann gibt es kein Geld mehr von dieser Bank, nur noch vom Einlagensicherungsfonds – max.100.000 € für private Kontoinhaber

Geld, Bimbes, Kohle: Erst sparen, dann investieren? – Nattanan Kanchanaprat, Pixabay.com

Ja, man hat es nicht leicht, wenn man es sich schwer macht! 😉 Wir erinnern uns zum wiederholten Mal: Der finanzielle Sektor (finanzielle Institute aller Art, Banken, Zentralbanken) hat nur das Maß an finanzieller Macht, welches ihm die Politik einräumt! Punkt.

Es gibt also zweimal Geld nebeneinander: Bargeld und Giralgeld (Bankgeld), einen zweigeteilten Geldkreislauf – und so soll unser Geldsystem störungsfrei funktionieren, wenn man zwei Geldkreisläufe installiert, und keine schwächelnde Bank kann die Wirtschaft in Not stürzen: Die Zentralbank, die Bank des Staates, sorgt dafür, dass die Banken – idR gegen Sicherheiten – immer mit Zentralbankgeld versorgt sind („Reserven“ so wird das Geld der Banken auf deren Konten bei der Zentralbank genannt, das hat nix mit „Reserve wie ein Reservetank“ zu tun)3)dass der Begriff „Reserven“ dem staunenden Nichtbanken-Publikum ohne die Erklärung „Reserven sind die Guthaben der Banken bei der Zentralbank“ in die Ohren geblasen wird (Tschuldigung für Sarkasmus) kann man als absichtsvoll ansehen: „Die Leute sollen es nicht so genau wissen!“, notfalls auch ohne Sicherheiten … das nennt man dann Bankenrettung (wegen systemrelevant und so).4)außerdem wird die ZB als  „Bank der Banken“ benötigt, um die Bankgeschäfte „untereinander“ abzuwickeln – weil Alles mit allem verwoben ist, ist es tatsächlich so, dass man Banken nicht ohne weiteres pleite gehen lassen kann (siehe die GFC (Global (oder Great) Financial Crisis) seit 2007/8), die Folgen sind  unübersehbar und das endet idR in der Sozialisierung der Verluste; hierin sehe ich einen weiteren wichtigen Grund das bestehende System zu überdenken, zu diskutieren und zu reformieren – man denke am Ende noch an „Gier frisst Hirn“ aka Moral Hazard (moralisches Risiko)

Das kann man billiger haben, wie bereits zuletzt vorgeschlagen: Zentralbankkonten für alle, auch für Nichtbanken, ein Geldkreislauf vom Geldproduzenten (Staat) zum Geldnutzer (Wirtschaft, Du und Ich und der Staat) und wieder zurück! 

Keine falschen Mythen mehr um Geld und Staatsfinanzierung!

Und weiter im Text:

Wir brauchen ein Banksystem, welches dem Gemeinwohl verpflichtet ist.

Aber, wie im folgenden zu zeigen sein wird, ist die von ihnen kurz skizzierte Trennung von Bankaktivitäten zwar notwendig, aber keineswegs ausreichend, um den Bankensektor so zu reformieren, dass er – wie von den drei Autoren gefordert – sicherstellt, dass Banken im „Interesse der Allgemeinheit und der Realwirtschaft“ agieren.

Mancher fragt sich spätestens jetzt: Zweistufiger Geldkreislauf und Staatsfinanzierung, wieso wird das hier zusammen-gebracht? Der (Haupt-)Hintergrund ist der folgende:

Nimmt man den Banken das Geldschöpfungsprivileg und stuft sie als „Regionalvertretung der Zentralbank“ ein, nimmt man ihnen die Spielwiese der Schöpfung von Kreditgeld. Der Begriff Kreditgeld erklärt sich aus sich selbst: Der Kreditnehmer (die Wirtschaft und Du und Ich) geht zur Bank und fragt einen Kredit nach, der ihm nach der Prüfung der Zahlungsfähigkeit des Kreditnehmers durch die Bank von der Bank zur Verfügung gestellt wird (= Kreditgeld). Das bedeutet nichts anderes als die Bank schreibt einen Betrag gut, den sie dann vom Kreditnehmer zurückfordert 5)siehe: „Banken sind nicht auf Spareinlagen angewiesen um Kredite zu vergeben … der Nachweis hierfür wurde real erbracht“  – auf all die anderen Spielwiesen der Banken wie z.B. Beihilfe zum Betrug und zur Steuerhinterziehung, Eigenhandel, Schwarzgeld waschen usw. will ich erst gar nicht genauer eingehen. Für diesen Dienst (Prüfung, verbleibendes Kredit(Rest-)risiko und Keystroke) verlangt sie Gebühr und Zins: einfach verdientes Geld. Die Gutschrift von Geld, das es vorher nicht gab, erzeugt eine gleichlautende Gegenbuchung plus Gewinn für die Bank … das würde wegfallen – bis auf eine Gebühr als „Regionalvertretung der Zentralbank“, eben für die Prüfung und Abwicklung – und das tägliche, normale Bankgeschäft.

Das können die Banken natürlich nicht zulassen, daher lautet deren Erzählung anders (neben technischen Details um das Märchen noch weiter zu unterfüttern und glaubwürdig zu machen): „Wir müssen den Staat und die Politik kontrollieren, damit die nicht zuviel Schulden machen und das Vertrauen in „unser Geld“ aufs Spiel setzen!“ Die Menschen sollen also glauben, dass alles gut ist, wenn der parlamentarisch-demokratisch verfasste Staat von den Bankstern finanziell kontrolliert und an der Leine gehalten wird! Dann ist alles gut? Und wo kommen dann all diese Finanzkrisen her? Aus dem Weltall, von den Aliens? *boaeji_iss_mir_schlecht*

Geschäfts- und Genossenschaftsbanken und Sparkassen im Auftrag der Zentralbank sind notwendig, als Akteure vor Ort die Ihre Kunden und die örtlichen Gegebenheiten kennen. Das Spekulationsgeschäft („Investmentbanking“ yt ab 5’55“ bis 8’25“) ist abzutrennen und ins Spielcasino verbannen, Eigenhandel ist zu verbieten. Dann gäbe es auch keine Probleme mehr um direkte(!) die Staatsfinanzierung durch die ZB, denn:

Backing of money (1)
There is, in the end, only one possible backing of money, and that is human work. All the mechanisms of banking and finance tend to hide this basic fact.

(Die Rückdeckung von Geld (1)
Es gibt letztlich nur eine mögliche Grundlage für Geld, und das ist die menschliche Arbeit. Alle Mechanismen des Bank- und Finanzwesens neigen dazu, diese grundlegende Tatsache zu verschleiern.
[Übersetzung und Hervorhebung HHö; Quelle])

Also: Einen Geldkreislauf mit der Bank des Staates, der Zentralbank im Zentrum, der Bank die im Interesse der Allgemeinheit und der Realwirtschaft agiert und nicht im privaten Gewinninteresse, die den Staat offen finanziert und dafür sorgt, dass die Wirtschaft störungsfrei läuft. Um es mit Abba Lerner zu sagen: Die den Staat funktionell finanziert.

Einzelnachweise

Einzelnachweise
1 der Vollständigkeit halber: der €uro ist ein Spezialfall, wir werden dieses Fass später aufmachen
2 dann gibt es kein Geld mehr von dieser Bank, nur noch vom Einlagensicherungsfonds – max.100.000 € für private Kontoinhaber
3 dass der Begriff „Reserven“ dem staunenden Nichtbanken-Publikum ohne die Erklärung „Reserven sind die Guthaben der Banken bei der Zentralbank“ in die Ohren geblasen wird (Tschuldigung für Sarkasmus) kann man als absichtsvoll ansehen: „Die Leute sollen es nicht so genau wissen!“
4 außerdem wird die ZB als  „Bank der Banken“ benötigt, um die Bankgeschäfte „untereinander“ abzuwickeln – weil Alles mit allem verwoben ist, ist es tatsächlich so, dass man Banken nicht ohne weiteres pleite gehen lassen kann (siehe die GFC (Global (oder Great) Financial Crisis) seit 2007/8), die Folgen sind  unübersehbar und das endet idR in der Sozialisierung der Verluste; hierin sehe ich einen weiteren wichtigen Grund das bestehende System zu überdenken, zu diskutieren und zu reformieren – man denke am Ende noch an „Gier frisst Hirn“ aka Moral Hazard (moralisches Risiko)
5 siehe: „Banken sind nicht auf Spareinlagen angewiesen um Kredite zu vergeben … der Nachweis hierfür wurde real erbracht“  – auf all die anderen Spielwiesen der Banken wie z.B. Beihilfe zum Betrug und zur Steuerhinterziehung, Eigenhandel, Schwarzgeld waschen usw. will ich erst gar nicht genauer eingehen

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.