„Fünf Weise auf der Suche nach der Quelle“

So titel Heiner Flassbeck auf MAKROSKOP. Und weiter:

Da laufen sie, da graben sie: Such, such du Wünschelrute du! (Wikipedia)

Wer glaubt, die Regierung brauche einen unabhängigen Sachverständigenrat, liegt falsch. Die Regierung braucht in makroökonomischen Fragen einen guten und sachverständigen Rat. Den kann sie von den „fünf Weisen“ leider nicht bekommen. [Hervorhebung HHö]

Wer sich mal die Mühe macht und

… in solche Gutachten reinguckt … der macht den Tab erschreckt ganz schnell wieder zu.

Jenseits  dessen, was Flassbeck im weiteren aufgreift  kommt auch ein einfaches Gemüt sehr schnell zu der Frage: Gut getarnte Lobbyarbeit der üblichen Verdächigen (Mainstream-Ökonomen für die Exportindustrie, für die Schuldenbremse und alle neoliberalen Denker)? Wären sie doch ehrlich und würden dieses sagen: „Ja, wir glauben das exportieren besser ist als selber verwenden und einsetzen (als selber essen)! Ja, wir sind für die Schuldenbremse (für die Kredit- also die Wachstumsbremse) einerseits, aber andererseits wollen wir Wachstum, unbedingt! Ja, wir sind neoliberal: Wer hat dem soll gegeben werden – das steht schon in der Bibel“.

Der Mythos, dass der Sachverständigenrat (SVR) nachprüfbar etwas logisch Richtiges gesagt hätte, und die Regierung gut beraten hätte, ist falsch. Die Damen und Herren Sachverständige sind gutbezahlte Professoren, mit Altervorsorge satt, die Crux bleibt dass „Menschen über Menschen befinden, die sie weder kennen noch deren Schicksal sie teilen!„, was soll da als Rat dabei rauskommen?1)Zwei wichtige Anmerkungen meiner Korrekturleser: 1. Die Feststellung, dass die Mehrzahl der Ökomomen – nicht nur nach Meinung von MYTHOS – einfach nur schiefliegen trifft nicht nur auf die zu, die Regierungen beraten, sie trifft logisch auch auf solche zu, die Lehrstuhlinhaber sind (beachte die Postings zu Experten weisen den Weg – Studenten rebellieren Teil 1-3 und weitere diverse Postings, z.B. zu Adam Smith‘ Die unsichtbare Hand – Teile 1-2) und ist deren Lobbying für die Finanz- und Kapitalkreise zuzuschreiben; 2. leider trägt das Argument, dass „Menschen über Menschen befinden, … “ logischerweise nicht sehr weit, wie sollte es anders sein? Okay: Deshalb müssen solche Entscheider definitiv unabhängig sein … und mindestens doppelt – besser dreifach – von unabhängigen Gremien/Institutionen kontrolliert werden … ja, man muss an einer solchen Stelle auch einmal der Phantasie freien Lauf lassen, sonst kommt es zu nichts

Aber, gemach, es ist schlimmer!

Wir zitieren aus dem verlinkten Posting:

… muss der bisherige Vorsitzende, Lars Feld, das Gremium nach zwei Perioden (also zehn Jahren) verlassen. Die SPD wollte einen jüngeren und – aus ihrer Sicht – weniger dogmatischen Ökonomen auf die Stelle setzen, während die CDU in Gestalt von Bundeswirtschaftsminister Altmaier unbedingt an Feld festhalten wollte.

Ein Hoch dem Dogma, 2)Unter einem Dogma (altgr. δόγμα, dógma, „Meinung, Lehrsatz; Beschluss, Verordnung“) versteht man eine feststehende Definition oder eine grundlegende, normative Lehraussage, deren Wahrheitsanspruch als unumstößlich festgestellt wird. In der Politik geht’s zu wie in der katholischen Kirche (uiuiui, fehlen nur noch die Messdiener und die Frauen Tschuldigung ein Hoch auf die „Wahrheyt“.

Und die Medien?

Die einschlägigen Gazetten überschlagen sich ob dieser groben Missachtung der deutschen Ordnungspolitik, ist Lars Feld doch als Leiter des Freiburger Walter-Eucken3)Nach Ansicht von Karl Georg Zinn gab Alfred Müller-Armack „der Sozialpolitik und der staatlichen Konjunktur- und Strukturpolitik ein weit größeres Gewicht als Eucken, für den Sozialpolitik allenfalls „als Minimalprogramm gegen extreme Mißstände“ erforderlich erschien und der Konjunkturpolitik für schlichtweg überflüssig, ja schädlich hielt, weil eine ideale Marktwirtschaft, wie er sie in seiner Ordnungstheorie meinte entworfen zu haben, überhaupt keine zyklischen Konjunkturen und Krisen mehr aufweisen würde.-Instituts gewissermaßen der verkörperte erhobene Zeigefinger, der ständig und immer davor warnt, dem Staat einen zu großen Raum gegenüber dem Markt zu gewähren. Vollkommen übersehen wird ob der Lobeshymnen, die auf die Arbeit des Rates und seines Vorsitzenden gesungen werden, wie wenig Rat der Rat von heute der Politik anzubieten hat.…

Jaja, der Markt, was der so macht: Immobilien-(und Mieten)preise, Greensill, Wirecard …

… Das ist nicht einmal die Schuld der einzelnen Ratsmitglieder, sondern liegt einfach daran, dass man sich heute an den Universitäten, an denen sich der SVR in aller Regel rekrutiert, einfach nicht mehr mit Konjunktur und all ihren Auswirkungen befasst. Selbst konkrete Wirtschaftspolitik ist eine Randerscheinung. …

So ist es nicht erstaunlich, dass der Rat in den vergangenen zwanzig Jahren alle großen makroökonomischen Themen verpasst oder wegen seiner ideologischen Ausrichtung nicht in angemessener Weise gewürdigt hat. Das beginnt mit der Krise der Europäischen Währungsunion (EWU), deren Entstehen in Form der deflationären deutschen Lohnpolitik zu Beginn der 2000er Jahre vom Rat vollständig ignoriert wurde. …

Das Gegenteil war sogar der Fall. Der Rat feierte seinen Einfluss auf die Agenda 2010 (den man in der Tat nicht bestreiten kann), weil doch dadurch endlich die deutsche Wirtschaft und insbesondere der Arbeitsmarkt die aus seiner Sicht notwendige „Flexibilisierung“ erfuhr. Dass mit der EWU in Europa eine solche Politik auf nationaler Ebene einfach nicht mehr möglich war, ohne die Grundlagen der Währungsunion zu zerstören, hat die ganz große Mehrheit der Professoren, die seitdem im Rat saßen, wohl bis heute nicht verstanden. …

Die Liste der Versäumnisse und Nachlässigkeiten des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ließe sich fast beliebig verlängern. Hätte es nicht hin und wieder Minderheitspositionen gegeben, die wenigstens einige der Fehlurteile korrigierten, man hätte die Gutachten seit Jahren nicht mehr aufschlagen müssen. Wer hier auf MAKROSKOP unter dem Stichwort „Sachverständigenrat“ sucht, findet eine lange Reihe von Artikeln, die die sachlichen Schwächen dieses Rates über die Jahre beleuchten. …

Jenseits aller sachlichen Kritik fällt an der Arbeit des Rates vor allem auf, dass sich über die Jahrzehnte das methodische Vorgehen fundamental geändert hat. Hatte man in den ersten beiden Jahrzehnten nach dem Gründungsjahr 1966 noch den Eindruck, das Gremium bemühe sich, mehr zu sein als eine Gruppe von Professoren, die von ihren Mitarbeitern wissenschaftliche Arbeiten anfertigen lassen, die sie bündeln und „Jahresgutachten“ nennen, ist genau das der Stil der letzten Jahre. …

So kommen die Damen und Herren dann auch zur Rente!

Heute bestehen die Gutachten mehr und mehr aus einer Aneinanderreihung von Seminararbeiten zu einer breiten Palette von Themen, die weit über die eigentliche gesetzliche Aufgabenstellung hinausgehen. Da erstaunt es nicht, dass die Zahl der Mitarbeiter des wissenschaftlichen Stabes von den 1970er Jahren, als ich selbst dazugehörte, von acht bis neun auf heute vierzehn und mehr angestiegen ist. …

Ich wette, dass keiner der Journalisten, die heute scheinbar so tief besorgt sind, dass Deutschland sein ordnungspolitisches Gewissen verliert, sich die (wirklich große) Mühe gemacht haben, ein Jahresgutachten von Anfang bis zum Ende kritisch durchzuarbeiten. Sie bemerken gar nicht, dass die Art von Literatursammlungen, die der SVR abliefert, nicht nur keinen Beitrag zur Politikberatung leisten, sondern durch das permanente Abfeiern der herrschenden Lehre die Wissenschaft unmittelbar beschädigen. Wer mit der vom Staat (man bemerke, vom Staat!) verliehenen Autorität nicht sorgsam umgeht, sondern sie dazu nutzt, seine Marktideologie an prominenter Stelle unters Volk zu bringen, verfehlt nicht nur den Gesetzesauftrag, sondern entzieht sich – auf der Höhe seines Thrones – der wissenschaftlichen Auseinandersetzung, für die er (oder sie) eigentlich (wiederum vom Staat) berufen worden ist. … [Hervorhebung HHö]

Ja, das ist es: Begrenzter Horizont aber große Rede führen: „Wer das dickste Brett vorm Kopf hat, der braucht auch kein Blatt mehr vor den Mund zu nehmen!“ Vom Staat beauftragt, vom Staat bezahlt und abgesichert, mit Autorität von höchster Stelle, vom Staat, ausgestattet ausgezogen um eben diesen Staat weiter unter der Knute des Marktes zu zwingen und zu halten! (Ich kann nicht soviel fressen wie ich kotzen möcht‘! Tschuldigung, es hat mich wieder übermannt *ächz*)

Ich weiß auch nicht, warum ich bei solchen Sachen an Groteskes (frz. ubuesque) denken muss, an so armseelige Figuren wie König Ubu (dem maître des phynances – Meister der Finanzen … vllt. kommt’s daher?)?

Einzelnachweise

Einzelnachweise
1 Zwei wichtige Anmerkungen meiner Korrekturleser: 1. Die Feststellung, dass die Mehrzahl der Ökomomen – nicht nur nach Meinung von MYTHOS – einfach nur schiefliegen trifft nicht nur auf die zu, die Regierungen beraten, sie trifft logisch auch auf solche zu, die Lehrstuhlinhaber sind (beachte die Postings zu Experten weisen den Weg – Studenten rebellieren Teil 1-3 und weitere diverse Postings, z.B. zu Adam Smith‘ Die unsichtbare Hand – Teile 1-2) und ist deren Lobbying für die Finanz- und Kapitalkreise zuzuschreiben; 2. leider trägt das Argument, dass „Menschen über Menschen befinden, … “ logischerweise nicht sehr weit, wie sollte es anders sein? Okay: Deshalb müssen solche Entscheider definitiv unabhängig sein … und mindestens doppelt – besser dreifach – von unabhängigen Gremien/Institutionen kontrolliert werden … ja, man muss an einer solchen Stelle auch einmal der Phantasie freien Lauf lassen, sonst kommt es zu nichts
2 Unter einem Dogma (altgr. δόγμα, dógma, „Meinung, Lehrsatz; Beschluss, Verordnung“) versteht man eine feststehende Definition oder eine grundlegende, normative Lehraussage, deren Wahrheitsanspruch als unumstößlich festgestellt wird. In der Politik geht’s zu wie in der katholischen Kirche (uiuiui, fehlen nur noch die Messdiener und die Frauen Tschuldigung
3 Nach Ansicht von Karl Georg Zinn gab Alfred Müller-Armack „der Sozialpolitik und der staatlichen Konjunktur- und Strukturpolitik ein weit größeres Gewicht als Eucken, für den Sozialpolitik allenfalls „als Minimalprogramm gegen extreme Mißstände“ erforderlich erschien und der Konjunkturpolitik für schlichtweg überflüssig, ja schädlich hielt, weil eine ideale Marktwirtschaft, wie er sie in seiner Ordnungstheorie meinte entworfen zu haben, überhaupt keine zyklischen Konjunkturen und Krisen mehr aufweisen würde.

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