„Man muss den Bär erst erlegen …

… bevor man sein Fell verteilen kann!“ Der gleiche Unsinn kann auch so formuliert werden (via Archiv MAKROSKOP: ein Leserbrief an flassbeck-economics, vom 5. Nov. 2014):

… dass man das Sozialprodukt erst erwirtschaften müsse, bevor man es verteilen kann

Quelle

Ja, es geht um dein Fell …, Image by Free-Photos – Pixabay.com
… und darum, dass jeder ein Stück davon haben will VGTFF – Pixabay.com

Erst jagen (backen), dann verteilen; das scheint doch logisch, oder? Da stellt man sich die Frage, wieso behauptet wird, das sei Unsinn? Das ist recht simpel zu erklären (weiter im Zitat):

… Das fundamentale Problem und wesentlich Schiefe dieses Fell-des-Bären-Gleichnisses ist und bleibt, dass niemand einen Bären alleine erlegt. Daher… gilt immer und unmittelbar die Umkehrung, nämlich, dass man das Sozialprodukt (sic!) immer erst verteilen muss, bevor man es erwirtschaftet.

So wie man erwirtschaften muss, um zu verteilen, so muss man verteilen, um zu erwirtschaften.

Verteilen und Erwirtschaften sind und bleiben zwei Seiten einer Medaille. Alles andere ist, im Wortsinne, elementarer Unsinn. [Hervorhebg. HHö]

Der Mythos „erst erwirtschaften, dann verteilen“ hat eine große Tücke: Man muss den Menschen schon sagen, wie groß ihre Teilhabe am Ergebnis sein wird – also verteilen – und die Versprechen auch überprüfbar und nachhaltig einhalten – (der Adressat dieses Appells ist nicht nur, aber vor allem, der private Wirtschaftsektor!!) und sich dann gemeinsam zum Erwirtschaften aufmachen!

Dauerhaft kann das praktizierte Modell nicht funktionieren:

„Liebe Leute dann erwirtschaftet mal, seid schön fleißig, wenn was über bleibt, kriegt ihr was mit. Aber, mit der Bitte um Verständnis: Heute gibt’s nur einen Abschlag (Löhne/Gehälter), denn wir können ja nicht genau wissen, was am Ende rauskommt (auch nicht wie gut ihr euch wirklich anstrengt, wie fleißig ihr wirklich seid – dann werden euch schon mit „guten Argumenten“ – Arbeitsplatzsicherung etc. – die Flausen nach mehr ausgeredet!), dann sehen wir weiter.“

Die Dreistigkeit in der letzten Klammer zeigt, dass es so nicht dauerhaft gehen kann – denn das steckt immer im Modell des „erst erwirtschaften, dann verteilen“ drin – und ein Blick in die Armuts-/Vermögensstatistik belegt dieses schlagend. Trotzdem kann man mit diesem Argument leben, unter einer Bedingung:

Die (zwangsläufig) entstehende Ungleichverteilung muss zu einem Teil hingenommen, zum überwiegenden Teil aber unbdedingt und wirksam eingehegt werden:

Progressive Einkommensteuer (alle Einkommensarten, also auch Mieten, Zinsen, Dividenden, Pachten, Honorare … ein Steuersatz), Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer, Verbrauchssteuer1)Gero Jenner hat, z.B., dazu interessante Ideen dargelegt: statt den Zufluss (das Einkommen) zu besteuern ist es vllt. schlauer den Abfluss (den Verbrauch und die damit verbundene Inanspruchnahme der Resourcen – die allen gleichermaßen zustehen) zu besteuern

Dazu gehört unbedingt noch eine mehrstufige Kontrolle durch eine dreigeteilte staatliche Gewalt – und ihr zugeordneten Institutionen – die den Amtseid der Parlamentarier zum Maßstab nimmt, sinngemäß …

Alle Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben.

… und den Mandatsträger dabei hilft, diesem unbedingt zu folgen! 😉

Einzelnachweise

Einzelnachweise
1 Gero Jenner hat, z.B., dazu interessante Ideen dargelegt: statt den Zufluss (das Einkommen) zu besteuern ist es vllt. schlauer den Abfluss (den Verbrauch und die damit verbundene Inanspruchnahme der Resourcen – die allen gleichermaßen zustehen) zu besteuern

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