Die EZB wagt den Aufbruch in die Unendlichkeit …

… des Geldes! So heißt es auf MAKROSKOP am 27.01.21. Es wird immer wieder thematisiert, auch hier auf MYTHOS: Wo kommt jetzt das Geld her?, wo doch gestern noch der Finanzierungsvorbehalt für alles und jedes galt?

Möbiusband, David Benbennick – Wikipedia

(Bildadresse). Das Möbius-band auf MAKROSKOP repräsentiert das Thema direkt: Ein Druck von €uronoten, eine zum Kreis gebogene Fläche (… [hat] nur eine Kante und eine Seite), in sich verdreht (also ein an den Enden falsch zusammengefügtes Band), kein Anfang und kein Ende, ein Rätsel. Ob die EZB dieses Rätsel lösen kann?

Für die Mathematik des Möbiusbandes ist die EZB nicht zuständig, wohl (sozusagen) für die Mathematik des Geldes. Es gibt immer noch viel zu  viele Geister (> 90%) die an das Märchen der Finanzierung des Staates durch den Steuerzahler und an die Unabhängigkeit der Zentralbank glauben (wir haben bereits hier darüber gesprochen). Die Zentralbank ist die Bank des Staates, sie hat dem Staat zu dienen. Punkt!1)bisher macht meines Wissens nur Kanada keine Lügengeschichte um diesen Umstand, andere Länder verhalten sich ähnlich (Japan, Australien) verleugnen diesen Umstand aber tapfer

Und da sind wir auch schon mitten in die Probleme der EZB geschlittert, so ganz nebenbei. Welches Staates Bank ist denn die EZB? Sie ist die Zentralbank von (derzeit) 19 Ländern, mit unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen, mit unterschiedlicher Kultur … Hm? Keine Angst, dieses Fass wollen wir erst zu einem späteren Zeitpunkt öffnen – für jetzt ist die EZB einfach nur eine ZB.

Natürlich betreibt die EZB spätestens seit Draghis Machtwort2)26. Juni 2012 in London: “Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.” (Im Rahmen unseres Mandats ist die EZB bereit, alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird genug sein.)  Staatsfinanzierung: Das ist richtig und notwendig! Draghis „Within our mandate“ können wir getrost zur Seite schieben, wenn’s dem €uro nützt (also vor allem Deutschland) wird das Notwendige auch gerne außerhalb des Mandats getan.

Der Mythos: “There is no such thing as public money. There is only taxpayers’ money.” („So etwas wie öffentliches Geld3)Premierminister Margaret Thatcher meint hier natürlich „Staatsgeld“) gibt es nicht. Es gibt nur das Geld der Steuerzahler.“ Quelle) war schon immer falsch!

Bevor wir zur EZB kommen noch ein kurzer Blick auf den eben verlinkten Artikel von Ann Pettifor. Als Folge der Finanzkrise 2007-2009 hat die Bank of England (BoE) dem Staat 375 Mrd. £ zur Verfügung gestellt um die Spekulanten rauszuhauen, vor dem Zusammenbruch zu bewahren! Pettifor fragt schon in der Überschrift:

Gibt es so etwas wie öffentliches Geld nicht, nur Steuergelder, wie PM behauptet? Wurden 375 Mrd. £ für QE von den Steuerzahlern aufgebracht?

PM steht für Prime Minister, hier konkret für Premierminister Margaret Thatcher und ihr Zitat aus der Rede vom 13. Oktober 1983 (dort zu finden direkt vor [end p3]).4)im weiteren bezieht sich Pettifors Artikel auch noch auf die von MYTHOS bereits behandelten Entdeckungen von Prof. Richard Werner, der BoE und der Bundesbank – wer noch mehr (Original-)Infos möchte, z.B. von David Graeber (hier im Guardian) oder der BoE (ausführlich als .pdf) bitte schön, hier und hier – der Vollständigkeit halber hier noch der Link zu yt, 3’45“ Quantitative Easing – How It Works

Ja, gute Frage! Haben die Steuerzahler mal eben unter die Matratze gegriffen oder ihre Sparbücher geplündert und dem Staat 375 Mrd £ geliehen, damit dieser – sonst gerne verachtete und als unfähig und ineffizient denunzierte – Staat den Spekulanten aus ihrer selbst eingebrockten Patsche helfen konnte? Gaaanz sicher nicht! Die BoE ist die Zentralbank Englands, und jederzeit in der Lage dem Staat das erforderliche Geld zur Verfügung zu stellen. It’s as easy as that!

Auf MAKROSKOP schreibt Paul Steinhardt unter der Überschrift Die EZB wagt den Aufbruch in die Unendlichkeit des Geldes:

… Der Mainstream der Ökonomik konzipiert die gegenwärtig dominante Wirtschaftsordnung, den Kapitalismus, als eine elaborierte Tauschwirtschaft. Selbstverständlich wird die Existenz von Geld nicht bestritten, aber Geld wird lediglich als ein Wertrepräsentant von Gütern verstanden. Güter aber sind knapp, daher muss – logisch – auch Geld knapp sein.

Es sind vermutlich solche Überzeugungen, die Anja Ettel und Holger Zschäpitz von der Welt angesichts der Aufstockung des PEPP-Programms der EZB auf 1,85 Billionen über die „Unendlichkeit des Geldes“ fabulieren lassen. Sicher, auf der Bilanz der EZB befindet sich inzwischen fast ein Viertel der Staatsschulden der Euroländer und eine Bilanzsumme in Höhe von 6,53 Billionen Euro sind kein Pappenstiel. Und richtig ist auch, dass das nicht „das Ende der Fahnenstange“ sein muss. Denn tatsächlich verfügt die EZB über unendlich viel Geld! …

Und führt weiter aus: 

Eine scheinbar präzise Antwort findet sich in einem weiteren Artikel des [Autoren] Duos schon in der Überschrift. Das Problem ist, dass damit bei den Euroländern und an den Finanzmärkten eine Vollkasko-Mentalität entstehe.

Dort heißt es (s. Link): „Die Vollkasko-Mentalität der EZB birgt zwei große Risiken“. Es ist immer wieder die selbe Leier: Die grandiose Privatwirtschaft und der dumme, unfähige Staat … ich mach‘ mir jetzt ein Bier auf bevor ich anfange zu randalieren.

Wir können uns jetzt weiter im Kreis drehen, ich schlage stattdessen vor: Macht‘ mir nach: Prost!

Einzelnachweise

Einzelnachweise
1 bisher macht meines Wissens nur Kanada keine Lügengeschichte um diesen Umstand, andere Länder verhalten sich ähnlich (Japan, Australien) verleugnen diesen Umstand aber tapfer
2 26. Juni 2012 in London: “Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.” (Im Rahmen unseres Mandats ist die EZB bereit, alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird genug sein.)
3 Premierminister Margaret Thatcher meint hier natürlich „Staatsgeld“)
4 im weiteren bezieht sich Pettifors Artikel auch noch auf die von MYTHOS bereits behandelten Entdeckungen von Prof. Richard Werner, der BoE und der Bundesbank – wer noch mehr (Original-)Infos möchte, z.B. von David Graeber (hier im Guardian) oder der BoE (ausführlich als .pdf) bitte schön, hier und hier – der Vollständigkeit halber hier noch der Link zu yt, 3’45“ Quantitative Easing – How It Works

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