Waxxthum

Entschuldigung für die Verballhornung des allgegenwärtigen Begriffs: Wachstum muss es natürlich richtig heißen – vielleicht (besser?) Heiliges Wachstum!

Ewiges Wachstum - den Schatten des Wachstums ignorieren? - kryzstof-m_graph - Pixabay.com

Deutsche Wirtschaft erreicht 2021/22 altes Niveau

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft IW erwartet für das laufende Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandprodukts von knapp 6,25 Prozent. Bis zum Jahreswechsel 2021/22 soll aber das Vorkrisenniveau wieder erreicht werden. [!!?? wieso sind die so sicher, dass sogar mit zwei Nachkommastellen gerechnet wird? – HHö]

Ohne einen erneuten Corona-Lockdown könnte die deutsche Wirtschaft im nächsten Jahr um knapp 4,5 Prozent wachsen, berichtete das Kölner Institut am Montag. [tätä (ohne Schadenfreude) und schon 6 Wochen später ist alles vorbei – ach die schönen Zahlen 🙁 – HHö]

Quelle

Die Bedingungen sind egal?1)Drüberhinaus: Die Schatten des Wachstums können nicht ignoriert werden! 1) Umwelt, Klima, Verteilung usw. – nicht zu letzt, Stichwort: Verteilung, 2) auch das Problem der staatlich abgesicherten, leistungslosen Einkommen des Finanzsektors die über die Finanzierung auch der unsinigsten Projekt durch Recht auf Zinse und Rendite rücksichtslos eingefordert werden Die Möglichkeiten sind begrenzt, das Wachstum nicht? Einzel-wirtschaftliches Wunschdenken gepaart mit Kaffeesatzleserei! Richtig ist: Das Wachstum ist dem Kapitalismus innewohnend, mehr aber auch nicht: (Arbeit und Kapital) -> umsetzen in (verkäufliche Ware/Leistung) -> erbringt (mehr Ertrag als Arbeits- und Kapitaleinsatz)2)Die berühmte Formel heißt G – W – G‘  Geld – Ware – mehr Geld! – mehr Ertrag wird wieder in Einsatz umgesetzt … usw.

Und weil der Raum begrenzt ist, weil das einzelwirtschaftliche Handeln gesamtwirtschaftliche Auswirkung hat, ist auch das Wachstum begrenzt, ist auch der Kapitalismus begrenzt.

Der Mythos vom Wachstum führt, nach der Ansicht des Verfassers, ins Verderben. Es muss schnellstens geklärt werden ob es hier wie bisher nur um Quantität (immer mehr) und Preis (immer billiger, trotzdem höhere Rendite) oder vielleicht doch besser um Qualität (Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit) geht, gehen soll.

Es geht schon los bei der Berechnung des Wachstums: Entschließen sich alle PKW-Halter in den nächsten Wochen ihr Fahrzeug zu Schrott zu fahren, steigt – wegen der Reparaturen oder Neuanschaffungen – sofort das BIP (Brutto-Inlands-Produkt); wir haben Waxxthum! 😉 Auch Krieg oder Krankheit steigern das BIP, erzeugen „Wachstum“! Wir werden erst in Jahren sehen, um wieviel die Krankheit Covid19 das „Wachstum“ einerseits gepusht hat, während es andererseits, durch Konkurse und Arbeitslosigkeit, gedrückt wurde (kann es überhaupt hierzu eine logisch korrekte Bewertung geben?).

Soweit die Realwirtschaft.

Schauen wir auf die Rolle des Finanzsektors (die Rolle der sog. „Investoren“), Zitat:

Die Frage ist, woraus sich „wirtschaftliches Wachstum“ eigentlich genau zusammensetzt – und zwar in Wirklichkeit … Ein immer größer Anteil der wirtschaftlichen Aktivitäten hat nichts mehr mit mit Produktion zu tun (also mit Investition und Wirtschaftsleistung) und auch nicht mit Konsum, sondern mit dem Kauf und Verkauf von bereits vorhandenen Besitztümern, vor allem Immobilien … natürliche Ressourcen, Aktien und Anleihen. …

Michael Hudson, Der Sektor (ISBN 978-3-608-96404-2), S. 148

Feststeht:

Doch hat ein Kreditgeber des Staates an sich kein Interesse daran, ob irgendein Stück Land gut angebaut oder ein bestimmtes Kapital  wirtschaftlich eingesetzt wird. … Er kann diese Dinge nicht beaufsichtigen und kann sich auch nicht um sie kümmern.

Quelle: Adam Smith, 1776, Der Wohlstand der Nationen, dtv Klassik, Bd. 2208, S, 802

Deshalb reicht dem Rentier der Erwerb von sicheren Rechtstiteln wie z.B.:

Aktuelles Beispiel 1 der Fehmarnbelt-Tunnel (bereits hier, neben einem anderen Beispiel, unter P.S. schon verlinkt): Egal, ob da jemals ein Auto, ein Zug hindurchfährt, die Verträge sind wichtiger, sie sichern stetige Rückzahlung plus Rendite für die „Investoren“!

Aktuelles Beispiel 2, der ewige Kampf um des EU-Agrarbudget:

Im Schnitt fließen etwa 78 Prozent von den insgesamt 6,45 Milliarden EU-Agrarsubventionen bundesweit als Direktzahlungen an die Landwirtschaftsbetriebe. Im Bundesland Niedersachsen sind es sogar fast 83 Prozent, die pauschal an die Landwirte gezahlt werden. Die Direktzahlungen werden nämlich schlicht nach der Fläche des landwirtschaftlichen Betriebes bemessen und belohnen dadurch Landwirtinnen und Landwirte, die ihre Anbauflächen noch vergrößern.

Die Besitzer großer Flächen – häufig in der Hand von nicht landwirtschaftlich tätigen „Investoren“ – unterbinden jede Umverteilung zu Gunsten von Bio- oder kleinbäuerlicher Qualitätsproduktion. Die Verteilung der Mittel nach Fläche ist sakrosankt; ob der Acker irgend etwas produziert oder nicht: Finanzmittel, Geld gibt es für Fläche, für Grundbesitz! Der Feudalismus lässt grüßen!

Hinweis: Das Posting wurde am 6.11. um 08:36 h ergänzt.

Einzelnachweise

1 Drüberhinaus: Die Schatten des Wachstums können nicht ignoriert werden! 1) Umwelt, Klima, Verteilung usw. – nicht zu letzt, Stichwort: Verteilung, 2) auch das Problem der staatlich abgesicherten, leistungslosen Einkommen des Finanzsektors die über die Finanzierung auch der unsinigsten Projekt durch Recht auf Zinse und Rendite rücksichtslos eingefordert werden
2 Die berühmte Formel heißt G – W – G‘  Geld – Ware – mehr Geld!

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