Lohnerhöhungen jetzt? Streik jetzt?

Sind denn die Gewerkschaften, die Arbeitnehmer, von Sinnen? Jetzt, in dieser schwierigen (Corona-)Zeit höhere Löhne zu fordern?

Es fällt schwer Themen heutzutage ohne den Hintergrund Covid-19 zu bearbeiten. Das besonders Schlimme daran ist: Es ist klar, dass alle Probleme, die in der Vergangenheit angesammelt und „kultiviert“ wurden unter diesem Brennglas gesehen und mit Covid-19 entschuldigt werden. Deshalb die klare Feststellung: Covid-19 ist die Ursache für nichts, es ist lediglich der Lackmustest der die Systemschwächen und -fehler unseres Wirtschaftssystems offenlegen wird!

siehe hier

Gerd_Altmann – Pixabay.com

Auch zu Coronazeiten gilt: Nichts ist so einfach wie dieses:

Die Ausgaben des Einen sind die Einnahmen des Anderen!

siehe hier

Die Höhe der Löhne bestimmt die Höhe des Einkommens, die Höhe des Einkommens bestimmt die Höhe der (Konsum-)Nachfrage.

Steigt die Produktivität, steigen die Preise (Inflation) und bleibt gleichzeitig die Höhe der Einkommen – die Reallöhne – gleich, fehlt die Nachfrage. Folge: Entweder findet kein Wachstum statt – es werden keine neuen Arbeitsplätze geschaffen – oder der (wegen gestiegener Produktivität) höhere Output  kann – in Ermangelung höheren Einkommens – nicht nachgefragt weden. Die weiteren Folgen: Entweder Stagnation oder mehr Arbeitslosigkeit!

Ist es das, was Arbeitgeber und Gewerkschaften (und Politik?) im Schilde führen? Lohnerhöhungen „Nein Danke!“?

Unter der Überschrift

Lohnsenkung vernichtet Artbeitsplätze

widmet sich Heiner Flassbeck dem Thema. Um Lohnsenkung handelt es sich nämlich, wenn die Lohnerhöhungen/-forderungen hinter der Goldenen Lohnregel1)Die Goldene Lohnregel fordert für eine gesunde Wirtschaft im Wesentlichen eine Lohnerhöhung welche die gestiegene Produktivität der gesamten Volkswirtschaft zuzüglich der Inflationsrate plus ein „etwas mehr“ (für Wachstum und Vollbeschäftigung) bringt. Ist dies nicht der Fall, so wird über niedrige Löhne (Zitat: Gerhard Schröder, Davos 2005: „Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt.“) der Export begünstigt zu Lasten des Inlandkonsums („unter den eigenen Verhältnissen leben„) zurück bleiben – einfacher gesagt: Wenn sie zu niedrig sind.

In Deutschland wird wieder über Löhne verhandelt, doch gelernt hat offenbar niemand etwas. Die Folgen werden … verheerend sein.

… Es geht alles genau so weiter, wie es vorher war. Im öffentlichen Dienst wird über Lohnerhöhungen verhandelt und die Arbeitgeber, die vor einigen Wochen noch beliebig viele Milliarden für alles und jedes zur Verfügung hatten, tun so, als sei auf einmal kein Geld mehr vorhanden. Die Gewerkschaft ver.di, die sehr bescheidene 4,6 Prozent fordert, muss Warnstreiks einsetzen, um die Arbeitgeber auch nur dazu zu bewegen, ein Angebot auf den Tisch zu lagen. [Unterstreichung HHö]

Das dümmliche Gerede von den „Helden“ im öffentlichen Dienst, mit dem die Medien wochenlang hausieren gingen, ist den üblichen Parolen gewichen, nach denen die mit den sicheren Arbeitsplätzen zufrieden sein müssen, wenn sie genau so viel bekommen wie im Vorjahr.

So kommt es dann, wenn man jahrelang glaubt auf Unternehmensebene nur für Arbeitsplatzsicherung und deshalb nur am unteren Ende der Fahnenstange „verhandeln (besser: betteln!) zu können“ . Weiter auf MAKROSKOP:

Die Gewerkschaften sind mehr denn je in der Defensive. Bei der Post hat ver.di gerade einem Abschluss zugestimmt, der bei einer Laufzeit von 28 Monaten auf eine Lohnerhöhung pro Jahr von ganz knapp über 2 Prozent hinausläuft. Das kann man schon jetzt als „wegweisend“ ansehen. …

Die Gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Löhne

Ein schlagendes Beispiel für die mikroökonomische Konfusion hat gerade der Vorsitzende der IG-Metall gegeben. In einem Interview mit der ZEIT sagte Jörg Hofmann auf die Frage, ob die Viertagewoche nicht eine Möglichkeit wäre, auf »weniger Arbeit« zu reagieren und wie die Arbeitgeber dazu stehen:

(Zitat) „Die sagen nicht grundsätzlich Nein, denn sie wollen ihre Fachkräfte halten und wissen, dass die Leute produktiver sind, wenn sie weniger Arbeitsstunden pro Woche haben. Zugleich sparen sie Lohnkosten. …“ (Zitatende)

„Die Arbeitgeber sparen Lohnkosten“ sagt der vielleicht wichtigste Gewerkschaf-ter in Deutschland, ohne dazu zu sagen, dass genau das die Viertagewoche als Instrument zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit untauglich macht. Wenn die Arbeitgeber Lohnkosten sparen, haben die Arbeitnehmer nämlich weniger Ein-kommen, was Hofmann selbst in den nächsten Sätzen zugibt, wenn er von „einem gewissen“ Ausgleich spricht. …

Nebenbei kommt es dann doch heraus: Die Gewerkschaften wissen offensichtlich Bescheid, sie geben es jedoch nicht offen zu und ziehen nicht die entsprechenden Schlüsse: Deutschland lebt seit Mitte der 1990-iger Jahre unter seinen Verhält-nissen – zum Nutzen der Exportindustrie und ihrer Aktionäre, zu Lasten der Arbeitnehmer!2)Die Löhne, genauer: die Realeinkommen, bleiben in Deutschland schon seit Mitte der 1990-iger Jahre zurück (siehe Abb. 2 im verlinkten Artikel: Seit 2001 bis 2019 sind die Reallöhne in Deutschland nur um ~ 8 % gestiegen, in 18 Jahren!!)

Deutschland lebt seit mehr als 20 Jahren unter seinen Verhältnissen, zu Lasten der Wirtschaft der Partner im Export (der Länder, die deutsche Waren importieren, weil sie billiger sind!) und zu Lasten der Arbeitnehmer hier! Profitieren tut allein die Exportinsdustrie und ihre nationalen und internationalen Anteilseigner! Wir haben das alles hier schon auf MYTHOS – teilweise in mehreren Teilen –  unter den Überschriften „Deutschland macht alles richtig“ , „Am deutschen Wesen …“ , „Wohlstand ist eigene Leistung“ und „Wettbewerb ist gut“ behandelt.

Lohnsenkungen vernichten Arbeitsplätze! Arbeitszeitverkürzung ist keine Möglichkeit, sinkende Beschäftigung auszugleichen, weil die Nachfrage sinkt. …

… und alle Hoffnungen auf Besserung für die Arbeitnehmer schwinden dahin!

Warum sind die Gewerkschaften so defensiv? Verstehen sie die Zusammenhänge wirklich nicht? Fürchten sie sich vor der Phalanx der konservativen Medien, die natürlich eine gesamtwirtschaftlich sinnvolle Argumentation angreifen würden? Oder sind die Gewerkschaften – und vorneweg die IG-Metall – so exportfixiert, dass sie nach Corona ohne Rücksicht auf europäische Verluste die gleiche Übung wiederholen wollen, mit der sie zu Beginn dieses Jahrhunderts schon einmal »erfolgreich« waren? …

Ja, das muss uns alle interessieren: Hat da die Politik die Hände im Spiel 3)siehe hier, Günther Grunert: Der Flächentarif in der Kritik? Ist es vielleicht eine Änderung in der beruflichen Planung 4)… die man, geschähe sie andern Orts, vielleicht mit einem Geschmäckle ansehen würde? siehe hier vom Gewerkschaftschef direkt auf einen Direktorenposten) ? Oder sind „Die“ wirklich nur (Tschuldigung) doof und ignorant?

Disclaimer: Schriebvähler-Korrekturen per 28.10., 21:43 h

Einzelnachweise

1 Die Goldene Lohnregel fordert für eine gesunde Wirtschaft im Wesentlichen eine Lohnerhöhung welche die gestiegene Produktivität der gesamten Volkswirtschaft zuzüglich der Inflationsrate plus ein „etwas mehr“ (für Wachstum und Vollbeschäftigung) bringt. Ist dies nicht der Fall, so wird über niedrige Löhne (Zitat: Gerhard Schröder, Davos 2005: „Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt.“) der Export begünstigt zu Lasten des Inlandkonsums („unter den eigenen Verhältnissen leben„)
2 Die Löhne, genauer: die Realeinkommen, bleiben in Deutschland schon seit Mitte der 1990-iger Jahre zurück (siehe Abb. 2 im verlinkten Artikel: Seit 2001 bis 2019 sind die Reallöhne in Deutschland nur um ~ 8 % gestiegen, in 18 Jahren!!)
3 siehe hier, Günther Grunert: Der Flächentarif in der Kritik
4 … die man, geschähe sie andern Orts, vielleicht mit einem Geschmäckle ansehen würde? siehe hier vom Gewerkschaftschef direkt auf einen Direktorenposten)

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