Die Staatsschulden dürfen nicht zurück gezahlt werden!

Obwohl wir das von Anfang an auf MYTHOS durchgekaut haben, man kann es nicht oft genug sagen: Wenn der Staat seine „Schulden“ (das Geld für die Finanzierung des Wohlstandes Aller durch Alle) tilgen sollte, die Kredite („Schulden“) die er letztlich bei uns allen aufgenommen hat, müsste er das, was er uns Allen an Geld zuvor gegeben hat – nach der Geld-zuerst-Regel – wieder von uns zurückfordern, die Wirtschaft abwürgen und so die Menschen verarmen!

Gegen die Staats"schulden" steht die Arbeitsleistung Aller ... - stevepb, Pixabay.com

… Staats“schulden“ werden wie ein tilgungsfreies Darlehen immer wieder erneuert, nur die Zinsen werden bedient1)Siehe die Geburtsgeschichte der Bank of England: 1.268 Gläubiger liehen der Regierung insgesam 1,2 Mio£, legten keinen Wert auf Tilgung – war nicht vorgesehen – oder einen hohen Zins; man legte nur Wert auf eine sichere, stetige Einnahme, ein leistungsloses Einkommen, eine Rente!.

Heute sind seit Jahren die Zinsen sogar negativ – und werden es auf lange Zeit bleiben – und trotzdem sind Staatsanleihen begehrt!

Viele haben sich bereits gewundert, wo das viele Geld zur Bewältigung der Coronakrise herkommt – MYTHOS-Leser es wissen bereits: das Geld wird vom Staat geschöpft („gedruckt“). Joachim Nanninga2)Dr. Joachim Nanninga studierte Philosophie in Erlangen und Hamburg und hat als Erwachsenenbildner und Unternehmensberater gearbeitet. Sein besonderes Interesse gilt zur Zeit der Herausforderung, wie ökonomisches Denken für die Lehrerfortbildung fruchtbar gemacht werden kann. Er betreibt einen Blog zu wirtschaftspolitischen Themen. Quelle hat auf MAKROSKOP

„Acht Fragen aus Sorge um die staatlichen Ausgabeprogramme“

gestellt:

In der modernen Währungswelt kann nicht nur der Staat, sondern grundsätzlich jeder Wirtschaftsakteur Ausgaben tätigen, die nicht durch Einnahmen gedeckt sind. Warum ist das so?

Quelle

Was befähigt den Staat plötzlich zu den Geldausgaben, die wir derzeit sehen? Welchen Beschränkungen unterliegt das staatliche Ausgabengebaren?

Den Fragen 1-3, 7 und 8 wollen wir uns hier kurz widmen:

1. Wer muss letztendlich für die ganzen Ausgaben aufkommen?

MYTHOS: Wir Alle werden mit unserer zukünftigen Wirtschaftstätigkeit die Wirtschaft (und den Staat) erhalten. Die Staatsschulden dürfen nicht getilgt werden – das würde zum Abwürgen der Wirtschaft und zur Verarmung der Bevölkerung führen.

2. Sind Staatsschulden eine Belastung der nachfolgenden Generationen?

MYTHOS: Nein! Es werden nicht nur die Schulden sondern auch die sich dagegen ausgleichenden Vermögen vererbt. Kredite („Schulden“) heute sind Vermögen, die heute und morgen genutzt werden. Eine Schuldenbremse ist also eine Wachstums- und Vermögensbremse. Das ist die Logik, nichts Anderes!

3. Führt Staatsverschuldung zu Inflation?

MYTHOS: Nein!

Ein guter Beweis ist die Vermögenspreisinflation, die Preissteigerung bei Vermögenswerten: Der Finanzsektor füttert sich selbst mit immer neuen Krediten und treibt so die Preise für Vermögen (Grund und Boden, Immobilien, Aktien etc.) in die Höhe3)Beispiel hier: Ulrike Herrmann beispielhaft zur Bilanz der Deutsche Bank (yt. ab 5’58“) .

„Dank“ der weltweiten Lohnstagnation – tlw. seit Mitte der 70-iger (z.B. USA) spätestens seit Mitte der 90-iger (z.B. D) – trifft dieses auf die arbeitnehmende Bevölkerung nicht zu: Sie kann, beim besten Willen, keinen Inflationsdruck erzeugen, alles nur Blabla der „Ächtzperten“!

Inflation entsteht nur, wenn a) ein (3.Welt oder Schwellen-)Land sich in fremder Währung verschul-det, weil es selbst eine schwache, international nicht anerkannte und kreditwürdige Währung hat (in der man sich sonst, „verschulden“ könnte – siehe bspw. Argentinien, Venezuela, Türkei …), und dann durch überhöhte Zinsen, Währungsverfall (u.a. auch durch Währungsspe-kulation) in eine hohe Infla-tion getrieben(!) wird, oder b) – das ist dann auch die Konsequenz im Fall a – die Nachfrage das Angebot übersteigt weil zuviel Geld im allgemeinen Umlauf ist4)Beispiel: Die Deutsche Inflation 1914 – 1923: Durch die Kriegslasten und – nach dem Krieg – durch die Belastungen des Vertrags von Versaille wurde die Produktion von Gütern aller Art abgezogen; die verbleibende Binnennachfrage der Bevölkerung überstieg das Angebot bei Weitem, die Folge: Hyperinflation. Genau das ist es, was als Folge aus dem Verhalten des Finanzsektors – wie von Herrmann – beschrieben zur Vermögenspreisinflation führt und die Vermögenspreise treibt; und genau das ist es, was im in der Wirtschaft allgemein nicht der Fall ist wgen der Lohnstagnation.5)Simbabwe ist der mir einzig bekannte Sonderfall: Dort wird die Wirtschaft durch korrupte und kleptokratische Strukturen systematisch unterminiert und das Land so in die Situation: a) die Währung ist nichts (mehr) wert weil b) die Produktion systematisch in den Ruin getrieben wird – und so kommt es, dass die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt. Folge: Hyperinflation

7. Hatte der Staat gespart, um jetzt in der Corona-Krise gigantische Ausgaben tätigen zu können, und musste er dafür sparen?

MYTHOS: Rhetorische Frage: Ein Staat (eine Volkswirtschaft) kann nicht sparen6)Alle Ausgaben (Aufwendungen) müssen aus den laufenden Einnahmen – und den zur Verfügung stehenden Mittel wie Geldemission (Geld „drucken“) – getätigt werden.! Die wiederkehrende Mähr vom „Wir können uns das leisten, weil wir sparsam waren“ (im Ggs. zu „den Anderen“) kann nach den Gesetzen der Ökonomie nicht stimmen! (s. auch 2.) Wenn der Staat spart, gibt er weniger zurück – sagen wir 10% – als er eingenommen hat, nämlich 100% ->– es stehen dann auch in der Wirtschaft, exakt in Höhe der Ersparnis, weniger Einkommen zur Verfügung (eben nur 90%!) – obwohl die Wirtschaft zuerst die Ausgaben getätigt hat! Wir erinnern uns: Die Ausgaben des Einen sind das Einkommen des Anderen. Das beschädigt die Wirtschaft.

8. Dürften oder können deshalb Eurostaaten, die nicht so gespart haben, vergleichbare Rettungsprogramme für ihre Wirtschaft erst gar nicht auflegen?

MYTHOS: Sie müssen bei den Rettungsprogrammen sogar bevorzugt werden schließlich ist Deutschland Exportweltmeister – nicht aus eigenem Vermögen (nicht aus eigenem Tun – siehe hierhier, hier und hier)!! Schlimm genug: Deutschland ist auf Exportmärkte angewiesen, also darauf, dass es den Abnehmerländern gut geht, dass sie zahlungsfähig für ihre Importe aus Deutschland bleiben.

Das haben wir nun oft genug durchgekaut: Die hier angesprochen gängigen Mythen sind überwiegend bzw. komplett falsch!

Einzelnachweise   [ + ]

1. Siehe die Geburtsgeschichte der Bank of England: 1.268 Gläubiger liehen der Regierung insgesam 1,2 Mio£, legten keinen Wert auf Tilgung – war nicht vorgesehen – oder einen hohen Zins; man legte nur Wert auf eine sichere, stetige Einnahme, ein leistungsloses Einkommen, eine Rente!
2. Dr. Joachim Nanninga studierte Philosophie in Erlangen und Hamburg und hat als Erwachsenenbildner und Unternehmensberater gearbeitet. Sein besonderes Interesse gilt zur Zeit der Herausforderung, wie ökonomisches Denken für die Lehrerfortbildung fruchtbar gemacht werden kann. Er betreibt einen Blog zu wirtschaftspolitischen Themen. Quelle
3. Beispiel hier: Ulrike Herrmann beispielhaft zur Bilanz der Deutsche Bank (yt. ab 5’58“)
4. Beispiel: Die Deutsche Inflation 1914 – 1923: Durch die Kriegslasten und – nach dem Krieg – durch die Belastungen des Vertrags von Versaille wurde die Produktion von Gütern aller Art abgezogen; die verbleibende Binnennachfrage der Bevölkerung überstieg das Angebot bei Weitem, die Folge: Hyperinflation
5. Simbabwe ist der mir einzig bekannte Sonderfall: Dort wird die Wirtschaft durch korrupte und kleptokratische Strukturen systematisch unterminiert und das Land so in die Situation: a) die Währung ist nichts (mehr) wert weil b) die Produktion systematisch in den Ruin getrieben wird – und so kommt es, dass die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt. Folge: Hyperinflation
6. Alle Ausgaben (Aufwendungen) müssen aus den laufenden Einnahmen – und den zur Verfügung stehenden Mittel wie Geldemission (Geld „drucken“) – getätigt werden.

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