Gesundheit oder Wirtschaft zuerst?

„… weil letztlich geht es ja nicht dagegen, Wirtschaft gegen Gesundheit auszuspielen. Das ist dumm. Wir brauchen eine starke Wirtschaft, gerade um auch ein starkes Gesundheitswesen finanzieren zu können. Wir brauchen eine starke Wirtschaft, um den medizinisch-technologischen Fortschritt zu erwirken, der an vielen, vielen Stellen des alltäglichen Lebens hilft, Menschenleben zu retten, Gesundheit zu verbessern und damit den allgemeinen Lebensbedingungen, den Menschen entgegenzukommen. …“

Ein Interview mit Prof. Dr. Thomas Straubhaar (ein echter „Ächtzperte“) auf dem Deutschlandfunk.

Professor Doktor Thomas Straubhaar auf der Leipziger Buchmesse 2017 (Bild: Wikipedia), ein glücklicher „Experte“: Angesehener Job? Passt! Anständige Entlohnung? Passt! Sichere Altersvorsorgung? Passt! Da kann man sich gern ins Mikropphon erleichtern. Das alles sei ihm gegönnt – mehr nachdenken und vorsichtiger argumentieren beim Interview sollte man ihm auch gönnen! (Nb.: Prof. Straubhaar ist auch Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft INSM).

Ja, Herr Straubhaar, so ist es leider üblich, den zweiten Schritt vor dem ersten denken/tun, es verhält sich – wenn man so argumentieren will wie Sie – genau anders herum: Eine gesunde Wirtschaft braucht gesunde Menschen. Erst kommt die Gesundheit – die Menschen müssen gesund sein um Wirtschaftstätigkeit zu entfalten  – dann kommt die Wirtschaft ganz von selbst!

Der Mythos „Wirtschaft zuerst“ ist falsch, zuerst kommen die Menschen!

It’s the economy, stupid[Es ist die Wirtschaft, Dummkopf”] der durch Bill Clinton bekannt gewordene Wahlspruch aus seiner 1992-er Präsidentschaftswahlkampagne1)„Die Wirtschaft, Dummkopf“ ist ein 1992 von James Carville geprägter Satz. Er wird oft aus einem Fernsehquiz von Carville mit „It’s the economy, stupid“ zitiert. Carville war ein Stratege in Bill Clintons erfolgreicher Präsidentschaftskampagne 1992 gegen Amtsinhaber George H. W. Bush.(Wikipedia) . Was als griffiger Slogan eines Politkers im Wahlkampf noch durchgehen kann, muss man im täglichen Leben nicht unbedingt wörtlich nehmen, besonders nicht an Stelle eines um seine Expertenmeinung angerufenen Professors.

Richtig ist zweifellos, dass die Wirtschaft eine tragende Rolle in unserem Leben spielt, aber genauso richtig ist, dass man das eine nicht ohne das andere haben kann. Ein Blick in die Geschichte der Industrialisierung – und in deren Gegenwart (Stichworte: Rehaklinik, Burnout) – ein Blick in die Arbeitsbedingungen in der Dritten Welt zeigt auch, wie lebens-/gesundheitsgefährdend Wirtschaft immer war und heute noch ist.

Wer es kurz zusammen fassen will, der Dreiklang lautet:

  1. intakte, gesunde Umwelt (unbedingte Voraussetzung)
  2. intakte, gesunde Menschen (setzt eine (Über-)Lebensfähigkeit in und den Erhalt der gegebenen Umwelt voraus)
  3. nachhaltige Wirtschaft(-stätigkeit findet dann statt, wenn die ersten beiden Bedingungen erfüllt sind)

Wer noch weitere Beispiele haben will – hier mit dem Blick auf einen funktionierenden Sozialstaat, der einerseits a) Voraussetzung für eine funktionierende Gesellschaft/Wirtschaft ist jedoch andererseits b) von allen Seiten fortwährend angegriffen wird, Beispiel:

„Die Forderung von Minister Altmaier, die Sozialabgaben gesetzlich auf 40 Prozent der Löhne zu begrenzen, ist Unsinn. Unser Sozialstaat bietet keine verzichtbaren Wohltaten, sondern notwendige Leistungen zur Absicherung allgemeiner Lebensrisiken.“

Quelle

– der kann noch mehr einschlägige Argumente von Hartmut Reiners 2)Hartmut Reiners ist Volkswirt und Gesundheitsökonom. Er war viele Jahre in verantwortlichen Positionen in den Gesundheitsministerien der Länder tätig und maßgeblich an allen Reformen der gesetzlichen Krankenversicherung zwischen 1988 und 2009 beteiligt. Seit 2009 ist er freier Publizist im Bereich Gesundheitsökonomie und hat neben vielen Aufsätzen auch zwei Bücher zum Gesundheitswesen veröffentlicht. nicht nur auf der FR (wie bereits zuvor verlinkt) sondern auch auf MAKROSKOP nachlesen, Beispiel:

Die ökonomische Vernunft des Sozialstaates – 1

Seit den 1980er Jahren wird die Sozialpolitik in die Defensive gedrängt und als Klotz am Bein der Wirtschaft betrachtet. Mittlerweile zeigen sich die verheerenden Folgen dieser Politik. Es wird deutlich, dass der Sozialstaat keine verzichtbare „Wohltat“ ist, sondern eine elementare Grundlage der Infrastruktur moderner Gesellschaften.

Quelle

Einzelnachweise   [ + ]

1. „Die Wirtschaft, Dummkopf“ ist ein 1992 von James Carville geprägter Satz. Er wird oft aus einem Fernsehquiz von Carville mit „It’s the economy, stupid“ zitiert. Carville war ein Stratege in Bill Clintons erfolgreicher Präsidentschaftskampagne 1992 gegen Amtsinhaber George H. W. Bush.(Wikipedia)
2. Hartmut Reiners ist Volkswirt und Gesundheitsökonom. Er war viele Jahre in verantwortlichen Positionen in den Gesundheitsministerien der Länder tätig und maßgeblich an allen Reformen der gesetzlichen Krankenversicherung zwischen 1988 und 2009 beteiligt. Seit 2009 ist er freier Publizist im Bereich Gesundheitsökonomie und hat neben vielen Aufsätzen auch zwei Bücher zum Gesundheitswesen veröffentlicht.

Im letzten Posting haben wir Adam Smith zitiert, der schon 1776 feststellte, dass einem Gläubiger das Gelingen eines finanzierten Projektes egal ist – er kann es weder kontrollieren noch steuern – es kommt ihm nur auf seine möglichst sicher verbrieften Rechte, auf Zins, Rendite, auf seine Rente an. Aktueller Beweis gefällig? (Audio, 2’48“) Der Fehmarn-Tunnel! Ob dort jemals 12.000 Autos täglich – für die heute 8.000 Fahrzeuge täglich, die hochgerechnet werden, „baut man in Deutschland noch nicht einmal eine Umgehungsstraße“ (sinngem. Zitat ab 0’44“) – hindurch fahren werden oder nicht: Es werden schon Vorarbeiten erbracht (Kosten produziert) um die Entscheidung über 16 Mrd.€(!!) zu erzwingen. Den „Investoren“ ist alles egal, sie bringen ihr Geld sonst nirgendwo zinstragend unter! Man muss sich auch über Stuttgart 21 (yt 9’20“) keine Sorgen machen, Hauptsache die „Investoren“ kommen auf Ihre Kosten (yt 7’03“).

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