Nachtrag zu „Vom Zahler-Virus“ bis zu „Wer soll das bezahlen?“

Eigentlich ist alles gesagt zum Thema: Bezahlen sollen die 99%, kassieren wollen die 1%!

Alle drei Bilder aus Wikipedia: Jeff Bezos, Amazon; Bernard Arnault, LVMH (Luxusgüter); Warren Buffet, Berkshire Hathaway (Investment) – wir alle kaufen deren Produkte/Leistungen, drei bekannte Gesichter aus der 1% Kaste.

Die Herren haben eines gemeinsam: Hinter ihren Geschäften steht eine laufende Finanzierung durch den Finanzsektor: Die Banken, z. B. Goldman Sachs und die „Investment“fonds, die Vermögensverwalter z. B. BlackRock. Obwohl:

Doch hat ein Kreditgeber des Staates an sich kein Interesse daran, ob irgendein Stück Land gut angebaut oder ein bestimmtes Kapital  wirtschaftlich eingesetzt wird. … Er kann diese Dinge nicht beaufsichtigen und kann sich auch nicht um sie kümmern.

So Adam Smith bereits 1776!1)Wohlstand der Nationen,S. 802, Ausgabe C.H. Beck, 1974

Aber das ist doch logisch: Geld fühlt nicht, Finanzierungen fühlen nicht. Was kümmert es die Kreditgeber, wenn Jeff Bezos die lokale Händlerschaft durch Amazonisierung in den Ruin treibt? Was kümmert es den Finanzsektor, wenn Uber das (aus guten Gründen) regulierte Taxigewerbe2)sinngemäß verkürzt „… we are fighting an asshole name taxi“ [„… wir bekämpfen ein Arschloch namens Taxi“] ruiniert und an seine Stelle unterbezahlte, unterversicherte Privatleute einspannt?

Das können die Kreditgeber nicht alles im Detail beaufsichtigen und das müssen sie auch nicht – so lange die Rendite stimmt ist es ihnen egal, sie sind zu nichts verpflichtet. Und wenn es dann einmal ganz schlimm daneben geht – wie in der Großen Finanzkrise 2008 – dann wird nach dem sonst hartnäckig bekämpften Staat gerufen, der dann die Verursacher der Krise rauspauckt („Wir sind systemrelevant, wir sichern den Wohlstand …“ – das Gegenteil ist richtig!),3)schlag nach z. B. bei Michael Hudson, „Der Sektor – warum die globale Finanzwirtschaft uns zerstört“ ISBN 978-3-608-96404-2 – einige Zitate hieraus weiter unten mit Krediten, die diese ihm dann wieder geben.

Es ist der Finanzsektor der negiert, dass hinter dem Geld immer nur geleistete Arbeit steht und der sich selbst immer weiter treibt, es sind die 1% die den mittelalterlichen Feudalherren nachgefolgt sind und heute die 99% aussaugen!

Einzelnachweise   [ + ]

1. Wohlstand der Nationen,S. 802, Ausgabe C.H. Beck, 1974
2. sinngemäß verkürzt „… we are fighting an asshole name taxi“ [„… wir bekämpfen ein Arschloch namens Taxi“]
3. schlag nach z. B. bei Michael Hudson, „Der Sektor – warum die globale Finanzwirtschaft uns zerstört“ ISBN 978-3-608-96404-2 – einige Zitate hieraus weiter unten

Hudson beschäftigt sich schon seit seiner Ausbildung mit Geld und Finanzierung. Er hat auch viel Forschung über die Kredit/Schulden bzw. über die Gläubiger-/Schuldnerbeziehung im Altertum betrieben.1)Das Buch des Anthropologen David Graeber „Schulden: Die ersten 5000 Jahre“ fußt in einigen Teilen auf Hudsons Vorarbeit

Hudson beschreibt u. a. die Bedeutung der historisch relativ häufigen Schuldenerlasse2)s. hier:

Nicht die Schulden waren heilig und unantastbar, sondern deren regelmäßige Aufhebung, die … Befreiung der in Schuldknechtschaft geratenen.3)s. hier, David Graebers Buch baut sehr stark auf die Forschungsergebnisse Hudsons auf Auf diese Weise sollte das Gesellschaftliche Gleichgewicht aufrecht erhalten werden. Die Schuldenerlasse gefährdeten also nicht nur die gesellschaftliche und wirtschaftliche Stabilität, sondern waren im Gegenteil unerlässlich für deren Erhalt.

(S. 31)

Nicht die Schulden sind das Problem, das Problem sind rücksichtslose und raffgierige Gläubiger.

Welch lähmende Wirkung Schulden haben, erkannte man im 18. und 19. Jahrhundert sehr viel deutlicher. Das hat dazu geführt, dass Ökonomen, die gewohnheits gemäß die Partei der Gläubiger ergreifen die Entwicklungsgeschichte [Hervorhebung HHö] des ökonomischen Denkens aus dem Lehrplan ausklammern.

… Die Alternative eines Mittelwegs zwischen privater und öffentlicher Wirtschaft ist fast vollkommen in Vergessenheit geraten – oder wird als Sozialismus diffamiert. Und doch war jede erfolgreiche Volkswirtschaft der Geschichte eine solche Mischwirtschaft.

(S. 32f)

Mit umfangreichen Regeln, z.B. eine Mischwirtschaft (Privat und Staat) die wirklich frei ist: Frei von Monopolen, von Hungerlöhnen, von Großkonzernen und Banken (für das „normale“/tägliche Bankgeschäft nur Genossenschafts- und staatliche Banken, für das Finanzcasino, dort wo die „Großkopferten“ sich gegenseitig „beschäftigen“, die Privat- und „Investment“banken)4)zu den Investmentbanken siehe hier bei Ulrike Herrmann, 3. Paradox, ab 6’00“ – überhaupt ist dieser Beitrag recht interessant und erhellend

Hudsons Buch ist außerordentlich lesenswert und natürlich auch kritik- und diskussionswürdig, vor allem mit dem Blick auf die aus seinen Überlegungen folgenden Konsequenzen.

Der Glaube an den „Zahler-Virus“ beruht auf einem simplen Denkfehler: Jeder Einzelne schließt aus seinem Mikrokosmos: „Kann ich bezahlen oder nicht“ dies gelte auch für den Finanzsektor. Wie Urike Herrmann im verlinkten Beitrag beispielhaft an der Deutschen Bank erklärt (besser: nachweist), ebenfalls im 3. Paradox: Der Finanzsektor ist ein reines Casino welches sich selbst gegenseitig nährt und von den 99% unterhalten wird.

Man kann nur wiederholen:

 Der „Finanzsektor“– in der Form, in der er seit mehr als 100 Jahren sein Unwesen treibt – muss liquidiert werden. Alle Menschen müssen daran mithelfen und die herrschenden Politiken dementsprechend entschlacken und auf den gemeinsamen, allen Menschen nützenden Weg bringen. Getreu dem Sinne nach:

„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle aller Menschen widmen, deren Nutzen mehren, Schaden von ihnen wenden, die Gesetze wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. … .“

Einzelnachweise   [ + ]

1. Das Buch des Anthropologen David Graeber „Schulden: Die ersten 5000 Jahre“ fußt in einigen Teilen auf Hudsons Vorarbeit
2. s. hier
3. s. hier, David Graebers Buch baut sehr stark auf die Forschungsergebnisse Hudsons auf
4. zu den Investmentbanken siehe hier bei Ulrike Herrmann, 3. Paradox, ab 6’00“ – überhaupt ist dieser Beitrag recht interessant und erhellend

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