„Wer soll das bezahlen?“ – Teil 3 – „Wer in der Not ist, der muss sparsam sein!“ Sparen, Schulden machen und Schulden zurückzahlen

Der Klassiker: „Wer in der Not ist, der muss sparsam sein und seine Groschen zusammenhalten.“ So richtig dieses für den Einzelnen ist – gilt das auch für alle? Mit sparsamer Hand die Krise zu bewältigen suchen? Oder gar sich aus der Krise heraussparen? Geht das?

Die "schwäbische Hausfrau" – QuinceMedia – Pixabay.com
(Staats-)Schulden zurückzahlen? – Gerd_Altmann – Pixabay

Die Logik liegt doch offen auf der Hand: Mit weniger ausgeben (sparen) kann niemand Wachstum erzeugen!

Sparen heißt Geld (auf Zeit) stilllegen, dem Wirtschafts-/Geldkreislauf entziehen. Sparsam sein (in der EU die sog. „frugalen Fünf“ (einschl. D)) heißt die notwendigen Ausgaben nicht tätigen und so die notwendigen Einkommen nicht in voller Höhe entstehen zu lassen, heißt ebenfalls dem Wirtschafts- und Geldkreislauf für Wachstum benötigte Mittel entziehen oder vorzuenthalten. Das haben wir hier bereits ganz am Anfang geklärt, in den ersten beiden Postings hier auf MYTHOS. Es bedeutet daher – siehe den vorherigen Beitrag – die Minderung von Einkommen, Konsum und Wachstum.

Der Mythos vom sparsam sein, von der „schwäbischen Hausfrau“, sich aus einer Krise „heraussparen“ hat nur im einzelwirtschaftlichen Bereich Berechtigung. Im volkswirtschaftlichen Bereich ist er eindeutig falsch und zu verwerfen.

Was einzelwirtschaftlich korrekt ist, ist volkswirtschaftlich absolut kontraproduktiv; wir haben bereits erfahren: Die Ausgaben des Einen sind die Einnahmen des anderen!

Wenn alle sparen fehlt es in der Wirtschaft an Nachfrage. Da Investitionen die logische Voraussetzung für Einkommen, also für Nachfrage und Konsum sind (s. Teil 1), muss das Sparen logisch die Nachfrage und den Konsum dämpfen, weil die aus den Investitionen erzielten Einkommen um den Betrag kleiner sind, der gespart wird und sich dementsprechend das Geld im Kreislauf in der Wirtschaft um den Sparbetrag verringert. Die Produktion der Unternehmen wird deshalb nicht ausgelastet werden, weitere Investitionen in Arbeitsplätze und Einkommen werden deshalb nicht mehr durchgeführt. Quelle

Im sogenannten „Sparparadoxon“ ist diese Situation von Keynes ebenfalls gut beschrieben:

Auch John Maynard Keynes zufolge bedeutet ein Konsumverzicht, also das Sparen der Haushalte, für die Unternehmen einen Rückgang der Nachfrage. Sie reduzieren die Produktion (und reduzieren weitere Investitionen) und lösen einen negativen Multiplikatorprozess aus. Das gesamtwirtschaftliche Einkommen sinkt, und zwar stärker als der ursprüngliche Rückgang des Konsums. Quelle 

Die kritischen Entgegnung zum Sparparadoxon ist, salopp formuliert: „Das gesparte Geld wird ja nicht auf ewig stillgelegt,1)Das würde man dann gehortet, nennen: Bei Dagobert Duck auf ewig im Geldspeicher gehortet! es wird später wieder in den Wirtschaftskreiskauf zurückgeführt!“ Diese Entgegnung sticht allerdings nicht: Das gesparte Geld fehlt heute an Ausgaben/Einkommen in Höhe der Ersparnisse und in der Folge entsprechend an Nachfrage. Die Menschen werden heute wegen unterausgelasteter Produktion arbeitslos, und eine Abwärtsspirale setzt sich in Gang. Da ist es nicht hilfreich zu wissen: „Das Geld ist nicht auf ewig im Sparstrumpf verschwunden, es kommt später wieder!“

Nun ist „sich aus der Krise heraussparen“ nicht angesagt – oder etwa doch? Auf Umwegen?

Die heutige Krise ist nicht durch Covid-19 über uns gekommen, das Corona-Virus legt die Defizite lediglich in aller Schärfe bloß und bewirkt neue finanzielle Maßnahmen in Billionenhöhe2)Neue Schulden? Wieso das? Wo ist denn das Geld, welches den bisherigen Schuldenberg repräsentiert, geblieben? In privaten Säcken und Tresoren! Denn: Keine Buchung ohne Gegenbuchung: Macht der Staatssektor (der Staat) Schulden entsteht Vermögen im Privatsektor (bei den Menschen und finanziellen Institutionen, sie erhalten Wertpapiere für Geld) – beim Einnahmeüberschuss des Staates ist es umgekehrt (siehe „Sparen macht arm“). Achtung: Bitte Geld nicht mit Vermögen verwechseln. Die Unterscheidung Geldvermögen und Kapitalvermögen ist für später vorbehalten..

Schon wieder Schulden machen! (Pfui!??) Oder doch irgendwie aus der Krise heraussparen?

Keine Alternative ist es, alles laufen zu lassen – Motto: „Der Markt regelt das, die unsichtbare Hand!“ Außer „Gelddrucken“ gibt es schlicht keine andere Möglichkeit um bleibenden Schaden erst garnicht entstehen zu lassen! 

In einem Staat ist die Zentralbank die einzige Bank, der es erlaubt ist Staatsgeld zu schöpfen3)Der Vorgang der „Geldschöpfung“ ist, die Währung des Staates betreffend, die einzige Schöpfung von „echtem Geld“, d.h.: Staatsgeld, Staatswährung, Zentralbankgeld werden in Umlauf gebracht, „emittiert“. Auf der Ebene des Staates wird dieser logisch von vorneherein notwendige Vorgang als „Geld drucken“ diffamiert. Auch die Banken schöpfen Geld, Giralgeld – auch Giroguthaben, Kontogeld genannt – kein Staatsgeld, Bankengeld eben, wertlos wenn die Bank überschuldet ist und in Konkurs geht [zur Geld-(Kredit-)schöpfung durch private Banken s. hier!]. Ein Giroguthaben ist eine Forderung gegen die Bank dem Inhaber des Guthabens Zentralbankgeld, „richtiges Geld“, Bargeld in Höhe des Giroguthabens, auszuzahlen. Mit der Geldschöpfung selbst und den zwei (drei) Geldkreisläufen eines modernen Finanzsystems beschäftigen wir uns später noch genauer.. Leider ist es der Zentralbank untersagt den Staat zu finanzieren4)Obwohl es, nach der modernen Geldtheorie genauso funktioniert, aber verschleiert wird. Die – vorgeschobenen – Gründe interessierter Kreise sind bekannt: Die Politik ist maßlos!, macht Wahlgeschenke!, der Staat kann nicht wirtschaften, ist unfähig! – Privat ist solide und passt auf, dass das Geld „nicht in falsche Hände“ gerät!, „der Markt“ regelt das am besten und am effizientesten! Welch eine (Tschuldigung) Verarschung; es ist genau anders herum: Privat ist der Haifisch, der Räuber im öffentlichen Teich! Aber noch schlimmer: Keiner merkt das, keiner will es merken und nimmt die Gründe für die hunderten Krisen war, die durch private Verursachung in den letzten eintausend Jahren stattgefunden haben – die, so zu sagen, „über die Menschen hereingebrochen wurden“! Kurzer, unvollständiger Ausrissseit seit 2000 (und nur die größten „Ereignisse“): Dotcom-Krise; Immobilien-krise, Lehmann-Pleite, (seitdem kriselt der Interbankenmarkt, die Bankster trauen sich gegenseitig nicht mehr) Griechenland- und GIIPS-Krise (nein, keine €uro-Staatsschulden-Krise eine Bankenkrise, die auf „den Staat“ „umgeleitet“ wurde – den man dann wieder als unfähig diffamiert..

Dieses ist eine selbst auferlegte, gesetzliche Restriktion! Der Staat (oder die EU) kann also nicht hingehen und zur Zentralbank (oder zur EZB) und sagen: „Wir brauchen für die Überwindung der Corona-Krise-Folgen X Billionen €uro, bitte zur Verfügung stellen!“ … und die EZB liefert; das wäre zu einfach, das musste von einflußreichen Kreisen, von den Finanzkreisen, verhindert werden!

Neues Geld muss also emittiert werden. Die Frage ist jetzt nur noch: Drucken und als Beihilfen ausgeben oder Schulden machen, die getilgt, zurückgezahlt werden müssen?

Es gibt keine Umwege, weder mit noch ohnen Krise! So kommt es dann wie es kommen muss: Der Staat gibt Schuldpapiere heraus, er gibt Staatsanleihen über die Deutsche Finanzagentur aus, die an die Banken der Bietergruppe auf dem sog. Primärmarkt verkauft werden, die diese dann auf dem sog. Sekundärmarkt, mit leistungslosem Gewinn, weiterverkaufen: an private „Investoren“, an „institutionelle Anleger“ – wie Pensionsfonds, Versicherungen usw. – und an alle Wirtschaftssubjekte die eingegangene, weniger sichere Risiken gerne in sichere „Risiken“, in Staatspapier eintauschen5)Z.Z. tun sie dieses sogar mit Verlust: Die Umlaufrendite in Deutschland beträgt per 03.09.2020, 12:10 h -0,47% (in Worten: Minus nullkommasiebenundvierzig Prozent!) Quelle (die Umlaufrendite ist, vereinfacht gesagt, der gewichtete, durchschnittliche Zins von Staatsanleihen und festverzinslichen Wertpapieren die am Kapitalmarkt umlaufen.

Das Motto: Lieber wenig Geld verlieren als viel Geld verlieren. Es werden also erst einmal am Primärmarkt die Großbanken gesättigt, die dann die Differenz zwischen Emissionspreis und Abgabepreis am Sekundärmarkt realisieren. In D machen die Banken so einen risikolosen, automatischen Gewinn in Milliardenhöhe – genaue Zahlen sind, verständlicherweise, nicht zu erhalten.

Daraus folgt: Staatsschulden zurückzahlen führt zur Entschuldung des Staates auf Kosten der Wirtschaft und der Menschen; einerseits durch Minderausgaben und Kürzungen, andererseits durch notwendige Einnahmenerhöhung zur Schuldentilgung. Nicht die Emissionen von Staatsschulden – eintauschen von umlaufendem Geld in Staatstitel, die natürlich vererbbar sind – sind die Last für unsere Kinder und Enkel, die Last ist die unnachgiebige Forderung auf Rückzahlung seitens der privaten und institutionellen Rentiers. Mit Rentier (sprich: Rentje oder Rontje) werden die Bezieher einer aktuell leistungslosen Rente aus Kapital oder Boden bezeichnet. Es sind nicht die Rentner gemeint, die eine Alters- oder Erwerbsminderungsrente, eine gesetzliche Rente oder Pension, beziehen.

Einzelnachweise   [ + ]

1. Das würde man dann gehortet, nennen: Bei Dagobert Duck auf ewig im Geldspeicher gehortet!
2. Neue Schulden? Wieso das? Wo ist denn das Geld, welches den bisherigen Schuldenberg repräsentiert, geblieben? In privaten Säcken und Tresoren! Denn: Keine Buchung ohne Gegenbuchung: Macht der Staatssektor (der Staat) Schulden entsteht Vermögen im Privatsektor (bei den Menschen und finanziellen Institutionen, sie erhalten Wertpapiere für Geld) – beim Einnahmeüberschuss des Staates ist es umgekehrt (siehe „Sparen macht arm“). Achtung: Bitte Geld nicht mit Vermögen verwechseln. Die Unterscheidung Geldvermögen und Kapitalvermögen ist für später vorbehalten.
3. Der Vorgang der „Geldschöpfung“ ist, die Währung des Staates betreffend, die einzige Schöpfung von „echtem Geld“, d.h.: Staatsgeld, Staatswährung, Zentralbankgeld werden in Umlauf gebracht, „emittiert“. Auf der Ebene des Staates wird dieser logisch von vorneherein notwendige Vorgang als „Geld drucken“ diffamiert. Auch die Banken schöpfen Geld, Giralgeld – auch Giroguthaben, Kontogeld genannt – kein Staatsgeld, Bankengeld eben, wertlos wenn die Bank überschuldet ist und in Konkurs geht [zur Geld-(Kredit-)schöpfung durch private Banken s. hier!]. Ein Giroguthaben ist eine Forderung gegen die Bank dem Inhaber des Guthabens Zentralbankgeld, „richtiges Geld“, Bargeld in Höhe des Giroguthabens, auszuzahlen. Mit der Geldschöpfung selbst und den zwei (drei) Geldkreisläufen eines modernen Finanzsystems beschäftigen wir uns später noch genauer.
4. Obwohl es, nach der modernen Geldtheorie genauso funktioniert, aber verschleiert wird. Die – vorgeschobenen – Gründe interessierter Kreise sind bekannt: Die Politik ist maßlos!, macht Wahlgeschenke!, der Staat kann nicht wirtschaften, ist unfähig! – Privat ist solide und passt auf, dass das Geld „nicht in falsche Hände“ gerät!, „der Markt“ regelt das am besten und am effizientesten! Welch eine (Tschuldigung) Verarschung; es ist genau anders herum: Privat ist der Haifisch, der Räuber im öffentlichen Teich! Aber noch schlimmer: Keiner merkt das, keiner will es merken und nimmt die Gründe für die hunderten Krisen war, die durch private Verursachung in den letzten eintausend Jahren stattgefunden haben – die, so zu sagen, „über die Menschen hereingebrochen wurden“! Kurzer, unvollständiger Ausrissseit seit 2000 (und nur die größten „Ereignisse“): Dotcom-Krise; Immobilien-krise, Lehmann-Pleite, (seitdem kriselt der Interbankenmarkt, die Bankster trauen sich gegenseitig nicht mehr) Griechenland- und GIIPS-Krise (nein, keine €uro-Staatsschulden-Krise eine Bankenkrise, die auf „den Staat“ „umgeleitet“ wurde – den man dann wieder als unfähig diffamiert.
5. Z.Z. tun sie dieses sogar mit Verlust: Die Umlaufrendite in Deutschland beträgt per 03.09.2020, 12:10 h -0,47% (in Worten: Minus nullkommasiebenundvierzig Prozent!) Quelle (die Umlaufrendite ist, vereinfacht gesagt, der gewichtete, durchschnittliche Zins von Staatsanleihen und festverzinslichen Wertpapieren die am Kapitalmarkt umlaufen

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