Corona-Krise – Teil 4711, Stand 170720: Zurück zur Normalität?

Zurück zur Normalität! Welche Normalität? Weiter so wie immer? Nichts lernen, nicht vorbeugen? Hören, sagen, sehen – wozu? Die Wiese ist grün, die Blumen blüh’n, alles gut!(?)

Alexas_Fotos auf Pixabay.com

Passend zu der vorangegangenen Serie vom Wettbewerb zum Hartz IV-Regime (Agenda 2010): Was ist der Stand zum Lernprozess aus der weltweiten (Corona-)Krise. Es geht ja nicht nur um Corona, Corona ist das Ereignis welches offen legt, dass „der Kaiser keine Kleider trägt“! Corona öffnet die Augen für die dysfunktionalen Strukturen unseres Gesellschafts- und Wirtschaftssystems!

Beispiel Corona: Urlaubszeit gleich Ausnahmezustand! Verantwortungsgefühl, Vorsicht, Rücksicht? Nein Danke!

Corona-Sorglosigkeit auf Mallorca Weltärztepräsident: Nicht davor zurückschrecken, Quarantäne anzuordnen …
… Wir müssen doch auch eine Lehre ziehen. Überall wo es in Deutschland heftige Ausbrüche gegeben hat, Gangelt oder Tönnies, waren immer viele Menschen auf engem Raum und ohne Schutz zusammen. Warum man das jetzt freiwillig
[im] Urlaub auf Mallorca macht, verstehe ich nicht. …

Quelle

Es ist überall das gleiche Bild – ob Corona, Wettbewerbsdenken, Finanzmärkte …: „Die Erfahrung lehrt, dass die Erfahrung nichts lehrt!“ (Quelle: beliebig; von Konfuzius bis heute gibt es viel Varianten dieses Sprichwortes).

Wir wollen nicht jammern aber es ist schon gespenstig, dass der Mensch in puncto Verdräng-ungsleistung mindestens so kreativ und leistungsfähig ist wie auf allen anderen Feldern. So ist die Prävention, die Vorsorge, durchaus verpönt. Erinnert sei an Friedrike Spieckers Kommentar zum Sturmtief Sabine: War es die Prävention, die erwartbaren Schaden nicht hat eintreten lassen? Oder weil „… alles überzogen, iss ja nix passiert, iss alles übertrieben, alles unnötig.“ sowieso nichts passiert wäre? Christian Morgenstern hat daraus Die unmögliche Tatsache gemacht (tut Euch selbst den Gefallen, lasst Euch dieses hübsche, kurze Gedicht vorlesen).

Guggt man außer Landes und jeseits von Corona findet man beispielsweise (Stiglitz/Rashid auf Project Syndicate):

Doch nach der jüngsten globalen Einschätzung des Departements für Wirtschaft und Soziales der Vereinten Nationen, werden diese Konjunkturmaßnahmen [zu Krisenbewältigung – HHö] möglicherweise nicht Konsum und Investitionen um so viel ankurbeln als von der Politik erhofft. Das Problem ist, dass ein beträchtlicher Teil des Geldes direkt in Kapitalpolster zur Erhöhung von Vorsorgeguthaben führt. …

Über die üblichen Ängste vor Verschuldung und Inflation, gibt es auch guten Grund zur Sorge, dass die Bankguthaben für Finanzspekulationen verwendet werden. Die Aktienmärkte rotieren bereits täglich wie von Sinnen, und ihre Volatilität [Schwankung in der Zeit – HHö] könnte wiederum das Klima der erhöhten Unsicherheit befeuern, was zu noch mehr vorsichtigem Verhalten führt und sowohl für den Konsum als auch die für den Aufschwung erforderlichen Investitionen entmutigend wirkt. …

eine massive Zunahme des Geldangebots und nur begrenzte Verwendung(smöglichkeit) des Geldes durch die Haushalte und Unternehmen.…

Quelle [eigene Übersetzung aus dem englischen Original]

Ja! Das schon lang vor Corona existente Problem: kein sinnvoller, investiver Verwendungszweck für das Geld auf Grund der weltweiten Nachfrageschwäche, also ab ins Finanzcasino damit. Resultat: Inflation im Betongold (Boden und Immobilien – Kollateralschaden für die Menschen: steigende Mieten und Immobolienpreise) und in spekulativen Werten (Aktien bei sinkenden Zinsen).

Und weiter (Mariana Mazzucato1)Bekannt wurde die Ökonomin durch ihr Buch „Das Kapital des Staates. Eine andere Geschichte von Innovation und Wachstum“. Darin widerlegt sie den Mythos, dass nur der private Sektor Innovationen vorantreibt und der Staat träge ist und kein Innovationspotenzial besitzt.(s. hier) , The Guardian):

Und doch gibt es ein Problem. Die erforderliche Intervention erfordert einen ganz anderen Rahmen als den, für den sich die Regierungen entschieden haben. [zu Krisenbewältigung – Hhö] Seit den 1980er Jahren wurde den Regierungen gesagt, sie sollten sich in den Hintergrund drängen und sich von der Wirtschaft lenken und Wohlstand schaffen lassen und nur eingreifen, um Probleme zu lösen, wenn sie auftreten. Das Ergebnis ist, dass Regierungen nicht immer richtig vorbereitet und ausgerüstet sind, um mit Krisen wie Covid-19 oder dem klimatischen Notstand umzugehen. [Hervorhebung HHö] …

Die herausragende Rolle der Wirtschaft im öffentlichen Leben hat auch zu einem Vertrauensverlust in das geführt, was die Regierung allein erreichen kann – was wiederum zu den vielen problematischen öffentlich-privaten Partnerschaften, die die Interessen der Wirtschaft über das öffentliche Wohl stellen, führt. Zum Beispiel ist gut dokumentiert, dass öffentlich-private Partnerschaften in Forschung und Entwicklung oft „Blockbuster“ auf Kosten von weniger kommerziell attraktiven Medikamenten bevorzugen. Diese kommerziell weniger attraktiven Medikamente sind für die öffentliche Gesundheit von enormer Bedeutung, einschließlich Antibiotika und Impfstoffen für eine Reihe von Krankheiten mit Ausbruchspotential.

… Drittens müssen Regierungen öffentlich-private Partnerschaften strukturieren, um sicherzustellen, dass beide Bürger und die Wirtschaft profitieren. …

Quelle (eigene Übersetzung)

Jaja! Im Hintergrund bleiben und „und nur eingreifen, um Probleme zu lösen, wenn sie auf-treten.“ Sprich: Nur Kohle, Bimbes, Money geben und sich für – u.a. daraus resultierende – Staatsschulden beschimpfen lassen (Pfui!). Die privaten Spekulanten, wenn deren abenteurliche Zockerei wieder mal so richtig daneben gegangen ist, retten weil angeblich „systemrelevant“2)Wer hier systemrelevant ist, das hat Corona gezeigt … und zeigt das Drama in der Altenpflege täglich. Die „Phynanzer“ sind es ganz bestimmt nicht!.

Der Nachtwächterstaat lässt grüßen. Wie schon gesagt: Alles kalter Kaffee, hat alles nichts mit Corona zu tun; Corona ist nur das Brennglas welches die wahren Ursachen offenlegt: Die Politik hat sich einen schlanken Fuß gemacht (machen lassen): „Macht alles der Markt, die unsichtbare Hand. Wir müssen nur für freundliche Gesichter sorgen … und dafür, dass wir wieder gewählt werden!“ (Tschuldigung für den Sarkasmus)

Stand per 17. Juli im Jahre Null!

Einzelnachweise   [ + ]

1. Bekannt wurde die Ökonomin durch ihr Buch „Das Kapital des Staates. Eine andere Geschichte von Innovation und Wachstum“. Darin widerlegt sie den Mythos, dass nur der private Sektor Innovationen vorantreibt und der Staat träge ist und kein Innovationspotenzial besitzt.(s. hier)
2. Wer hier systemrelevant ist, das hat Corona gezeigt … und zeigt das Drama in der Altenpflege täglich. Die „Phynanzer“ sind es ganz bestimmt nicht!

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