Rohstoffe machen reich

so könnte man meinen. Was ist dran an dem Mythos? In Nachbereitung des Themas „Wettbewerb ist gut“ und in Vorbereitung einer dreiteiligen Folge über die Agenda 2010 wollen wir uns das anschauen.

Steinkohlebergbau – Bild von Jan Blanke Pixabay.com
Braunkohletagebau – Bild von nedu503 auf Pixabay.com

Wenn man sich in der Welt umsieht, so können Zweifel kommen, Einerseits: Deutschland hat außer Stein- und Braunkohle (fast) keine Rohstoffe … und zählt doch zu den fünf reichsten Volkswirtschaf-ten der Welt, gleiches trifft auf Japan zu. Andererseits: Viele Länder dieser Welt haben Rohstoffe vieler Art und doch sind sie nicht reich. Im Gegenteil: Rohstoffe können zu erheblichen Problemen führen.

Um es kurz zu machen: Der Reichtum einer Volkswirtschaft, einer Nation hat wenig bis nichts mit eigenen Rohstoffen zu tun – aber sehr viel mit Macht.

Der Mythos „Rohstoffe machen reich“ ist, wörtlich genommen, falsch!

„Rohstoffe machen reich“ ist natürlich gemeint im Sinne von „machen das Land und die Inlän-der reich, Wohlstand für alle“ – jegliche Verteilungsproblematik soll hier (noch) nicht besprochen werden.1)Verteilung/Teilhabe ist ein besonders krasses Thema für rohstoffreiche Länder wie bspw. Nigeria, Kongo und Venezuela. „Wir“, die Abnehmer, die Industriestaaten – und leider auch die Landesregierung mit ihren „Netzwerken“ (über „unsere“ Verantwortung in diesem Spiel muss auch geredet werden (es gibt der Korruptionsaffären viele) – haben nur ein Interesse: Sich zu bereichern! Der Rest – Bevölkerung, Umwelt, Klima … – ist sch…egal

Die Beispiele Deutschland und Japan sind schon genannt: Keine eigenen Rohstoffe aber reiche Länder und Gesellschaften; beispielhaft im Gegensatz dazu, Russland: Reich an Rohstoffen aller Art aber – gemessen am natürlichen Reichtum – arme Gesellschaft.

Deutschland und Japan, reich aber ohne eigene militärische Kraft, Russland mit viel Militär-macht ausgestattet aber arm, wie passt das zusammen? Geflügeltes Wort: „Bullshit talks, money walks!“ (so reimt es sich im amerikanischen, auf deutsch sinngemäß übertragen: „Bullshit schwätzt, Geld handelt!“) Es ist die wirtschaftliche Macht (Geld, Kapital), die (umgangssprach-lich) „die Hosen an hat“.2)Wirtschaftliche Macht ist auch Voraussetzung für militärische Macht, ggf. die Einbindung in Bündnisse, die dem Aufbau und Erhalt wirtschaftlicher Macht dienen – man denke an die bipolare Welt von 1945 bis 1990, D und J wurden als Grenzposten gegen den „bösen Kommunismus“ aufgebaut.3)Und nicht zu vergessen: Deutschland – genauso Japan – hat seine wirtschaftliche Macht nicht aus eigener Kraft erschaffen (s. bspw. hier (zugeteilt bekommen) und hier (geduldete Tricksereien)

Auch die Länder der Zweiten und Dritten Welt können ein Lied hiervon singen: Sie sind den Machtinstrumenten4)z.B. dem IWF, GATT, WTO, Machenschaften des Finanzsektors, z. B. „Carry Trade“ (die diversen „Argentinienkrisen“ sind – neben weiteren Ursachen – ohne internationale Währungsspekulation nicht denkbar!) der Ersten Welt hilflos ausgeliefert, werden in diesen Gremien nicht gehört sondern dominiert und von (den von „uns“ geschickten, überwiegend Ökonomiks und „internationale“ Gremien) Beratern in „unserem Interesse“ beraten.5)Kurze Erläuterung: Währungsspekulation, z.B. Carry Trade wird v. a. begünstigt durch falsche Beratung: Rohstoffreichtum treibt den Kurs der Landeswährung, dieser wird künstlich niedrig gehalten durch Zinsinterventionen der Landes-Zentralbank: Relativ günstiger Währungskurs plus relativ hohe Zinsen = beste Voraussetzung für Währungsspekulation Wenn dann auch noch nicht gut funktionierende staatliche Institutionen und nicht funktionierende Gewaltenteilung hinzu kommen, dann ist sicher gestellt, dass diese Länder Absatzmärkte bleiben und nie Konkurrenten werden (können).6)Interessant ist in diesem Zusammenhang: Wenn es um Russland oder China geht wird mangelnde Rechtsstaatlichkeit – so wie wir sie verstehen und praktizieren – zum Dauerthema in den Medien und der Politik; passiert vergleichbares in der Zweiten oder Dritten Welt heißt es nur „Die sind halt so, alles korrupt und unfähig.“ Dass diese Feststellung – bedingt richtig – ein zweischneidiges Schwert ist, geschenkt. Wer thematisiert „unseren“ Anteil an diesen Dramen? Nur „linke Spinner und Weltverbesserer“!?

Wenn natürlich alles zusammenkommt – Rohstoffreichtum, militärische und wirtschaftliche Macht – dann sprechen wir über die USA. Aber dieses Thema soll hier nicht weiter vertieft werden.

Im nächsten Beitrag geht es nahtlos weiter: Die Vorgeschichte der Agenda 2010 – Teil 1 Die Vorgeschichte der Vorgeschichte

Einzelnachweise   [ + ]

1. Verteilung/Teilhabe ist ein besonders krasses Thema für rohstoffreiche Länder wie bspw. Nigeria, Kongo und Venezuela. „Wir“, die Abnehmer, die Industriestaaten – und leider auch die Landesregierung mit ihren „Netzwerken“ (über „unsere“ Verantwortung in diesem Spiel muss auch geredet werden (es gibt der Korruptionsaffären viele) – haben nur ein Interesse: Sich zu bereichern! Der Rest – Bevölkerung, Umwelt, Klima … – ist sch…egal
2. Wirtschaftliche Macht ist auch Voraussetzung für militärische Macht, ggf. die Einbindung in Bündnisse, die dem Aufbau und Erhalt wirtschaftlicher Macht dienen – man denke an die bipolare Welt von 1945 bis 1990, D und J wurden als Grenzposten gegen den „bösen Kommunismus“ aufgebaut.
3. Und nicht zu vergessen: Deutschland – genauso Japan – hat seine wirtschaftliche Macht nicht aus eigener Kraft erschaffen (s. bspw. hier (zugeteilt bekommen) und hier (geduldete Tricksereien)
4. z.B. dem IWF, GATT, WTO, Machenschaften des Finanzsektors, z. B. „Carry Trade“ (die diversen „Argentinienkrisen“ sind – neben weiteren Ursachen – ohne internationale Währungsspekulation nicht denkbar!)
5. Kurze Erläuterung: Währungsspekulation, z.B. Carry Trade wird v. a. begünstigt durch falsche Beratung: Rohstoffreichtum treibt den Kurs der Landeswährung, dieser wird künstlich niedrig gehalten durch Zinsinterventionen der Landes-Zentralbank: Relativ günstiger Währungskurs plus relativ hohe Zinsen = beste Voraussetzung für Währungsspekulation
6. Interessant ist in diesem Zusammenhang: Wenn es um Russland oder China geht wird mangelnde Rechtsstaatlichkeit – so wie wir sie verstehen und praktizieren – zum Dauerthema in den Medien und der Politik; passiert vergleichbares in der Zweiten oder Dritten Welt heißt es nur „Die sind halt so, alles korrupt und unfähig.“ Dass diese Feststellung – bedingt richtig – ein zweischneidiges Schwert ist, geschenkt. Wer thematisiert „unseren“ Anteil an diesen Dramen? Nur „linke Spinner und Weltverbesserer“!?

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