Wettbewerb ist gut – Teil 3 … und was dabei rauskommt: Kollateralschaden für alle!

Was kommt denn nun heraus aus diesem Wettbewerb der Nationen? …

Bild von Ryan McGuire auf Pixabay.com

… dass das deutsche Auslandsvermögen die Motten hat:

Der vorliegende Beitrag untersucht die Rentabilität des deutschen Auslandsvermö-gens und identifiziert massive Bewertungsverluste in den letzten Jahren sowie einen durchgängig adversen Trend in früheren Jahrzehnten. Diese ungünstige Entwicklung sowie historisch niedrige Refinanzierungskosten sprechen für eine inländische Investitionsoffensive zur Bewältigung zentraler struktureller Herausforderungen.

Quelle

Mit anderen Worten: Statt im Ausland könnte das Geld auch im Inland ausgegeben werden, zum Wohl der deutschen Bevölkerung. Beispielsweise: In der Zeit 2000 bis 2012 sind Exportüberschüsse von 1.275 Mrd€ erwirtschaftet worden, denen nur 1.013 Mrd€ Vermögenszuwachs gegenüberstehen. Im Klartext (umgangssprachlich): „Es kommt weniger rein als raus geht!“ Deutsche Waren werden zu billig verkauft (verschenkt); für den Erhalt einer vorübergehenden Wettbewerbsposition (niemand sollte glauben, dass das Ausland sich auf ewig bei Deutschland verschulden will oder kann)!

Außerdem: Wenn die Andern doch so „so wenig wettbewerbsfähig sind, und auf Pump leben“, wie können wir darauf vertrauen, dass unser Geld (in voller Höhe!) zurück kommt??

Wie schon in den Beiträgen zuvor ausgeführt: Der Wettbewerbs-Mythos ist aus dem ökonomischen Denken und Handeln zu eliminieren.

Der Fakt der in den vorangegangen Postings bisher noch nicht klar benannt worden ist: Die deutsche Wirtschaft – genauer: die deutsche Exportindustrie – verschenkt Geld zum Schaden aller Beteiligten. Die folgende Grafik (Quelle) zeigt das aktuelle Ausmaß:

Entwicklung des deutschen Außenhandels 1995-2018 (aus Bundeszentrale für politische Bildung – bpb)

In der Zeit zwischen 1995 bis 2018 hat Deutschland Exportüberschüsse von sage und schreibe 3.474 Mrd€ erzielt!!

Wie hat Deutschland das erreicht? 1. mit relativ zu niedrigen Löhnen1)Die Reallöhne in Deutschland sind von 1991 bis 2012 von 98,6 auf 101,7 gestiegen, in 21 Jahren um 3,1 Punkte oder, andere Quelle, in 15 Jahren, 2000 – 2015, von 102 auf 106 also in 15 Jahren um 4 Punkte (hier, Fußnote 5).
Siehe auch die Rede von Bundeskanzler Gerhard Schröder, WWF, Davos, 2005: „Wir müssen und wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert. Wir haben einen der besten Niedriglohn-sektoren aufgebaut, den es in Europa gibt.“ (S. 4 im PDF, dort wo Herr Schröder zum zweitenmal Drittens: sagt.)
Launische Anmerkung des Verfassers: Herr Schröder hat vergessen auszuführen „… und wir bauen einen der „besten“ zukünftigen Niedrigrentensektoren in Europa auf.“
und 2. mit dem – gemessen an der deutschen Wirtschaftskraft – unterbewerteten €uro2)Man findet das gleiche Muster wie zuvor wieder: Unterbewertete DM/€uro führt zu (unfairen) Wettbewerbsvorteilen. – und hat so die eigene Wirtschaft und die der ausländischen Partner beschädigt.

D.h.: Im Dienste des Wettbewerbgedankens („die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft erhalten“) hat Deutschland das Ausland um ~ 3,5 Billionen €uro erleichtert! Diese Abflüsse verschlechtern die Position der ausländischen Partner auf längere Sicht, führen zu Unterauslastung der Wirtschaft dort und in der Folge zu minderer Kreditwürdigkeit und zu Arbeitslosigkeit.

„Denn wenn wir bewusst auf die Verarmung Mitteleuropas hinarbeiten, dann wird – das wage ich vorherzusagen – die Rache nicht auf sich warten lassen. Nichts kann dann mehr lange den letzten Bürgerkrieg zwischen den Mächten der Reaktion und den verzweifelten Zuckungen der Revolution aufhalten, jenen Bürgerkrieg, angesichts dessen die Schrecken des Krieges mit Deutschland ein Nichts scheinen werden, jenen Krieg, der, ganz gleich wer siegt, die Zivilisation und den Fortschritt unserer Generation vernichten wird.“

Quelle (via MAKRONOM)

Hier vermischen sich zwei, scheinbar unausrottbare, Mythen (Altersvorsorge durch Geldanlage (aka „Sparen“) im Ausland – wegen der demographischen Entwicklung im Inland – und „Wettbewerb ist gut“, s. die vorangegangenen Postings.): Niemand darf hoffen oder gar glauben, dass diese Werte in voller Höhe realisiert werden und einen dauerhaften Zufluss nach Deutschland darstellen. Das Ausland wird die deutsche Gesellschaft – und die niedrige Arbeitsloskeit hier – nicht dauerhaft speisen können und wollen! Das Geld ist à la longue weg, statt in Deutschland investiert zu werden!

Aber das alles kann man nicht ändern (wegen TINA) … wegen der Arbeitsplätze … wegen der schwachen Nachfrage … wegen der schwachen Einkommensentwicklung … die Einkommen müssen aber so (relativ) niedrig bleiben … wegen des Erhalts unserer Wettbewerbsfähigkeit. Weg mit Nachhaltigkeit, Umwelt, Ökologie, zukünftige Generationen, Klima (und all‘ diesem Schoiß – Tschuldigung), es geht um Kohle, heute!

Merkt Einer was? Der Kreis ist geschlossen!

Einzelnachweise

1 Die Reallöhne in Deutschland sind von 1991 bis 2012 von 98,6 auf 101,7 gestiegen, in 21 Jahren um 3,1 Punkte oder, andere Quelle, in 15 Jahren, 2000 – 2015, von 102 auf 106 also in 15 Jahren um 4 Punkte (hier, Fußnote 5).
Siehe auch die Rede von Bundeskanzler Gerhard Schröder, WWF, Davos, 2005: „Wir müssen und wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert. Wir haben einen der besten Niedriglohn-sektoren aufgebaut, den es in Europa gibt.“ (S. 4 im PDF, dort wo Herr Schröder zum zweitenmal Drittens: sagt.)
Launische Anmerkung des Verfassers: Herr Schröder hat vergessen auszuführen „… und wir bauen einen der „besten“ zukünftigen Niedrigrentensektoren in Europa auf.“
2 Man findet das gleiche Muster wie zuvor wieder: Unterbewertete DM/€uro führt zu (unfairen) Wettbewerbsvorteilen.

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