Wettbewerb ist gut – Teil 2

Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit ist hoch, „… und wenn sie nicht im vorhandenen Maß erhalten bleibt, geht es uns schlecht!“

Bild von Peggy und Marco Lachmann-Anke auf Pixabay.com

… so spricht der Stammtisch, so sprechen Politik, Interessenvertreter und Verbände. Was ist dran an diesem Mythos, was bedeutet Wettbewerb im internationalen Zusammenhang?

Wir haben bereits befunden: Wettbewerb ist ein relatives Konzept: Der Eine ist besser im Vergleich zu einem Anderen. Das bedeutet: Es gibt Gewinner und Verlierer.

Passt ein solches Konzept in den Rahmen internationaler Zusam-menarbeit und Austausch?

Die Antwort kann logisch nur ein klares Nein! sein.

Das Wettbewerbsdenken hat keinen Platz in der Ökonomie. Es ist, nach Meinung des Verfassers, eine sehr problematische, metaphorische Umschreibung des ökonomischen Geschehens vor der man sich hüten muss, denn Wettbewerb zwischen ganzen Volkswirtschaften ist schädlich.

Gewinnernationen und Verlierernationen – das kann nur zu internationalen Verwicklungen führen und ist für nichts gut. Der Mythos ‚Wettbewerb zwischen Nationen ist gut‘ ist zu verwerfen!

Wettbewerb ist unterhaltsam – zwischen Unternehmen aber nicht frei von ernsten Problemen für die Menschen. Das hatten wir schon im letzten Posting, dort haben wir uns mit der inländischen Perspektive befasst.

Im internationalen Zusammenhang ist das Denken in Wettbewerbskategorien besonders proble-matisch und kann – überspitzt gesagt – als Kriegserklärung1)Nicht ohne Grund wird ja auch bspw. von Handelskrieg gesprochen! erster Güte interpretiert werden. Wer argumentiert, dass Wettbewerb (zwischen Unternehmen) zu mehr Wohlstand und Fort-schritt führt, mag dazu neigen den Wettbewerb zwischen Nationen ebenfalls zu befürworten. Doch er macht einen fatalen Fehler, der auf dem Wettbewerbs-Mythos beruht: Während der Wettbewerb zwischen Unternehmen zumindest theoretisch der sogenannten „Schöpferischen Zerstörung“ dient (das Alte weicht dem Neuen) und die freigesetzten Mitarbeiter anderswo einen Platz finden, ist dies im Wettbewerb der Nationen nicht möglich, ohne gefährliche Konstellationen zwischen Wettbewerbsverlierer und -gewinner zu erzeugen. Wenn Deutschland im Wettbewerb der Nationen gegen Frankreich oder Italien gewinnt, ist die betroffene Nation wirtschaftlich geschwächt, leidet unter den Ungleichgewichten im Handel – und dadurch erhöhter Arbeistlosigkeit 2)De facto: Deutschland exportiert seine Arbeitslosigkeit! – und ist weniger kreditwürdig. Wie soll aus solch einer Situation – ohne den Beitritt Frankreichs oder Italiens zu Deutschland – eine wirtschaftliche Entwicklung entstehen, die alle reicher und wohlhabender macht?

Während erfolgreiche Unternehmen im Wettbewerb immer reicher und reicher werden, werden „erfolgreiche“ Nationen auf Dauer ärmer, denn sie verlieren (ge-)wichtige Handelspartner und damit Wohlstand und wirtschaftliche Stabilität. Auf lange Sicht führt der Wettbewerb zwischen den Nationen also nicht zu einer Win-Win-Situation, sondern zu einer Loose-Loose-Situation, in der der Gewinner aber immer noch besser dran ist als die Verlierer (also scheinbar erfolgreich).

Noch einmal zur Verdeutlichung: Wettbewerb auf internationaler Ebene sieht, zu Ende gedacht, so aus: Land A konkurriert Land B nieder aber es sind noch immer die Menschen da! Land B hat Waren von Land A gekauft (importiert) und kann das nun nicht mehr da die Mittel abgeflossen sind und die Kreditwürdigkeit dementsprechend schlecht ist. Wo gehen die Menschen hin, nach verlorenem Wirtschaftskrieg, zum Sieger des Wettbewerbs, nach Deutschland?

Okay, das ist zugespitzt aber im Grunde zutreffend: Das importierende Land trocknet durch die Leistungen an das exportierende Land aus3)siehe hier, Fußnote zum „Transferproblem“, die Importe müssen durch eigene Produkte/Leistungen bezahlt werden …, die Entwicklung der eigenen Wirtschaft ver-schlechtert sich, arbeitsfähige, junge Bevölkerung wandert aus, so wie z.B. aus dem Baltikum. Die Bevölkerungsentwicklung dort:

Estland 1989, 1.567 Mio.; 2019, 1.292 Mio.;
Lettland 1989, 2.664 Mio., 2019, 1.865 Mio.;
Littauen 1989, 3.671 Mio., 2019, 2.669 Mio.,
Quelle (gewünschtes Land auswählen)

Wettbewerb bringt Sieg oder Niederlage über die Länder mit Wirkungen vergleichbar mit Krieg (hier: Handelskrieg)! Was auf nationaler Ebene akzeptabel, unvermeidlich vielleicht so gar gut erscheint (wegen Fortschritt, Wachstum, Wohlfahrt usw.), geht auf internationaler Ebene nicht ohne Verwicklungen und Verwerfungen und muss ausgeglichen werden, wenn der Frieden langfristig gewahrt werden soll.

Auf nationaler Ebene wirken sogenannte „automatische Stabilisatoren“, gemeint sind hiermit staatliche Unterstützungsleistungen, die in Krisen im Rahmen gesetzlicher Regelungen auto-matisch“ Leistungen wie Kurzarbeitergeld oder Arbeitslosengeld zahlen um den Menschen Unterstützung und Einkommen zu geben. Wo sind diese auf internationaler Ebene? Zölle, Handelsbeschränkungen, Subventionen … Handelskrieg. Die eigene Wirtschaft schützen indem man eine andere Wirtschaft beschädigt – oder doch zu mindest behindert.

Der Wettbewerbsgedanke, schon auf nationaler Ebene problematisch, ist auf internationaler Ebene („unsere, deutsche Wettbewerbsfägkeit“) jenseits von Gut und Böse und ein Zeichen für völliges Unverständnis der Politik für Verantwortung im Allgemeinen und im Ökonomischen insbesondere! Wer täglich das Bemühen um „unsere Wettbewerbsfähigkeit“ an die Mikrophone trägt, sollte nicht die Nase rümpfen, wenn ein Herr Trump „America first“ sagt und durchzu-setzen versucht. Das ist dann aber keine Politik mehr, das ist „Catch-as-catch-can“.

Die Politik muss sich aktiv um die Zusammenarbeit aller Menschen, Gruppen und Institutionen bemühen, national wie international. Es geht um „für Alle “ und nicht um „für Uns!“

Wettbewerbsdenken gehört nicht in den ökonomischen, in den kulturellen oder den zwischenstaatlichen Bereich, weder national noch international, und ist aus politischem Denken und Handeln zu eliminieren! Das sind fragwürdige „Konzepte“ von vorvorgestern!

Einzelnachweise   [ + ]

1. Nicht ohne Grund wird ja auch bspw. von Handelskrieg gesprochen!
2. De facto: Deutschland exportiert seine Arbeitslosigkeit!
3. siehe hier, Fußnote zum „Transferproblem“, die Importe müssen durch eigene Produkte/Leistungen bezahlt werden …

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