Nachlese – Grundsätze – Quellen

Es gab noch zwei Zuschriften zur europäischen Dimension von Covid-19 (26.04.20) außerhalb der Kommentarspalte. Vielen Dank für die Zuschrift(en), der Autor der Zeilen hat die Erlaubnis gegeben, Auszüge aus seiner Sicht hier zur Diskussion zu stellen.

Bild von PublicDomainPictures, Pixabay.com

… Nach Deiner Kausalität wären Schäuble und Co. für das Kaputtsparen in diesen ländern ja AUCH MITVERANTWORTLICH ??!!

Was war mit den italienischen Finanzen wärend Berlusconi (Partys mit minderjährigen Prostituierten auf Staatskosten)
Was war in der Regierung von Lega Nord / 5-Sterne: Steuerwahlgeschenke auf Staatskosten
Was ist mit der Verstrickung von Politikern mit der Mafia; Umleitung von Staatsgeld etc.

All diese Dinge hätten evaluiert werden müssen, um das Gesundheitssystem in Italien zu bewerten.

Ich halte von Mono – Kausalen Erklärungen nichts. Sie sind zu einfach…

… Wenn man ein ernstes Thema wie Covid 19 diskutiert ist es nicht zielführend, in dieser Diskussion einzufügen das deutsche Firmen preiswert Flughäfen in Griechenland kaufen: was hat das mit Corona zu tun? …

Für mich ist es wichtig, bei einem Thema alle verschiedenen Meinungen zu lesen/hören um mir dann meine Meinung zu bilden – eben nicht nur die von einem bestimmten politischen Spektrum.

Die Anmerkungen sind ernst zu nehmen, sie werden so oder ähnlich zweifellos auch von Anderen geteilt. Nicht so von MYTHOS:

Zu erst ist zu bemerken, dass es sich betreffend des „Kaputtsparens“ um ein kenntlich gemachtes Zitat von Norbert Häring handelt, welches vorher schon zweimal verwendet wurde (hier, am Anfang und hier, letzter Absatz), nicht um eigene Aussagen. Die Aussagen Härings werden diesseits jedoch unbedingt geteilt, da sie durch den allgemein bekannten Hintergrund bestens belegt sind.1)Ein weiterer Beleg, der völlig unter dem Radar gelaufen ist: Vergleiche die entsprechende Politik ggü. Lettland, das ist deutsche ordoliberale Politik reinsten Wassers.

Was das unbestreitbare Fehlverhalten eines Herrn B., Steuerwahlgeschenke der Lega/Cinque Stelle angeht (nebenbei: 7 Jahre nach dem von Häring angesprochen Diktat an Italien), die Mafia-Verstrickungen … was hätte „diese Dinge evaluiert … werden müssen“ ergeben können für den Befund, den Norbert Häring zugespitzt – und nach der Meinung von MYTHOS hier noch recht diplomatisch – formuliert hat? Besten Falls ein „Wenn die so, dann wir so!“ (mit einem kräftigen „Ätsch“ in Klammern?). Zu allen drei Aspekten finden sich Beispiele überall, selbst unter totalitären Regimen!2)„Na und?“ sagt Einer, „Die wollen ja auch kein Geld von uns!“ Ich will hier nicht unfreundlich werden: Italien hat nicht die Absicht Geld „von uns“ zu stibitzen! Ein typisches, unausrottbares Missverständnis bei der Betrachtung der EU, leider von unfähigen Politniks (Tschuldigung) genährt und verbreitet! Außerdem: Ist hier nicht ein Widerspruch in der Zuschrift? Gegenfrage: „Was haben Herrn Bs. Vorlieben, Wahlgeschenke und Mafia mit Corona zu tun?“

Die Feststellung MYTHOS argumentiere „monokausal“ muss dem Urteil der Leser anheim gestellt werden (siehe auch unten: „Grundsätze“).

„Wenn deutsche Firmen … was hat das mit Corona zu tun?“ Sehr viel! Zugespitzter Klartext betref-fend Italien, hier waren die von Häring genannten (und belegten) „Täter“ federführend: „Sozialetats: Runter!, Renten und Löhne: Runter!, Tafelsilber:3)Das könnte ja „auf falsche Weise gebildet worden sein“ sein! Wer maßt sich an, darüber zu befinden? Wer hat den gültigen Maßstab? Verkaufen!“ Die Folgen sind dann u.a. im italienischen Gesundheitswesen zu besichtigen.4)Erinnert sei hier an die Bertelsmannstiftung die noch vor Kurzem empfahl, jedes zweite Krankenhaus in Deutschland zu schließen, das hat aber nicht stattgefunden! Warum? Und hier wird dann, als Negativbeispiel für europäisches Miteinander unter deutscher Dominanz, das Agieren von Fraport in Griechenland angeführt … (Aternative: „Verkauft doch eure Inseln!“). Worum es hier geht kann leider klarer nicht ausgedrückt werden, als dies beschrieben worden ist, im kommentierten Artikel und in Zitaten (hier und zuvor). Ich würde den Knoten sehr gerne lösen, aber sorry, an der Stelle komme ich nicht weiter.

„Für mich ist es wichtig …“: Verschiedene Meinungen jenseits der tausend Schattierungen von Grau bekommt man immer fast nur aus anderen Spektren; und auch „ein bestimmte(s) politische(s) Spektrum“ gehört hier natürlich dazu. Ein freundliches Zusammenkommen von Meinungen und Argumenten bringt immer einen Gewinn an beiderseitiger Erkenntnis; Logik und Erfahrungswissen (Empirie) sollten den Austausch moderieren, Quellen sind wichtig (niemand erfindet alleine die Dinge täglich neu).

Gerade Italien, Griechenland, Spanien betreffend – Sonne, Meer, Dolce far niente – (umgangs-sprachlich:) „da drehen viele Menschen frei“, und je unbekannter das beurteilte Land desto genauer die Urteile5)Wer schon „zehnmal“ in Griechenland in Urlaub war, kennt der Griechenland und die Griechen? Zweifel sind erlaubt.. Ich war unternehmerisch tätig, Erfahrungen mit Italien gab es vielfältige, ich kann nicht mehr Negatives oder Positives berichten als über amerikanische oder deutsche Gschäftspartner.

Zu Klischees betreffend Italien hat Paul Steinhardt alles Wesentliche auf MAKROSKOP gesagt:

Bei einer Kritik der Fehler der „italienischen Eliten“ aber sollte man schon bei der Wahrheit bleiben. Den Italienern vorzuwerfen, sie hätten sich nach Eintritt in die Währungsunion wie ein Kreditsüchtiger verhalten, sind Fake-News vom Feinsten.

Betrachten wir uns zum Beleg dieser These die folgende Grafik:

  Die Grafik ist sehr aussagekräftig:

Da die orangenen Balken für Italien stehen, belegt diese Grafik, wie absurd der Vorwurf ist, das „Lieblingsgericht“ der Italiener sei „frisch gedrucktes Geld“.

Quelle

Die Quelle der Grafik ist ausgewiesen: Ameco, die jährliche makroökonomische Datenbank der Europäischen Kommission.

MYTHOS ist immer an Zuschriften interessiert, wir wollen gern dazu lernen. Nur zu!

Einzelnachweise   [ + ]

1. Ein weiterer Beleg, der völlig unter dem Radar gelaufen ist: Vergleiche die entsprechende Politik ggü. Lettland, das ist deutsche ordoliberale Politik reinsten Wassers.
2. „Na und?“ sagt Einer, „Die wollen ja auch kein Geld von uns!“ Ich will hier nicht unfreundlich werden: Italien hat nicht die Absicht Geld „von uns“ zu stibitzen! Ein typisches, unausrottbares Missverständnis bei der Betrachtung der EU, leider von unfähigen Politniks (Tschuldigung) genährt und verbreitet!
3. Das könnte ja „auf falsche Weise gebildet worden sein“ sein! Wer maßt sich an, darüber zu befinden? Wer hat den gültigen Maßstab?
4. Erinnert sei hier an die Bertelsmannstiftung die noch vor Kurzem empfahl, jedes zweite Krankenhaus in Deutschland zu schließen, das hat aber nicht stattgefunden! Warum?
5. Wer schon „zehnmal“ in Griechenland in Urlaub war, kennt der Griechenland und die Griechen? Zweifel sind erlaubt.

Nach hektischen Wochen wollen wir wieder in ein etwas geordnetes Fahrwasser zurück: Freitags wird ein Mythos beleuchtet, dazwischen gibt es gelegentliche „Zwischenrufe“ unter diversen Titeln.

Grundsätzlich hat sich MYTHOS die Aufgabe gestellt Mythen des Alltags zu untersuchen, Fragen zu stellen und Denkanstöße zu geben, wie es anders (auch besser?) gehen könnte. Wir möchten dazu beitragen eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen, die kritisch mit den Meldungen des Tages – vorwiegend aus dem Bereich der Wirtschaft – umgeht. Das Nachbeten diverser Talkshows oder des Mainstreams kann daher nicht unser Ding sein, es würde der selbst gestellten Aufgabe logisch widersprechen. Außerdem ist es ein Anliegen dieses Blogs zu einem besseren Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge und Grundlagen beizutragen denn wir sind der Meinung, dass diese Grundlagen seit mehr als 245 Jahren – um hier ein Eckdatum zu nennen: 1776 Adams Smith „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations“ (Originaltitel, in de kurz: „Der Wohlstand der Nationen“) – immer wieder diskutiert und im Ergebnis neu justiert werden müssen.

Hier muss klar festgestellt werden: Einerseits ist es keines Falls so, dass die damaligen Denker „alles falsch“ gesehen hätten (aus heutiger Sicht); teils haben sie scharfsinnig und korrekt beobachtet, teils waren sie im Rahmen der damaligen Möglichkeiten doch sehr beschränkt, sie konnten es nicht besser wissen. Andererseits muss genauso klar festgestellt werden, dass schon bald die wachsende Erkenntnis der Dinge dazu geführt hat, die richtigen Gedanken der „Alten Garde“ zu verdrängen, dem Vergessen anheim zu geben und dass statt dessen interessen-geleitete Modelle und Theorien in den Diskussionsmittelpunkt gestellt wurden und werden.1)Drei besonders heimtückische Verdrehungen betreffen 1) Adam Smith („die unsichtbare Hand“, hieraus pervertiert das Primat des Marktes), 2) Jean-Baptiste Say („Jedes Angebot schafft sich seine eigene Nachfrage“, hieraus pervertiert die Angebotspolitik) und 3) die Abwesenheit von Geld („Geld ist nur der Schleier der die Gesetze der Ökonomie verbirgt“, hieraus pervertiert die vielen Miss(t)verständnisse und Falschinformationen zum Geld) – zu einigen Themen hat MYTHOS schon Stellung bezogen, man wird trotzdem immer wieder darauf zurückkommen müssen, einige Mythen sind über Jahrhunderte fest verankert.

Deshalb steht als Mottogeber für das Blog Mark Twain (zitiert via Stephanie Kelton):

„It ain‘t the things you don‘t know which get you into trouble, its the things you know for sure which ain‘t so.“
(„Es sind nicht die Dinge die Du nicht weißt, welche Dich in Probleme bringen, es sind die Dinge die Du ganz sicher weißt, die aber nicht so sind!“)

MYTHOS (Helmut Höft (verantwortlich), Sascha Schmitt, Korrekturleser Christoph Beekmans und alle Mitglieder des Makroskop Gesprächskreises Bonn) ist neben dem internen Input und den internen Diskussionen auch auf den Input seiner Leser angewiesen, auch wir wollen dazulernen und angespornt werden. Bitte benutzt die Kommentarfunktion – dann haben alle etwas davon – und beachtet die Nutzungsbedingungen.

Einzelnachweise   [ + ]

1. Drei besonders heimtückische Verdrehungen betreffen 1) Adam Smith („die unsichtbare Hand“, hieraus pervertiert das Primat des Marktes), 2) Jean-Baptiste Say („Jedes Angebot schafft sich seine eigene Nachfrage“, hieraus pervertiert die Angebotspolitik) und 3) die Abwesenheit von Geld („Geld ist nur der Schleier der die Gesetze der Ökonomie verbirgt“, hieraus pervertiert die vielen Miss(t)verständnisse und Falschinformationen zum Geld) – zu einigen Themen hat MYTHOS schon Stellung bezogen, man wird trotzdem immer wieder darauf zurückkommen müssen, einige Mythen sind über Jahrhunderte fest verankert.

MYTHOS bringt altes, verlorenes und verdrängtes Wissen auf den Tisch und unpopuläre Standpunkte in die Diskussion.

Unsere Quellen sind Gedanken und Erkenntnisse die im Eigenstudium (Medien, Sach-/ und Fachbücher) und in der Diskussion im Makroskop Ggesprächskreis Bonn gewonnen wurden, keiner von uns (und unseren „Mittätern“ aus dem Gesprächskreis) ist Ökonom, Soziologe oder Politikwissenschaftler, wir kommen alle aus den verschiedensten Bereichen, sozusagen transdisziplinär, aus dem Kaufmännischen, der IT, des Softwareengeneerings, der Justerei, des Bergbauingenieurswesens und der Meteorologie.

Uns eint das Interesse an der Ökonomie und hier besonders die grundsätzliche Zuneigung zur sog. „Pluralen Ökononomie“ (oder auch „Heterodoxe Ökonomie“, „abweichende Wirtschaft“ genannt, zugespitzt: der „Antimainstream“). Was aktuelle Dinge angeht stützen wir uns auf Quellen vielfältigster Art, bevorzugt werden die im Folgenden erwähnten und ausgiebig zitiert. Die Eigenauskünfte der Medien, soweit vorhanden, sagen alles wichtige:

1) MAKROSKOP, Magazin für Wirtschaftspolitik – Warum MAKROSKOP? – Über Alternativen reden
2) Geld und mehr, Ein Blog von Norbert Häring – Über diesen Blog – Über den Autor
3) NachDenkSeiten, Die kritische Website – Was bieten die NachDenkSeitenWer steckt dahinter?
4) Samuel-Pufendorf-Gesellschaft – Über die Pufendorf Gesellschaft
5) taz – Über uns

Darüberhinaus werden (öfter) die in der Seitenleiste aufgeführten (weiteren) Blogs von Bill Mitchell, L. Randall Wray („New Economic Perspectives“) und Maskenfall kontaktiert, die unter Empfehlungen aufgeführten Quellen werden seltener genutzt, es fehlt Zeit dafür.

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