Deutschland macht alles richtig

„… die anderen Länder sollen es so machen wie wir.“

Bild von Wolfgang Claussen auf Pixabay.com

So oder so ähnlich lautet der Mythos.

Damit hier kein Missverständnis entsteht: Es geht nicht um Deutschland-bashing, um Selbsthass oder andere Neurosen. Es geht darum, dass der Mythos vom besonders tüchtigen Deutschen unausrottbar zu sein scheint. Rein logisch sollte es klar sein, dass es keine guten und keine schlechten Nationen/Völker gibt, denn alle Menschen sind gleich. Es gibt unterschiedliche Kulturen, keine besseren oder schlechteren, nur unterschiedliche. Wie kann sich also eine Nation, ein Volk zum Maßstab für andere machen? Dem Autor fehlt dafür jede schlüssige Begründung.

Diese grundsätzliche Überlegung einmal außer Acht gelassen: Es ist nicht möglich, dass alle sich gleichverhalten, denn die Bedingungen und Ausgangspunkte sind verschieden. Alle Völker und Nationen agieren in einem Raum, in einer Welt. Deshalb gilt auch hier: Die Kosten des Einen sind das Einkommen des Anderen, was der Eine sich nimmt kann der Andere nicht haben … soll heißen, bspw.: Die Exporte des Einen sind die Importe des Anderen und umgekehrt. Daraus folgt: Wenn Einer immer für sich beansprucht mehr zu exportieren als er importiert, also einen Export-überschuss zu erzielen, dann muss der Andere dafür zahlen mit mehr Import als er selbst exportiert. Das führt zwangsläufig dazu, dass die anderen Länder sich wehren müssen, wollen sie nicht über die Dauer ausbluten.

Der Mythos „Deutschland macht alles richtig“ kann nur falsch sein! Er steht auf tönernen Füßen.

Der Mythos „Deutschland macht alles richtig“ steht auf tönernen Füßen: Er hat Voraus-setzungen zur Bedingung, die einzigartig sind, z.B. a) eine Lehre, die aus dem Versailler Vertrag von 1919 gezogen wurde und b) eine bipolare Welt (Ost-West Konflikt) über 45 Jahre. Allein diese beiden Voraussetzungen heben Deutschland in eine besondere Position.

a) Um nicht erneut Voraussetzungen für zukünftige Konflikte zu schaffen – wie dies mit dem Versailler Vertrag geschehen war – wurden sich die Westallierten relativ schnell darüber einig, dass man dem Nachkriegsdeutschland keine zusätzlichen Lasten aufbürden kann, im Gegenteil: Man muss alles dafür tun, dass es wieder auf die Beine kommt.

b) Deshalb haben die westlichen Siegermächte mit dem ERP (European Recovery Program – besser bekannt als Marshallplan)1)Klar ist natürlich auch, dass die USA aus dem ERP – obwohl nach heutigem Wert großzügige ~ 140 Mrd$ schwer – selber Profit geschlagen haben; es wurde nicht nur Geld gegeben, es wurden auch viele Naturalien geliefert. s. hier und hier. Aber auch: „Laut englischem Wiki spielte der ERP Fund eine wichtige Rolle in Finanzierung der deutschen Industrie …“ es floss also auch Geld, wichtig für den Start. – Europa nach dem Krieg wieder aufgeholfen, insbesondere Deutschland, um die „bösen Kommunisten“ kleinzuhalten. Deutschland war für den möglichen III. Weltkrieg logisch als der Haupt-(land-)kriegsschauplatz anzusehen. Darauf musste ein besonderes Augenmerk gerichtet werden, deshalb ist Deutschland besonders zu helfen, so die Gedanken der westlichen Siegermächte.

Darüberhinaus waren auch noch andere Instrumente sehr dienlich und für Deutschland günstig, z. B. das Londoner Schuldenabkommen von 1953:

Die erste Rückzahlungsrate im Jahre 1953 betrug 563 Millionen DM und ent-sprach weniger als 4 % der Exporterlöse [Hervorhebung HHö], die 1952 knapp unter 17,0 Milliarden DM lagen. Die Rate erhöhte sich vertragsgemäß im Jahr 1957 auf 765 Millionen DM. Mit den laufenden Zahlungen waren bis 1983 fast alle Auslandsschulden beglichen; bereits 1973 waren die Nachkriegskredite Frankreichs und Großbritanniens getilgt. 1988 erfolgte eine letzte Zahlung, mit der dann die Nachkriegsschulden gegenüber den USA beglichen waren.

Am 3. Oktober 2010 erfolgte die letzte Schuldenzahlung in Höhe von 69,9 Millionen Euro.[23] Sie wird als Schlussstrich unter alle bekannten finanziellen Forderungen der ehemaligen Alliierten aus den beiden Weltkriegen betrachtet.

Deutschland ist durch das Londoner Schuldenabkommen seine Auslandsschulden aus beiden Weltkriegen auf äußerst günstige Weise losgeworden – über einen langen Zeitraum von ~ 60 Jahren. Darüberhinaus war eine massiv unterbewertete DM „innerhalb einer neu geschaffenen internationalen Währungsordnung mit Wechselkursbandbreiten“ (Bretton-Woods-System) sehr hilfreich, schon 1953 kräftige Exporterlöse zu erzielen. Zu erkennen ist das für jedermann an den fortlaufenden Aufwertungen der DM (jeweils n DM für 1 $: 1949 4,20 DM, 1961 4,00 DM, 1969 3,66 DM (Okt.) und 3,22 DM (Dez.).

Im Windschatten dieser Entwicklungen kam noch hinzu, dass in Deutschland eine durchaus perfide zu nennende Strategie entwickelt wurde, wie Jörg Bibow in einem Artikel über die Deutsche Bundesbank auf MAKROSKOP überzeugend ausführt:

Dahinter stand natürlich die im Jahr 1951 von Wirtschaftswunderminister Ludwig Erhard und Zentralbankier Wilhelm Vocke gemeinsam ausgekochte Strategie, die man als „monetären Merkantilismus“ (oder: “Ordo-Merkantilismus“)2)Merkantilismus: Frühkapitalistische Wirtschaftspolitik gekennzeichnet durch „das Streben nach größtmöglicher Förderung der produktiven Kräfte im Inland und der Erwirtschaftung von Überschüssen im Außenhandel.“ bezeichnen könnte. Die beiden Schlitzohren hatten überlegt, dass man mittels „überlegener interner Disziplin“ die westdeutsche Inflation unterhalb der Inflation in Handelspartnerländern halten könne, wodurch man dann – eingebunden im Bretton Woods System fester Wechselkurse – die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Westdeutschlands stärken und damit Nettoexporte und Wachstum und Beschäftigung anregen würde.

Das funktionierte auch alles wunderbar. Die frühe Zahlungsbilanzkrise brachte so die Initialzündung des „deutschen Modells“: Nettoexporte als Wachstumsmotor. Leider nur konnte Deutschland bis heute nicht vom Ordo-Merkantilismus Abschied nehmen – mit Folgen für Europa und die Welt, die im kollektiven Ruin zu enden drohen. 

Quelle

Den letzten Satz „… mit Folgen für Europa und die Welt, die im kollektiven Ruin zu enden drohen.“ an Hand einer gewichtigen, internationalen Stimme, Paul Krugman, zu untersuchen würde den heutigen Rahmen sprengen. Es ist lohnenswert, sich allein mit diesem Artikel zu einem anderen Zeitpunkt separat auseinander zu setzen. Hier das Link für „english readers“.

Einzelnachweise   [ + ]

1. Klar ist natürlich auch, dass die USA aus dem ERP – obwohl nach heutigem Wert großzügige ~ 140 Mrd$ schwer – selber Profit geschlagen haben; es wurde nicht nur Geld gegeben, es wurden auch viele Naturalien geliefert. s. hier und hier. Aber auch: „Laut englischem Wiki spielte der ERP Fund eine wichtige Rolle in Finanzierung der deutschen Industrie …“ es floss also auch Geld, wichtig für den Start.
2. Merkantilismus: Frühkapitalistische Wirtschaftspolitik gekennzeichnet durch „das Streben nach größtmöglicher Förderung der produktiven Kräfte im Inland und der Erwirtschaftung von Überschüssen im Außenhandel.“

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