Ist das noch Satire – oder schon Drama? No. 7

Ein wichtiger Aspekt, der in der Corona-Diskussion unterbelichtet ist: „Die Frauen haben die Arbeit, die Kerle stehen am Mikrophon!“ lautet ein (weiblicher) Kommentar!

Jim Hilario, Pixabay.com
Sean M, Pixabay.com
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Vorab zu den Bildern: „Das ist ja alles nicht unser Kulturkreis, bei uns ist das gaaanz anders!“ Soso! Das Bildangebot bestand überwiegend aus viel Schenkelchen und Popochen, Dekolletéchen und Busen, Lächeln, Hosenanzug und strahlende Laune. Deshalb ist der Verfasser, bei der Auswahl von Bildern, in das „richtige“ Leben ausgewichen.

Die systemrelevanten Jobs, jaja, da fragen wir am esten Volker Pispers (2004!! – yt. via Norbert Häring), drei unüberbietbare Minuten!

Was machen denn die „Herren der Schöpfung“ ohne Kassiererin, ohne Altenpflegerin, ohne Kranken-schwester und Zahnarzthelferin, ohne Friseuse, ohne die eigene Putzfrau, Köchin, Mutter und Erzieherin der Kinder, ohne Kontakthalterin zu KiTa, KiGa, Schule und Nachbarschaft. Fassen wir es ins Auge: Die „Damen der Schöpfung“ halten den Herren den Rücken frei, damit die in Ruhe grillen, biertrinken, „Benzingesprächen“ führen und „auf die Jagd gehen können“! Der Lohn: Keine Anerkennung („Küche, Kinder und Gedöns“) und eine kleinere Rente!

Hm? Fragt Einer, sind wir hier auf ’nem Feministenblog gelandet? Nein. Das Eine gehört zum Anderen und ist ein so ökonomisches Thema wie kaum ein zweites!

Sammeln wir hier, was bisher klar zu sein scheint:

Die Maßnahmen, die bisher ergriffen wurden sind sehr stark von medizinischen Experten dominiert, da gibt es wenig zu diskutieren und für die Politik zu entscheiden. So lange das Virus nicht den Wünschen der Politiker folgt – und das wird es nie tun(!) – geht es nicht anders als nur so: „Follow the science“, der Wissenschaft folgen. Dass natürlich immer noch politisch entschieden werden muss ist klar; es muss daher noch eine zweite Leitlinie befolgt werden und die lautet: „Nutzen für die Menschen mehren, Schaden von den Menschen abwenden!“ Unter diesen Aspekten ist es kaum möglich, abweichenden Meinung zu folgen. Daraus folgt: Alle Maßnahmen, die ergriffen wurden, waren notwendig und in Ordnung! Schlauer ist man hinterher, das ergibt sich von selbst.

Wie der MTA Dialog (Deutscher Ärzteverlag GmbH, Köln) am 24.03.20 schreibt:

Viele aktuelle Probleme/Engpässe tauchten schon im Pandemieszenario aus dem Jahr 2013 auf. Die Politik und andere Verantwortliche hätten also genügend Zeit gehabt, sich darauf einzustellen. Doch offenbar wurden nicht überall die richtigen Schlussfolgerungen gezogen. …

Folgen waren absehbar

Allerdings ging das damalige Szenario auf ein Thema ein, das auch jetzt in der Wirtschaft für Kopfzerbrechen sorgt: „Zahlreiche Güter und Dienste werden weltweit jeweils von nur wenigen Schlüsselproduzenten bereitgestellt. Somit könnten Ausfälle im Bereich importierter Güter und Rohstoffe auch in Deutschland zu spürbaren Engpässen und Kaskadeneffekten führen.“ Also auch in diesem Bereich waren die Folgen bei einer Pandemie durchaus absehbar. Nur Konsequenzen wurden offensichtlich keine oder die falschen gezogen. [Hervorhebung HHö] Lagerhaltung war bis vor Kurzem bei vielen Unternehmen verpönt und Just-in-time sowie maximales Outsourcing angesagt. Man kann nur hoffen, dass hier ein Umdenken einsetzt und Abhängigkeiten verringert und lokale Produktion wieder hoffähig wird. Zu hoffen bleibt auch, dass die Unternehmensberater diese neuen Entwicklungen unterstützen und nicht wieder „wegrationalisieren“.

Quelle

Kein Politik-bashing allein an dieser Stelle, wir lernen statt dessen: Die Menschen (Politik, Medien, Institutionen und Bürger!) hätten besser vorbereitet sein können und Schlüsse aus der damaligen Risikoanlyse ziehen müssen. Es trifft uns alle: in der allgemeinen Vorbereitung, der konkreten Prävention und den diszipliniert durchzuführenden Maßnahmen.

Die drei klar zu benennden Kritikpunkte sind immer noch da: Die Maskenpflicht muss kommen (hätte schon längst kommen müssen), ggf. vorzunehmende Maßnahmen müssen besser vorbereitet, kommuniziert und erklärt werden (es war seit 2012/13 Zeit dazu), das Stimmengewirr muss in einem aufklärenden Sinn moderiert werden. Es darf nicht sein, dass sich Verschwörungstheorien um jeden Scheiß bilden (Tschuldigung) und ungestört vor sich hin wabern. Die Öffentlichkeit (Wissenschaft, Politik und Medien) hat sich dem zu stellen; ignorierem oder ausgrenzen sind keine tauglichen Strategien, sie sind nur archarische Affekte! Hierzu ist eine (demokratische) Koordination aller Beteiligten notwendig. Die Mittel für alle diese Maßnahmen sind aufzubringen!

Was ist noch wichtig?

Achtung, Digitalisierung – Notwendigkeit und zweischneidiges Schwert!

Natürlich ist es notwendig, dass sich die Institutionen unseres Staates digitalisieren, das heißt: Eine zeitgemäße, der Politik (die aktiv und vorausschauend agiert), den Bürgern, der Gesellschaft und der Wirtschaft (in dieser Reihenfolge) dienliche IT-Struktur ist aufzubauen und zur Verfügung stellen, und die Parlamente, Behörden und Institutionen – auch über Ländergrenzen hinweg – miteinander vernetzen. Daten müssen nicht alle in „Echtzeit“ zur Verfügung stehen1)In Echtzeit bedeutet: eine Information ist im Moment der Eingabe überall zugänglich es reicht, wenn alle Informationen binnen weniger Stunden zur Verfügung stehen. So können die oben genannten Kritikpunkte beseitigt werden und Maßnahmen schnell vorbereitet, kommuniziert und erklärt werden.

Aber Achtung: Die Digitalisierung darf nicht zum Einfalltor für interessierte Kreise werden (Google, Microsoft, Apple, Facebook & Co.). Das muss man allerdings als große Gefahr befürchten, wie die NachDenkSeiten ausführen: „Lernen für Google. Wie die Digitalisierung der Schulen unsere Kinder systematisch und vorsätzlich entmündigt.“ Zitat:

Alles, was für interessierte Kreise jetzt zählt, ist doch, die Kinder und Jugendlichen möglichst schnell an die Bildschirme und ins Netz zu bringen. So eine gute Gelegenheit der Frühdigitalisierung ohne Widerrede kommt nicht so schnell wieder. Die Kritiker sind sprachlos, die Bevölkerung paralysiert, die Eltern überfordert und die Online-Anbieter plötzlich die Retter in der Not. Jetzt können die Lernplattformen demonstrieren, was sie alles können und alle sind gerettet. Es ist erschreckend, wie wenig Bewusstsein über die Strukturen hinter den Bildschirmen vorhanden ist.

Und deshalb ja, ich habe andere Sorgen: Ich bin entsetzt, wer alles das Hohelied des Digitalen singt und aufgrund angeblicher Sachzwänge für Home-Schooling und Schul-Cloud plädiert. Ich bin konsterniert, wie wenig Widerstand es selbst von Lehrer- oder Elternverbänden gegen die Durchdigitalisierung der Lebensräume und des Alltags von Kindern und Jugendlichen gibt. Und ja, ich habe Sorgen, was mit den Menschen vor dem Bildschirm passiert.

… Nehmen wir Facebooks „Summit Learning“ in Kansas. Das Versprechen war: Die Eltern kaufen die Laptops, den „Rest“ erledigt Facebook per Web. Die Schule wird zum Aufbewahrungsort, damit die Eltern ihren vielen Jobs nachgehen können.
Es war ein Desaster. Eltern und Schüler haben reihenweise gestreikt und ihre Kinder auf kostenpflichtige Schulen umgemeldet. Oder: Die staatlichen Schulen in den USA und sogar Kindergärten werden digital aufgerüstet, während wohlhabende Eltern ihre Kids auf teure Privatschulen mit ausgebildeten Lehrkräften schicken. Die würden dann beim Lernen auf den „Luxus der menschlichen Interaktion zurückgreifen“, wie es in der „New York Times“ stand. Fakt ist: Der Sozialstatus der Eltern entscheidet über die Alternative Bildschirm oder Unterricht mit Lehrkraft.

Quelle

Es gibt seit Jahren viele Mahnungen und Warnungen von wissenschaftlich kompetenter Seite, wie z.B. auch von Manfred Spitzer:

Computer schaden Kindern mehr, als sie nutzen

Mit Bezug auf vor dem Jahr 2010 erhobene statistische Mediennutzungsdaten von Schülern in Deutschland hat Spitzer 2012 vor dem Konsum elektronischer Medien durch Kinder und Jugendliche gewarnt; dieser führe zu nur oberflächlicher Beschäftigung mit Informationen und gehe zu Lasten des eigenen, aktiv tätigen Lernens. Das Gehirn werde (wie ein Muskel) nur dann trainiert, wenn man es wirklich fordere.

Spitzer hat 2012 in diesem Zusammenhang einen Teil der Bildungspolitiker kritisiert: „Enquetes laden ausschließlich Experten ein, die von Medienunternehmen-gesponserten Medieninstituten stammen. Das erklärt, warum sie dann empfehlen, dass jeder Schüler einen Laptop haben soll, obwohl wir wissen, dass der dem Lernen mehr schadet als nutzt.“

Quelle

Ja, die Schule ist dazu da, den Lernenden Wissen zu vermitteln und Techniken beizubringen die die Lernenden in die Lage versetzen, sich selbst Wissen anzueignen – und den Umgang mit den Dingen zu lernen und zu meistern, die ihnen im Leben begegnen, z.B. Computer und Smartphon. Sie muss aber auch über die dahinterstehenden Strukturen und Interessen aufklären – das Internet war nie umsonst und wir nie umsonst sein!

Die Corona-Krise darf nicht unbedacht zum weiteren Einfallstor für Datenkraken werden!

Update: Die Politik scheint ebenfalls MYTHOS zu lesen 😀, die Maskenpflicht kommt, wenn auch noch langsam!

Einzelnachweise

1 In Echtzeit bedeutet: eine Information ist im Moment der Eingabe überall zugänglich

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