„Mit Vollgas in den Abgrund“

… so lautet der Titel des Beitrags auf MAKROSKOP indem Paul Steinhardt darstellt, wie gravierend die Folgen des Mythos der ‚Erdrückenden Staatsverschuldung‘ in der Corona-Krise sein können/werden.

Bild von Frauke Feind auf Pixabay.com

Wenn jetzt nicht rasch verstanden wird, dass die Vorstellung, der Staat brauche das Geld seiner Bürger, ein Mythos ist, werden wir dafür sehr teuer bezahlen. Es steht nicht weniger als unsere Gesundheit und unser materieller Wohlstand auf dem Spiel.

Quelle

Warum ist es ein Mythos: „Der Staat braucht das Geld seiner Bürger“? Weil, wie vielfach belegt, auf MYTHOS z. B. hier und hier, dass Geld vom Staat kommt und zu ihm zurück geht! Die verbreitete Vorstellung, der Staat müsse auch in der jetztigen Krise auf seinen Schuldenstand achten, ist eine direkte Folge des Mythos ‚Der Staat braucht das Geld seiner Bürger‘. Wir müssen leider immer wieder auf die Ursprünge dieses Blogs und des Geldes zurück kommen und fragen: Wo ist das Problem mit dem Geld? Wir können keines erkennen!

Ein Mythos hier zum wiederholten mal zu bearbeiten (andere Varianten hatten wir auch schon): „Wer soll das bezahlen?“ Einfache Antwort: Alle (in Worten: Alle!)! „Wie soll das bezahlt werden?“ Durch tägliche Arbeit, durch Wirtschaftstätigkeit! Und genau dafür wird initial das Geld vom Staat benötigt („Geld-zuerst-Regel“). Von wem denn sonst?

Wenn es so wäre, dass der Staat das Geld seiner Bürger bräuchte, stellte sich wiederholt die Frage: „Woher haben die Bürger das Geld?“ Nun, das ist eine Frage, die MYTHOS-Leser mit Links(!) beantworten können, z.B. hier, hier und hier.

Der Mythos „Wer soll das bezahlen?“ ist keiner. Er entspringt dem von vielen Mythen geprägten Verständnis vom Geld. Es ist daher nur eine Frage ohne tieferen Sinn!

Noch einmal, langsam zum Mitschreiben: Der Staat gibt das Geld … und sammelt es wieder ein. Was dazwischen stattfindet nennt man Wirtschaftstätigkeit.

Das bedeutet nicht, wie es Vertretern der Modernen Geldtheorie von entweder ahnungslosen oder übelmeinenden „Ächzperten“ nachgedichtet wird, dass grenzenloses Gelddrucken und ausgeben („Schuldenstaat“, „Schuldenwirtschaft“, „Pfui!“) möglich oder geplant oder gewünscht wäre.

Es bedeutet zuerst einmal, dass der Staat, die Politik, die aktive, steuernde Rolle und Verantwortung für das Geschehen in der Wirtschaft übernimmt, so wie von Friedericke Spiecker auf MAKROSKOP schon gefordert:

Nur ein vorausschauendes gesamtwirtschaftliches Verständnis ermöglicht, aus der Rolle des Reagierenden in die Rolle des Agierenden zu wechseln. Dieser Rollenwechsel ist zentral, um die Krise unter Kontrolle zu bekommen.

Quelle via MYTHOS

Der Marktfundamentalismus „das regelt alles der Markt, die unsichtbare Hand“ war gestern, vorausplanen und aktiv handeln „Schaden von den Menschen abwenden, Nutzen für die Menschen mehren“ ist heute und in Zukunft!

Wie war noch gleich die Antwort der Ökonomen auf die Frage der Queen warum niemand nie Finanzkrise 2008/9 vorausgesehen hat?

Eine „Psychologie des Nicht-hinschauen-Wollens“ habe eine Rolle gespielt. „Um die Sache zusammenzufassen, Ihre Majestät“, hieß es zum Schluss, „war dies ein Versagen der kollektiven Vorstellungskraft vieler kluger Menschen.“

Es bedeutet dann, dass die „vielen klugen Menschen“ jetzt erst einmal Pause haben – die alten Ökonomen sind raus aus dem Spiel, das Wort hat die Politik – aber mit frischen Kräften (s.u.)!

Aber die EU und der €uro sind dank der starren Haltung deutscher Politiker (vor allem deutscher, auch niederländischer und österreichischer Politiker), spätestens seit Griechenland und Zypern, schwer (irreparabel?) beschädigt. Das ist so gut wie schlecht. Allerdings sollte man davon ausgehen, dass z.B. der Jurist Dr. Wolfgang Schäuble weiß, dass er kein Ökonom ist. Man sollte ihm wohl auch zu trauen, dass er nicht freihändig ökonomische Entscheidungen trifft. Oder etwa doch? Ein bekannter Ökonom berichtet, als er als Staatssekretär in das Bundes-finanzministerium berufen wurde, er sich dort mit den Ökonomen im Ministerium ins Gespräch begeben wollte, allein, wie er sagt: „es fanden sich keine, die auf der Höhe der Zeit waren“. Also doch? Ein Jurist, eine Physikerin „machen in Ökonomie“? Jein! Wenn die Nichtökonomen zusammensitzen und „ökonomisch reden“ sind es natürlich die „Sherpas“ rechts und links, die vorbereitete Papiere in die Diskussion geben. Die Diskussion ist dann das gemeinsame Kopfnicken der Chefs – mit anschließendem Aufplustern in den jeweils eignen Pressestatements. „Rien ne va plus“, nichts geht mehr?

Der Autor dieser Zeilen macht folgenden, ernstgemeinten Vorschlag:

Die Experten, die unsere Politiker in den letzten 30 Jahren „beraten“ (und die Öffentlichkeit hinter die Fichte geführt haben) haben werden grundsätzlich nicht mehr berücksichtigt. Wenn man sich mit der Geschichte der Wirtschaftswissenschaft (Ökonomie, VWL) beschäftigt, dann ist es wenig verwunderlich, dass es da leider viele Miss(t)verständnisse gibt. Darüber wird auf MYTHOS noch zu reden sein. Deshalb: Die notwendige Beratung in ökonomischen Fragen wird ausschließlich aus dem Bereich der Heterodoxen Ökonomie („abweichende Wirtschaft“) rekrutiert.

Wenn das ab sofort gilt, könnte „Mit Vollgas in den Abgrund“ noch vermieden werden!

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