Ist das noch Satire – oder schon Drama? No. 3

Es gab Zuschriften zu den bisherigen Beiträgen dieser kleinen Serie. Warum hierfür die Kommentarspalte nicht genutzt wird entzieht sich unserer Kenntnis. Schade, die Diskussion muss nun indirekt laufen.

Bild von skeeze auf Pixabay.com

Einerseits wurde die Sachlichkeit des Beitrags von Mai Thi Nguyen-Kim gelobt („Corona geht gerade erst los“), andererseits wurde das logisch hergeleitete Ergebnis „das dauert bis man ein Medikament/Impfstoff hat“ angezweifelt.

Ja, so ist das im Leben: Die Logik erzählt – öfters als es einem lieb sein kann – Geschichten, die manchmal nicht gefallen: Stehen wir, nach wie vor, am Anfang der Pandemie – selbst eine Dunkelziffer von 1:10 unterstellt – führt das Bestreben, die Anzahl der Neuerkrankungen niedrig zu halten um das Gesundheitssystem nicht zu überfordern, zu lang anhaltenden Beschränkungen1)Unter der Voraussetzung, dass sich Alle daran halten! Covid-19 wird durch Tröpfchen-/Aerosol-Infektion übertragen, von Mensch zu Mensch; eine Kontaktinfektion über Oberflächen ist – aktueller Stand der Wissenschaft (ab hier: „Die Ansteckung über Oberflächen selbst …“) – zwar nicht auszuschließen aber zu vernachlässigen. Ergo: Ein (einfacher) Mundschutz ist das Mindeste, was man allgemein fordern muss. Dieser wirkt als Fremdschutz, der, wenn von allen angewendet, alle schützt! Zu beobachten ist allerdings: Viel Gummihandschuhe (Eigenschutz), wenig Mundschutz (Fremdschutz). Irgendwo da hört dann die Solidarität auf? Das ist unverantwortlich!2)In dem verlinkten Podcast (28) wird noch einmal deutlich, wie wichtig ein Mundschutz für alle ist!. Unterstellt man diese Dunkelziffer ergibt das potentiell 1-1,2 Millionen Menschen, die zukünftig nach allem was man weiß gegen SARS-CoV-2 immun sind, dann fehlen „nur noch“ 46-54 Millionen Menschen zur Erreichung der Herdenimmunität! Dass man zu Überlegungen kommen muss, welches die Voraussetzungen sind unter denen man Lockerungen vornehmen kann (siehe die Beiträge von Gerd Bosbach auf den NDS hier und hier) steht auf einem anderen Blatt, der Zeitpunkt kommt allerdings bald. MYTHOS würde das sicher nicht unter der Überschrift „Schluss mit Irreführung“ behandeln, sieht man jedoch auf Bosbachs bisherige Tätigkeit und Erfahrungen muss man befürchten, dass er leider weiß, warum er so auf die Pauke haut! Man wird die Erfahrungen der letzten drei Wochen anschauen, den Input aus Heinsberg, München und Österreich („Wiederauferstehung nach Ostern“) bewerten: Dann ist „High Noon“, dann ist überlegtes Handeln angesagt, Schluss mit Rhetorik!

Es wurde auch die Zählweise des RKI kritisiert: „zuviele Covid-19 Todesfälle, da stecken häufig andere Ursachen dahinter … das haben Obduktionen in Hamburg ergeben.“ Ja, es war von Anfang an schon auffällig: Covid-19 rafft vor allem alte Menschen dahin, aber nicht nur.3)Coronavirus: Auch junge Infizierte können Komplikationen bekommen“, der Merkur meldet Covid-19-Todesfälle unter Jugendlichen. Die folgenden Fragen müssen gestattet sein (sinngem. Zusammenfassung zum Mailverkehr):

Dass alte Menschen mit geschwächter Gesundheit erste Opfer einer beliebigen(!), weiteren Krankheit werden, kann als Binsenweißheit gelten. Wenn das Faß bereits voll war (an Vorschädigungen) und SARS-CoV-2 der Tropfen ist, der das Fass zum überlaufen bringt, kann dann Covid-19 nicht als Ursache (für das Überlaufen des Fasses sprich: Exitus) gezählt werden? Sterben alte Menschen zu Covid-19-Zeiten nicht leichter und schneller, eben wegen SARS-CoV-2? Es steckt viel Alarm und Sensation in Covid-19 – das ist aber wirklich nicht neu. Warum noch mehr Alarm in den Medien, gegen das RKI, das tatsächlich nicht immer glücklich operiert? Dass mehr Transparenz und Logik in die Sache gehört ist klar (Gerd Bosbach), dass das RKI daneben haut indem es glaubt Empfehlungen geben zu müssen, wie bei Obduktionen bei Covid-19 Verdacht vorzugehen ist, ist genauso klar. Aber sind diese Obduktionen wirklich nötig? Was gewinnt man?

Vielleicht weiß hier jemand Antwort. Sicher ist die Zählweise des RKI angreifbar, aber ändert sich dadurch Wesentliches? Nö!

Es wurde weiterhin kommentiert: „es kann aus verschiedenen logischen Gründen keine Covid-19-Pandemie geben. Es ist leicht nachweisbar, dass es sich um eine gemäßigte Grippewelle handelt, wobei Influenza eine äußerst gefährliche Krankheit ist.“ Das müsste dann ja bedeuten, dass die Mehrheit der Wissenschft, der Virologen sich in Bezug auf das Virus vertan hat. Der Verfasser hat mich um Fragen gebeten, die ich ihm gestellt habe, schaun merr ma!

Update: Die Antworten sind da. Vielen Dank! Es gibt durchaus interessante Ergebnise des weiteren Mailverkehrs (drei wichtige Punkte sinngem. aus der Sicht des Autors hier wiedergegeben):
„Die Situation wird übertrieben, Klinikbetten sind unterausgelastet. – SARS oder Influenza – insgesamt ist der Effekt auf das Leben nicht anders als bei den jährlichen Grippewellen. – Man kann also zurecht vermuten, dass mit dem Abflauen der diesjährigen Grippewelle (Coronawelle?) ca. 95% als immunisiert angesehen werden können und die anderen 5% durch diese Viren ernsthaft bedroht sind.“

zu Klinikbetten unterausgelastet: Das ist (Gottseidank) korrekt. Man kann nur vermuten, dass es erheblich anders wäre, wären die bisherigen Maßnahmen nicht ergriffen worden (s. USA, GB).

zu SARS gleich oder ähnlich Grippe:4)Wichtig: Die Virologen unterscheiden SARS-CoV-2 sehr wohl von anderen Corona-Viren (Influenza- bzw. Grippeviren), die die Menschen häufig infizieren, häufig mit minimalem Effekt, z. B. leichte Erkältung. Verschieden Quellen weisen ~ 180.000 Grippeerkrankte und 377 Grippetote aus – die erste Zahl ist (noch) höher und liegt am Ende der Grippesaison, die zweite Zahl ist definitiv niedriger. Wo wir mit Covid-19 am Ende stehen, weiß kein Mensch(!), und welche Zahlen am Ende rauskommen auch nicht. Leider.

zu 95% sind immunisiert: Die Logik („95% als immunisiert angesehen“ würde bedeuten, dass ~ 77 Mio. Menschen immun sind, heute, die Grippesaison ist zu Ende) würde sich mir dann erschließen, wenn die Welle nach den verbleibenden 5 Mio. Menschen halt machen würde (das entspräche 100% der Menschen sind/waren infiziert – das ist per se unlogisch). Es wäre zu hinterfragen, wie sich bei einer Herde, die zu 95% immun ist, sich der Rest noch, durchgängig in in den heutigen Raten die wir noch haben, infizieren soll?

Ende des Updates.

Vielen Dank für die Zuschriften, die vorgebrachten Argumente sind aus hiesiger Sicht wenig stichhaltig. Sie scheinen – ohne jemanden zu nahe zu treten – zu sehr an der allgemeinen, medialen Oberfläche angesiedelt.

Im Podcast (30) haben Christian Drosten und Dirk Brockmann („rocs“ = Research on Complex Systems, ein scheinbar kongenialer Partner für Prof. Drosten) erneut herausgearbeiet, wie wichtig eine Kontaktverfolgung via Handy-App ist(!).

Und was macht das RKI daraus? Eine „App Corona-Datenspende“ die sich gewaschen hat. Die Gießener Allgemeine (GAZ) weiß z.B. zu berichten:

Was genau passiert in der App Corona-Datenspende? „Daten von Fitnessarmbändern und Smartwatches, sogenannten Wearables, können Hinweise auf Symptome einer Infektion mit COVID-19 liefern“, heißt es beim RKI. Mit Hilfe der kostenlosen App können Bürger demnach diese relevanten Daten dem Robert Koch-Institut zur Verfügung stellen. Zusammen mit Zahlen aus anderen Quellen – offizielle Meldedaten sind hier genannt – sollen die Daten der Wearables über Corona-Datenspende den Wissenschaftlern helfen, die Ausbreitung des Coronavirus besser zu erfassen und zu verstehen.

Die Corona-Datenspende erfolgt freiwillig und pseudonymisiert.

Bei den Daten handelt es sich laut RKI um Angaben zu

Geschlecht
Alter in 5-Jahres-Schritten
Gewicht in 5 kg-Schritten
Körpergröße in 5 cm-Schritten
Gesundheits- und Aktivitätsdaten: zum Schlafverhalten, Herzfrequenz und Körpertemperatur
Postleitzahl

Die Algorithmen hinter der Corona-Datenspende erkennen, so heißt es beim Robert-Koch-Institut, Symptome, die unter anderem mit einer Coronavirus-Infektion in Verbindung gebracht werden. Dazu gehören etwa ein erhöhter Ruhepuls und ein verändertes Schlaf- und Aktivitätsverhalten. Die gespendeten Daten sollen ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke verwendet werden. Nach sorgfältiger Aufbereitung fließen die Daten in eine Karte, die die Verbreitung von möglicherweise infizierten Personen bis auf die Ebene der Postleitzahl visuell darstellt. Diese Karte soll regelmäßig aktualisiert und auf dieser Webseite veröffentlicht werden.

Quelle

Unser bester Freund, der Algorithmus, Heureka! Gefragt ist eine Handy-App, die Kontakte protokolliert – und dann das. Ein Handy habe ich schon, und jetzt? Die Ironie kann sich der Autor nicht verkneifen: Ich kaufe mir ’ne Smartwatch und ein Fitnessarmband, doppelt spenden ist besser, was? Ja, Nee, Iss klar! Mit Kanonen auf Spatzen … vorbeigeschossen. Neuer Versuch bitte, eine Handy-App ist gefragt! Es ist schon wahr: Das RKI handelt durchaus „unglücklich“!

„Noch Sartire oder schon Drama“? Zwischenfazit: Drama an allen Orten! Nicht das Problem ist das Problem, der Umgang damit ist das Problem!

Einzelnachweise

1 Unter der Voraussetzung, dass sich Alle daran halten! Covid-19 wird durch Tröpfchen-/Aerosol-Infektion übertragen, von Mensch zu Mensch; eine Kontaktinfektion über Oberflächen ist – aktueller Stand der Wissenschaft (ab hier: „Die Ansteckung über Oberflächen selbst …“) – zwar nicht auszuschließen aber zu vernachlässigen. Ergo: Ein (einfacher) Mundschutz ist das Mindeste, was man allgemein fordern muss. Dieser wirkt als Fremdschutz, der, wenn von allen angewendet, alle schützt! Zu beobachten ist allerdings: Viel Gummihandschuhe (Eigenschutz), wenig Mundschutz (Fremdschutz). Irgendwo da hört dann die Solidarität auf? Das ist unverantwortlich!
2 In dem verlinkten Podcast (28) wird noch einmal deutlich, wie wichtig ein Mundschutz für alle ist!
3 Coronavirus: Auch junge Infizierte können Komplikationen bekommen“, der Merkur meldet Covid-19-Todesfälle unter Jugendlichen.
4 Wichtig: Die Virologen unterscheiden SARS-CoV-2 sehr wohl von anderen Corona-Viren (Influenza- bzw. Grippeviren), die die Menschen häufig infizieren, häufig mit minimalem Effekt, z. B. leichte Erkältung.

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