Ist das noch Satire – oder schon Drama? No. 1

Das SARS-CoV-2 legt die Schwachstellen unseres Wirtschaftssystem bloß, für jedermann sichtbar; sollten tatsächlich langfristig wirksame Konsequenzen gezogen werden, ist dem Virus zu danken!

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay.com

Gerd Bosbach ist vermutlich der Statistiker, der am besten qualifiziert ist – er wird von der Politik nicht gefragt. Es scheint sich ein durchgängiges Muster zu zeigen: „Wer am meisten Mist verzapft hat kann trotzdem nicht vom Trog verdrängt werden. Einmal einen Platz gesichert und es ist ausgesorgt.“1)Ein Beispiel: Jörg Asmussen eins und zwei, ab 1’50“ Warum ist das so? Warum werden immer bevorzugt die gehört, die das Schiff erst in schwere See gebracht haben?

Warum werden Bosbachs Fragen nicht auf dem Marktplatz und in den Medien laut gestellt und diskutiert? Bloß weil eine Frage, ein Argument nicht in das vorliegende Weltbild, die herrschende Ideologie passt, müssen Frage/Argument nicht von vorne herein falsch sein, das vorliegende Weltbild, die herrschende Ideologie kann ja auch eine Macke haben. Die Massenmedien kommen ihrer Aufgabe neutral zu informieren und kritisch zu hinterfragen nicht nach, sie beten nur nach was ihnen Verbände, Politik und „Ächzperten“ vorsingen. Ansosnten wird wahlweise dramatisiert oder banalisiert.

Wie konnte das denn passieren? Christian Drosten, Chefvirologe der Berliner Charité und gegenwärtig berühmtester Erklärer Deutschlands, hat Medienkritik geübt und laut über einen „geordneten Rückzug“ der Wissenschaft aus den Medien nachgedacht.

„jenseits der Vernunft in dieser mediengeführten Öffentlichkeit“.

Quelle

Bildhaft: Die Wissnschaft erfindet das Messer, die Medien berichten über ein Mordinstrument. Und das soll kritische Information sein? Zurück zu Gerd Bosbach:

„Ich bin nach wie vor überrascht, woher die politischen Entscheider die Sicherheit für die Richtigkeit ihres Vorgehens hernehmen, ohne die Zahl der Infizierten in der Bevölkerung zu kennen. Was sie kennen und worauf sie offenbar ihre Maßnahmen und das Festhalten an denselben stützen, ist die Zahl der positiv auf das Corona-Virus Getesteten. Das aber ist eine Größe, die extrem von der Anzahl der durchgeführten Tests abhängt. So eine Entscheidungsgrundlage schockiert mich. Ich stelle die Maßnahmen und ihre Notwendigkeit nicht per se in Frage.“

„Die Zahl der positiv Getesteten umfasst eine kleine, nicht repräsentativ ausgewählte Gruppe. Es sind dies Menschen, die starke Krankheitssymptome aufweisen, wegen Vorerkrankungen oder ihres hohen Alters ein erhöhtes Risiko tragen, Kontaktpersonen im Umfeld von Infizierten sowie Personen, die nah am Patienten dran sind, wie Ärzte und Pflegepersonal. Um es salopp zu sagen: Wenn sie in dieser Gruppe morgen doppelt so viele Menschen testen wie heute, werden sie morgen wahrscheinlich auch fast doppelt so viele Infizierte finden wie heute.“

Ein gutes Beispiel für logisches Denken – und doch so banal.

„… Mit der Verdreifachung der Tests ergab sich auch etwas mehr als eine Verdreifachung der positiv Getesteten. Diese Verdreifachung wurde den Bürgerinnen und Bürgern als Verdreifachung der Infizierten vorgeführt. Dabei ist nur der etwas überproportionale Anstieg als Tempo der Übertragung interpretierbar. Und der wirkt weit weniger erschreckend.“

Danke, lieber Herr Bosbach, das kann jeder logisch nachvollziehen: Verdreifachung der Tests, das Ergebnis ist dann etwas höher als es der Verdreifachung natürlicherweise entspricht – und genau dieses Etwas ist der wichtige Punkt. Das würde dann heißen (bspw.): „hat sich von 1 auf 1,16 erhöht“ oder „hat sich um 0,16 erhöht“; das ist nicht spektakukär, gibt keine Schlagzeile her, und würde sich als Rechtfertigung für politischen Aktionismus nicht eignen.

Zurück zu Gerd Bosbach:

„… Wenn die Tests immer mehr werden und die Zahl der positiv Getesteten auf demselben oder auch einem leicht erhöhten Niveau mitsteigt, kann das noch Monate so weitergehen. Wegen neuartiger Testauswertungsmethoden soll man demnächst vielleicht bis zu zehnmal mehr testen können als bisher. Kommt es so, werden die Fallzahlen explodieren, ohne dass dies ein valider Hinweis auf eine exponentielle Verbreitung des Erregers wäre. …“

Letzter Punkt, den wir hier zitieren wollen, es geht um die Testreihe in Heinsberg die der Virologe Hendrik Streeck, Uni Bon dort durchführt:

„Es ist gut und wichtig, dass das passiert. Aber warum muss Herr Streeck so etwas in Eigeninitiative machen, während man beim RKI [Robert Koch Institut] weiterhin die Füße stillhält? Herr Streeck hat am Dienstag im ZDF bei Markus Lanz sehr deutlich gesagt, dass ihn die Untätigkeit der in der Corona-Krise federführenden Behörde verwundert.“

Dem ist nichts weiter zuzufügen. Das IV Mit Gerd Bosbach war bereits am Sonntag verlinkt. Wer es noch nicht nachgelesen hat, sollte es bitte jetzt tun.

Wenn man den Frühnachrichten am Samstag, 04.04.20 trauen kann, ist vermutlich im Freistaat Bayern ein Licht aufgegangen. Man will dort Untersuchungen durchführen was Schlüsse auf den „Durchseuchungsgrad“ der Bevölkerung zulässt. Ob man dort Gerd Bosbach gelesen hat?

Per 5.04.20, 08:20 h wird von br24 bestätigt:

Münchner Corona-Studie: Der Dunkelziffer auf der Spur – Wie viele Menschen sind am Corona-Virus infiziert, ohne Symptome zu zeigen? Wie hoch ist die Dunkelziffer bei den Infektionen mit dem Virus SARS-CoV-2? Die Münchner Kohorte soll dazu valide Zahlen liefern.

Quelle

Einzelnachweise

Einzelnachweise
1 Ein Beispiel: Jörg Asmussen eins und zwei, ab 1’50“

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. H.L.Hausen

    Es sind der Stimmen viele und die Ver(w)irrungen wachsen, blühen und gedeihen.
    Wie immer, man macht nichts verkehrt, wenn man die professionellen Diskussionen in den jeweiligen Fachzeitschriften (Lancet, Nature, etc.) verfolgt. Populärwissenschaftliche Artikel wie
    https://www.spektrum.de/news/simulationen-die-regierungen-lenken/1720164?utm_medium=newsletter&utm_source=sdw-nl&utm_campaign=sdw-nl-daily&utm_content=heute
    sind hilfreich einen Einstieg zu finden.
    Natürlich, die Pandemie-Modelle und Entscheidungszenarien des EVENT 201
    http://www.centerforhealthsecurity.org/newsroom/center-news/2019/2019-08-21-event201.html
    sollten der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

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