Zwischenruf 050420

Ein „Kessel Buntes“ zu Covid-19:

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„Wir sind der Meinung, dass eine Schutzmaskenpflicht nicht sinnvoll ist!“

Selbst der hier mehrmals zitierte Prof. Drosten äußert sich gegenüber (dem einfachen) Mundschutz skeptisch, trägt aber beim Einkauf selbst einen solchen, wie er sagt. Recht hat er, legt der Kommentar der taz dar:

Die Kommunikation zum Maskenschutz krankt an einem grundsätzlichen Missverständnis. Weil eine einfache Maske keinen 100-prozentigen Schutz bietet, wurde sie frühzeitig und zu Unrecht als untauglich abserviert.Das passte zur Verknappung medizinischer Schutzmasken in den Kliniken. Man hatte Angst, das Volk könnte den Krankenhäusern die weltweit knappen FFP-Masken wegnehmen.

Das passte auch zur hamsternden Ego-Gesellschaft, die vorrangig auf Eigenschutz fixiert ist. Dabei wird übersehen, dass eine Maske, ein Buff, ein Schal, ein Tuch die eigene Ansteckung zwar nur verringern. Sie können aber das Risiko für die anderen erheblich minimieren, weil infektiöse Tröpfchen beim Niesen, Husten, Ausatmen abgefangen werden. Ergo: Wenn alle Maske tragen, ist die Ansteckungsgefahr dramatisch reduziert.

Quelle

Die niedersächsische Gesundheitsministerin Reimann (SPD): „Einkaufen mit hochwertigen Masken ist unverantwortliche Verschwendung!“ Da ist das im Kommentar eingangs zitierte Missverständnis. Hallo, Frau Reimann, FFP-Masken sind dem Gesundheits-/ und Pflegepersonal vorzubehalten, ein einfacher Mundschutz sollte für alle Anderen vorgeschrieben sein. Es ist logisch nicht zu verstehen, dass eine Schutzmaske klinisches Personal schützt, eine allgemeine Mundschutzpflicht nicht angezeigt sein soll. Wenn jeder sein Gegenüber vor sich schützt sind am Ende alle geschützt – und die Ausbreitung des Virus ist drastisch verringert. Kann man denn in dieser Meinungs-Kakophonie nicht einfach mal selber logisch denken? Der Autor dieser Zeilen trägt selbstverständlich einen selbstgefertigten Mundschutz beim Einkauf.

„There is no glory in prevention“ (Christian Drosten – „Es gibt keinen Ruhm in Prävention“ – klar: Die Prävention verhindert ja das Desaster, es bleibt also unbekannt.) Merke: Prävention betreibt man im eigenen Interesse, zur eigenen Sicherheit, zur eigenen Zufriedenheit. Da gibt es kein extra Bonbon für.

„Corona-Soforthilfen: Oben gewinnt die Politik an Profil, während unten die Existenznot bleibt“ lautet die Überschrift auf den NachDenkSeiten; so ist es recht: Oben wird beschlossen, was unten passiert ist Wurst! Oben wird gegebenfalls der Lorbeer eingeheimst, wenn es nicht so gut läuft werden die unteren Chargen beschimpft und verantwortlich gemacht – oder es war halt nicht vermeidbar:

Für Soloselbstständige, Freiberufler und Kleinstunternehmen sind die „unbürokratischen“ Coronahilfen nach Lage der Dinge eher eine Enttäuschung. Bundesländer wie Bayern und Niedersachsen haben zwar als erste eigene Programme aufgelegt, wie sie nicht müde werden zu betonen, diese dienten aber eben nur der politischen Profilierung, wie sich nun herausstellt. [Hervorhebung HHö] In der Praxis stellten sich die Maßnahmen, bei denen es zudem massive technische Anlaufschwierigkeiten gab, als unbrauchbar heraus. Die Betroffenen sahen sich mit mehr oder weniger unüberwindbaren Hürden sowie der Drohung, bloß keinen Subventionsbetrug zu begehen, konfrontiert. Daher werden die eilig beschlossenen Soforthilfen der Länder auch durch ein Programm des Bundes, das aber ebenso Fragen aufwirft, ersetzt. Der Trick der Landesfürsten geht dennoch auf, denn Kritik an deren Vorgehen gibt es kaum.

Quelle

Das ist die gnädige Zusammenfassung des Artikels auf den NDS.

Aber es trifft auch Große: Aktuell melden die Medien: „Karstadt Kaufhof beantragt Schutzschirm-verfahren“ (Überschrift der FAZ, 1.04.20). Ob das das gut ausgeht? Die Banken mauern, die Gläubiger scharren mit den Füssen, die Politik schwadroniert und zaudert.

Ein interessantes Interview aus den USA: „Was sind die Lehren aus der Corona-Krise?“ – Dennis Carroll, Biologe und Virologe der sich in der US-Entwicklungshilfe-Behörde mit Pandemievorsorge befasst und mit potentiell gefährlichen Viren im Tierreich beschäftigt. Er hat die Behörde, auch wegen Kürzungen der Forschungsgelder durch die Trumpadministration, verlassen. Einige Kernsätze aus dem IV:

Dennis Carroll: Der Ausbruch kommt in der Tat nicht überraschend. Forscher auf diesem Gebiet hatten so ein Virus schon länger auf dem Radar, mehr als 20 Jahre, … Nein, das ist nicht überraschend. …

Carroll: Ein derartiger Ausbruch wie jetzt im Fall des Coronavirus ist Teil eines natürlichen Musters. Dieses und alle ähnlichen Viren, die zum Teil zu Pandemien führten, haben zuvor in der Tierwelt existiert. Wir wissen also, dass es dort eine Art Reservoir für Viren wie Corona gibt – und dass sie gelegentlich von Tieren auf Menschen übergreifen. …

Das sind gewöhnliche Ereignisse. Das 21. Jahrhundert ist aber keine gewöhnliche Epoche. Viren greifen in der jetzigen Zeit immer häufiger über. Das liegt vor allem am Bevölkerungswachstum. … Es hat fast 300.000 Jahre gedauert, bis die Menschheit die Marke von einer Milliarde erreicht hat. Innerhalb von gerade mal 100 Jahren – von 1918 bis heute – sind dann weitere sechs Milliarden dazugekommen. Unsere Ökosysteme können ein solches Bevölkerungswachstum [nur HHö] unmöglich
vertragen, ohne Schäden davonzutragen. … Der Fall des Coronavirus ist also Teil eines größeren Schemas. Und solche Gefahren wird es künftig vermehrt geben.

Ganz nebenbei hat Dennis Carroll hiermit ein unschlagbares Argument für den „menschengemachten Klimawandel“ geliefert1)Ereignisse dieser Art sind vielfach nachgewiesen, sie haben jeweils ~ 1my und länger gedauert; der Wandel, der heute abläuft begann von ca. 8.000 Jahren [Sesshaftwerdung des Menschen] und wird „sehr bald“ an sein Ende gekommen sein!, weiter hierzu:

Carroll: … Dies wirkt sich verschiedenartig auf Ökosysteme aus. Erstens, indem wir Wohngebiete erschließen und ausbauen. Zweitens, die Landwirtschaft. Sie wirkt sich geradezu zerstörerisch auf Ökosysteme aus. Und drittens ist es das tiefe Eindringen in die Natur auf der Suche nach wertvollen Mineralien und Rohstoffen, was wirtschaftliche Gründe hat.

Zurück zum Thema des IV, „Diese Abwertung wissenschaftlicher Befunde ist besorgniserregend“:

Carroll: Nun ja. Wir sehen immer öfter eine Rhetorik, die Wissenschaft geringschätzt, auch in meinem Land. Selbst als im Januar schon klar wurde und es einschlägige wissenschaftliche Erkenntnisse gab, dass das Virus eine globale Gefahr darstellt, schlugen es politische Führungspersonen einfach in den Wind. Und viele von ihnen tun es weiterhin. Diese Abwertung wissenschaftlicher Befunde ist besorgniserregend. Und unglücklicherweise erschwert sie es, angemessen auf die Gefahr durch das Virus zu reagieren.

Quelle

Wer jetzt denkt: „Jaja, die Amis, der Trump!“ liegt nicht nur richtig: Überall wird die Wissenschaft negiert, wenn es nicht ins aktuelle (politische oder persönliche) Konzept passt. Ein schönes Beispiel sind wir selbst: Das Coronavirus ist ein äußerer Feind der mit allen Mitteln bekämpft wird; der (menschengemachte) Klimawandel ist der Feind, der in uns selbst wohnt, unsere Lebensgewohn-heiten. Wann wird dieser Feind bekämpft? Es ist höchste Zeit, dass wir uns einen anderen Lebensstil aneignen! Wer sagt denn, dass das schlechter sein muss, es ist halt anders – denn so geht es nicht weiter. Wenigstens diese Lehre sollte aus SARS-CoV 2 gezogen werden.

Den Rest bitte (unbedingt!) nachhören oder Nachlesen (Audio und Manusskript unter dem Link).

Genug der Zumutungen für heute, zur Entspannung Musik zwo, drei, vier. (zwo – die Politik handelt und gibt Empfehlungen, drei – wir reiten gegen den Virus, vier – nach Covid-19: „durch das Raue zu den Sternen“ per aspera ad astra)!

Update: Passend zur (Trauer-)Musik unter zwo: „Schluss mit Irreführung: „Wir brauchen harte, gesicherte Fakten statt nur scheinbar objektive“.“ Gerd Bosbach regt sehr zum Nachdenken an: Die Politik „handelt“ (bitte die „“ laut mitlesen – Bosbachs Argumente sind sehr einleuchtend).

Einzelnachweise   [ + ]

1. Ereignisse dieser Art sind vielfach nachgewiesen, sie haben jeweils ~ 1my und länger gedauert; der Wandel, der heute abläuft begann von ca. 8.000 Jahren [Sesshaftwerdung des Menschen] und wird „sehr bald“ an sein Ende gekommen sein!

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