Zwischenruf 190320

„Draghi, Merkel und Schäuble haben die Toten in Italien mit auf dem Gewissen“ (Hervorhebung HHö)

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Norbert Häring hat leider recht: So MUSS man das sagen!

Dass in Italien das Corona-Virus so viele Todesopfer fordert, hat einen Grund: mangelnde Behandlungskapazitäten in Krankenhäusern. Und diese wiederum haben ihren Grund darin, dass die Europäische Zentralbank mit Unterstützung der Bundesregierung die in Not geratene italienische Regierung so lange erpresste, bis sie ihre Ausgaben für das Gesundheitswesen zusammenstrich. …

Das ist natürlich nicht der einzige, aber ein gewichtiger Punkt. Dazu kommt, dass die italienische Wirtschaft seit dem €uro auf die schiefe Ebene geraten ist von der sie, nach MYTHOS‘ Überzeugung im €uro nicht runterkommen wird, was u. a. dazu führt dass die jungen Leute noch mit 40 Jahren „bei Mama“ leben weil die Wirtschaft seit 20 Jahren lahmt. Weiterer Punkt: Das Familienleben ist in Italien grundsätzlich viel enger als in anderen europäischen Ländern. Tonia Mastrobuoni (La Repubblica) hat das im Presseclub (bei 5’30“) ausreichend erklärt.

Aprops Behandlungskapazitäten: Ob nun immer noch dem Vorschlag der Bertelsmann-Stiftung zur Schließung von Krankenhäusern Folge geleistet wird? Weniger Krankenhäuser = höhere Kapazität(?) … äh, mehr Effizienz sprich: mehr Rendite für das eingesetzte Kapital! Wann werden die Leute endlich wach? Vor Monaten, als Bertelsmann mit dieser Amok-Nummer rauskam, wurde das landauf, landab in den Medien durchgekaut (z.B. hier: 15. Juli 2019 – „Gesundheitswesen: Studie schlägt vor, mehr als jedes zweite Krankenhaus zu schließen“), hört man heute noch davon? Nein! Warum? Ist das den Bertelsmännern und den damaligen Vertretern dieser „Studie“ peinlich?

Norbert Härings Post unter dem o. g. Link sollte gefolgt werden. Er hat auch noch die neoliberale Volte gegen Spanien (Abbau von Arbeitnehmerrechten, Lohnkürzungen, Ausgabenkürzungen) zum Gegenstand.

Fazit:
„Das damalige Handeln von EZB und der Bundesregierung macht das baldige Auseinanderbrechen der Währungsunion und womöglich der EU noch wahrscheinlicher.“

Weiter im Text: „Das Coronavirus und die Moral“

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Kein Interesse der Pharmaindustrie an der pharmazeutischen Grundversorgung der Menschen; auch Hartmut Reiners hat recht:

Die FAZ-Autoren beschreiben die auf Profitmaximierung ausgerichtete Geschäftspolitik der Pharmakonzerne in speziellen Bereichen wie der Onkologie: „Krebsmedikamente haben die Innovationslaune der Branche mächtig gesteigert.“ Damit erziele man „Mondpreise von weit mehr als hunderttausend Euro pro Behandlungsjahr.“ Deshalb sei das nicht so ertragreiche Geschäft mit der medizinischen Grundversorgung für sie ohne Interesse. Das sei eine unter ethischen Gesichtspunkten fragwürdige Strategie.

Die Krankenkassen melden exorbitante Preissprünge in mengenmäßig eher kleinen, aber dafür umso ertragreicheren Bereichen der Arzneimittelversorgung. Mittlerweile unterliegen die meisten Arzneimittel einer Preisregulierung, seien es Festbeträge für definierte Wirkstoffe beziehungsweise wirkungsgleiche Medikamente, Rabattver-träge oder Preisverhandlungen der Krankenkassen mit den Herstellern. Mit ihnen lässt sich immer noch gutes Geld verdienen, aber die damit zu machenden Gewinne reichen der Pharmaindustrie offenbar nicht. Sie investiert in die Entwicklung von Wirkstoffen und Medikamenten, die sich der öffentlichen Preiskontrolle entziehen.

2018 hatten zwar nur 6,4 Prozent der auf Kosten der Krankenkassen verordneten Arzneimittel von den Herstellern frei festgesetzte Preise. Aber hier halten sich die Pharmakonzerne für die durch die Preisregulierung in der Massenversorgung erlittene Reduzierung ihrer Gewinne schadlos. Das dokumentiert der Arzneiverord-nungsreport der AOK. In diesem Segment stieg der durchschnittliche Preis einer Verordnung zwischen 2008 und 2018 von 163 auf 471 Euro. Die Preise für die zwanzig teuersten Neueinführungen lag 2008 zwischen 3.000 und 23.000 Euro pro Verordnung, im Jahr 2018 zwischen 10.000 und 320.000 Euro. Das betrifft insbeson-dere die Onkologie und Neurologie, wo die Fallzahlen wegen der demografischen Entwicklung wachsen und mit patentgeschützten Arzneimitteln enorme Gewinne gemacht werden können. …

Aber Achtung es geht, typisch nach FAZ-Manier, weiter:

… Bei Pandemien wie Covid-19 habe der Staat wichtige Gründe zum Eingreifen. Hier falle „der Nutzen nicht nur individuell an, sondern gesellschaftlich“ an. Es handele sich um eine aggressive ansteckende Krankheit, die sich der individuellen Verantwortung und Kontrolle entzieht. Daher sei bei Pandemien entschlossenes staatliches Handeln geboten.

Aber das bedeute „nicht automatisch etwas für alle anderen Gesundheitsgüter“. Die könne man der privaten Vorsorge oder einer Krankenversicherung überlassen, weil Gesundheit aus ökonomischer Sicht zumeist „ein privates Gut“ sei.

Nein, das ist es ganz und gar nicht. …

Diesem Post ebenfalls bitte folgen. Hartmut Reiners ist in gewisser Weise Insider. Er „ist Volkswirt und Gesundheitsökonom. Er war viele Jahre in verantwortlichen Positionen in den Gesundheits-ministerien der Länder tätig und maßgeblich an allen Reformen der gesetzlichen Krankenversiche-rung zwischen 1988 und 2009 beteiligt. …“ (Zitat aus der Autorenbeschreibung, MAKROSKOP).

Freiheit? Frei von staatlicher Bevormundung … privaten Raubzügen mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert! Das ist Politik, das ist Freiheit!

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