MYTHOS is back – Dauerbrenner: Rente – Teil 4

Der ursprünglich hier geplante Text „Einige Besonderheiten [Absonderlichkeiten?] im deutschen Rentensystem“ ist als Teil 5 auf später verschoben – es gab viel zu lesen in der zurückliegenden Zeit.

Bild von Karolina Grabowska auf Pixabay

Bis hier halten wir zum Dauerbrenner Rente fest:

  1. Wir müssen länger arbeiten wegen der Demographie/Alterung der Bevölkerung.
    Dieser Mythos ist falsch! Die gestiegene Produktivität überkompensiert die demographische Entwicklung!
  2. Wir müssen länger arbeiten, weil wir länger leben – d.h.: Wir dürfen nicht so viel Rente beziehen. Dieser Mythos ist aus dem gleichen Grund falsch (und eine Unverschämtheit dazu! Er sagt, zugespitzt, nichts anderes als: „Dem arbeitenden Proletariat steht halt nicht mehr zu!“).
    Die gestiegene Produktivität überkompensiert also die Mythen unter 1. und 2.
    Rekapitulieren wir zur Verdeutlichung: Die Produktivität betrug 1958 (ein Jahr nach Einführung des umlagefinanzierten Rentensystems) pro Erwerbstätigen: 1,97 € pro Arbeitsstunde, 2018 betrug sie, pro Erwerbstätigen: 53,76 € pro Arbeitsstunde – das ist mehr als das 16-fache. (zur Rechnung siehe hier)
  3. Eine kapitalgedeckte Zusatzrente ist nötig weil das Umlageverfahren alleine nicht mehr trägt. Dieser Mythos ist falsch! Das in Deutschland praktizierte Umlageverfahren ist kostengünstig und risikoarm.

    Umlageverfahren: Auf der einen Seite kommen die aktuellen Beiträge herein und gehen direkt auf der anderen Seite als Rentenzahlungen wieder raus. Kosten? < 2%, Risiko: Staatsbankrott; für Deutschland, unter normalen Bedingungen, nicht vorstellbar – unter chaotischen Bedingungen (z. B. Krieg) genauso gefährdet wie alles andere.

    Kapitaldeckungsverfahren: Die Gelder (Beiträge) werden angelegt und zukünftig – mit den erwirtschafteten Gewinnen – als Renten wieder ausgeschüttet. Logisch entspricht das einem Umlagenverfahren mit Zeitzünder. Kosten? > 10%, Risiko: „normale“ Kapitalmarkt Risiken – sprich: Verlustrisiko bis 100% – unter normalen Bedingungen! Es ist ungewiss, ob sich die mit den heutigen Beiträgen finanzierten Investitionen künftig – wenn sie als Rente wieder ausgezahlt werden – rechnen, erst recht, wenn es sich um Auslandsinvestitionen handelt. Unter chaotischen Bedingungen (z. B. Krieg): siehe oben.

Zusammengefasst:

  • Das Produktivitätswachstum überkompensiert die Folgen des Rückgangs der Bevölkerung im erwerbstätigen Alter und längere Rentenbezugszeiten.
  • Die Volkswirtschaft wird daher insgesamt in der Lage sein, sowohl der arbeitenden Generation wie den Ruheständlern einen höheren Lebensstand zu bieten als heute.
  • Ein kapitalgedecktes System ist mit höheren Kosten und Risiken behaftet; logisch sind beide Verfahren identisch: Die „heute in Arbeit befindliche Generation“ zahlt für die „heute im Ruhestand befindliche Generation“ – so wie diese für die „damals in Erziehung und Ausbildung befindliche Generation“ gezahlt hat. Es ist unerheblich ob dieses direkt geschieht (Beitrag -> Rente) oder indirekt (Beitrag -> Investition -> Rückzahlung als Rente – Achtung: Höhere Kosten und Risiken!). Weil aber Krisen die Geschichte der Menschheit begleiten ist ein umlagefinanziertes System die sichere und somit schlauere Lösung.
  • Inwieweit die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft für eine auskömmliche Altersrente steht, ist daher eine politische Entscheidung(!!) und damit abhängig von den politischen Kräfteverhältnissen.

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