Dauerbrenner: Die Rente – Teil 2 (Demographie)

 

Bild von Wilfried_Pohnke auf Pixabay

Die Demographie, die „Alterspyramide“ der Gesellschaft, ändert sich. Deshalb muss „die Rente“ immer wieder nachjustiert werden. So, oder so ähnlich lautet der Mythos. Was bedeutet das konkret?

Die Menschen sollen wegen der demographischen Entwicklung der Gesellschaft – weniger junge Erwerbstätige, mehr alte Rentenempfänger – länger arbeiten oder sich mit weniger Rente zufrieden geben.

Das Argument lässt die Entwicklung der Produktivität außen vor: Während es 1957 – Einführung der umlagefinanzierten Rente in Deutschland – sechs Erwerbstätige waren, die „einen Rentner tragen (finanzieren) mussten“ sind es heute nur zwei, die einen Rentner finanzieren. Das Bild stimmt ungefähr – es stimmt aber auch, dass die Wirtschaftsleistung (die Produktivität) eines Erwerbstätigen damals nur einen Bruchteil der heutigen Leistung betrug.

Der Mythos „die Menschen müssen aus demographischen Gründen“ länger arbeiten ist falsch!

Wir wollen uns beim Thema Rente auf die Altersrente konzentrieren; hier zuerst mit den Auswirkungen der Demographie – und warum das nur Alarmgeschrei, aber kein Thema ist:

Grafik aus dem CIA World Factbook.

Vorstehende Grafik ist unter diesem Link zu finden (Deutschland), unter diesem Link ist eine aktive Bevölkerungspyramide von destatis (Statistisches Bundesamt) zu finden.

Kein Zweifel – eine solche Bevölkerungsentwicklung kann zum Nachdenken und zu Fehlschlüssen führen: Die Bevölkerung altert – mehr Alte, weniger Junge … einerseits, aber die andere Seite der Medaille ist die Entwicklung der Wirtschaft, genauer: die der Produktivität.

Betrug das Bruttoinlandsprodukt (die Wirtschaftsleistung – BIP) 1958 ~ 119 Mrd.€ und wurde diese Leistung von ~26 Mio. Erwerbstätigen in 60,2 Mrd. Arbeitsstunden erbracht, so ergibt sich eine Produktivität*)
von 4.576 € pro Erwerbstätigen oder
von 1,97 € pro Arbeitsstunde

2018 betragen die entsprechenden Werte: BIP ~ 3.344 Mrd.€, ~ 44,8 Mio. Erwerbstätige, ~ 62,2 Mrd. Arbeitsstunden**). Es errechnet sich also eine Produktivität
von 74.642 € pro Erwerbstätigen oder
von 53,76 € pro Arbeitsstunde

Das bedeutet: Die Produktivität pro Kopf der Erwerbstätigen betrug 1958 – 1 Jahr nach Einführung der gesetzlichen Rente – ca. 6,13% der heutigen Produktivität, also ca. ein sechzehntel!

*) Quellen zur Errechnung der Produktivität:
gesisstatistaStatistisches Landesamt Baden-Württemberg – Statistisches Bundesamt (dort die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung VGR)
**) Die Arbeitszeit war 1958 erheblich länger: ~ 45 h/Woche, 2.440 h/Jahr, nur ~ 2 Wochen Urlaub (Jahresarbeitszeit 2018 im Vergleich dazu ~ 1.389 h/Jahr). Deshalb: Die Jubelarien über „jetzt 44komma soundsoviel Millionen Menschen in Arbeit“ ist eine bösartige Verarsche der Menschen (Tschuldigung)! 1958 ~ 26 Mio. Erwerbstätige und ~60,2 Mrd. Arbeitsstunden, 2018 ~ 44,8 Erwerbstätige und ~ 62,2 Mrd. Arbeitsstunden – die Arbeit wird heute auf mehr Schultern verteilt, teils in Schröders Niedriglohnsektor (Agenda 2010, Schröders Rede in Davos, 2005, PDF, S. 4, Drittens:), teils auf anders prekäre Weise (Zeitverträge, Zeitarbeit, Teilzeit  usw.); anstatt solche Nachricht zu verbreiten sollte man aufklären und nicht mit Fanfaren lärmen!

Summasumarum bleibt aber bestehen: Die Zunahme der Produktivität schlägt die Demographie um Längen. Norbert Blüms „Die Rente ist sicher!“ gilt – heute und auch morgen! Niemand braucht länger zu arbeiten oder muss mit weniger Rente auskommen. Soweit dies doch der Fall ist, so liegen die Gründe dafür im politischen Willen oder in politischen Fehlentscheidungen!

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