Dauerbrenner Rente – Teil 1 … der Mythen viele, wo anfangen?

Bild von Peter_H auf Pixabay

So mag das Bild der gesetzlichen Rente in manchen Augen aussehen; das ist falsch!

Die klassischen Mythen sind:

  1. Wir müssen länger arbeiten wegen der Demographie/Alterung der Bevölkerung (das bedeutet: es müssen mehr Beiträge aufgebracht werden – oder die Renten müssen niedriger ausfallen)
  2. Wir müssen länger arbeiten, weil wir länger leben (das bedeutet: die Rentenzahlung muss in der Dauer kürzer sein – oder niedriger ausfallen)
  3. Eine kapitalgedeckte Zusatzrente ist nötig weil das Umlageverfahren alleine nicht mehr trägt (das bedeutet: neben den monatlichen Aufwendungen für Rentenbeiträge müssen zusätzlich Beiträge für private Vorsorge dem Geldkreislauf entzogen und langfristig gespart werden).

    Das ist kontraproduktiv:

Sparen kann dem Einzelnen nutzen, uneingeschränkt aber nur auf kurze Sicht („Notgroschen“). Auf Lange Sicht stört das Sparen den Geldkreislauf und kann so auch die Interessen des Sparers beschädigen (s. Grafik). …

Quelle

Bevor wir mit dem Thema Rente beginnen, sollten wir erst einmal aufräumen, Fragen stellen und Klarheit schaffen, vor Allem:

Wie ist die Rente in Deutschland grundsätzlich organisiert? Wer zahlt die laufende Rente?

Die gesetzliche Rentenversicherung ist weder ein alter Hut, noch in desolatem Zustand (wie das oben abgebildete Büro): Die gesetzliche Rentenversicherung ist modern, (130 Jahre jung). Sie wurde, salopp formuliert, in Deutschland erfunden:

Mit dem „Gesetz betreffend die Invaliditäts- und Altersversicherung“ von 1889 fiel in Deutschland der Startschuss für die gesetzliche Rentenversicherung. Schon sechs Jahre vorher wurde die gesetzliche Krankenversicherung gegründet und fünf Jahre vorher die Unfallversicherung.Es war ein bescheidenes soziales Netz, das Reichskanzler Otto von Bismarck geknüpft hatte – aber es war vorbildlich in Europa. Und es war mehr als überfällig, denn die Industrialisierung stürzte im 19 Jahrhundert die arbeitende Bevölkerung ins Elend. Bismarck erkannte die Gefahr. …

Quelle

Heute leistet die gesetzliche Rentenversicherung mehr als nur Altersrente: Renten wegen Erwerbsminderung („Behindertenrente“), Renten wegen Todes (Witwen- und Waisenrente) – und weitere Rentenarten – werden gezahlt und darüberhinaus auch noch sogenannte „versicherungsfremde Leistungen“ , z. B. für Reha-Maßnahmen. In Teil 4 wird MYTHOS eine Kritik der Praxis der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland bringen und einige Besonderheiten noch besprechen.

Die Rentenversicherung in Deutschland ist nach dem Umlageverfahren organisiert – im Unterschied zum Kapitaldeckungsverfahren (s. Exkurs unten) –, das bedeutet: Die heutigen Beitragszahler zahlen direkt die Renten der heutigen Rentenempfänger und erwerben ihrerseits dadurch Ansprüche, später dementsprechend selbst als Rentenempfänger behandelt zu werden. Es ist wichtig, sich dies klar vor Augen zu halten: Keineswegs ist es so – was als grundsätzliches Missverständnis anzusehen ist – dass die Beitragszahler …

a) „in die Rentenversicherung einzahlen“ und dann, später, dementsprechende Auszahlungen bekommen. Das ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied: Erst einzahlen um dann entsprechende Auszahlungen zu bekommen unterstellt quasi ein Spar- oder Versicherungsmodell: Ich zahle auf meine Rente ein und bekomme davon meine Rente ausgezahlt.

b) Stattdessen ist es so, dass die Beitragszahler dafür, dass sie die Renten der heutigen Rentner finanzieren – entsprechend der Höhe ihrer Rentenbeiträge und der Dauer, die sie diese leisten – Ansprüche gemäß einer sogenannten Rentenformel erwerben. Nach dieser Rentenformel werden dannn die eigenen Rentenansprüche errechnet, wenn sie selbst in Rente gehen.

Die Variante a) hätte einen individuell begrenzten Rententopf zur Folge und müsste, wenn dieser erschöpft ist, durch entsprechenden Zuschuss des Staates aufgefüllt werden. Sie würde einer „Versicherungslösung“ wie einer privaten Rentenversicherung entsprechen und eine dynamische Anpassung an die aktuelle wirtschaftliche Situation (Höhe der Löhne und der Inflation) wenn nicht unmöglich machen so doch erheblich erschweren.

Die Variante b) ist wohl zweifellos die solidarische Version des Rententhemas: So wie die Gesellschaft mit Kitas, Kindergärten, Schulen usw. gemeinsam die Aufwendungen für die Zeit „vor dem Berufsleben“ schultert, so schultert sie gemeinsam die Aufwendungen für die Zeit „nach dem Berufsleben“. Diese Variante ermöglicht auch eine transparente Dynamisierung der Rente, d. h. eine Anpassung an die Lohn-/Preisentwicklung. Allerdings hat das auch zur Folge – ein weiteres, verbreitetes Missverständnis – dass sich nach diesem Verfahren die Rentenhöhe nicht am letzten Einkommen orientiert (X-% vom hohen, letzten Einkommen) sondern am durchschnittlichen Einkommen während des Erwerbslebens (X-% vom niedrigeren Durchschnittseinkommen).

Exkurs: Kapitalgedeckte Rente

Interessant ist, dass das Kapitaldeckungsverfahren logisch identisch ist mit dem Umlageverfahren: Kapitalgedeckte Renten werden aus Investitionen erwirtschaftet (private Rentenversicherungen, Aktien, Fondsanteile etc.) die aus dem Geld der Beitragszahler finanziert werden – also aus dem laufenden Einkommen … genauso wie die Renten durch Rentenbeiträge. Die Unterschiede zur gesetzlichen Rente liegen in den Kosten und den Riskien. Kurz: Was die heute eingezahlten Beiträge in 20-30 Jahren noch wert sind, das kann keiner wissen!
Für Makroskop-Leser hier das Link zum entsprechenden Beitrag (yt, 13’10“) auf MAKROSKOP.
Alternativ der Link zu einer einfachen 17-seitigen Folienpräsentation via NachDenkSeiten (die OpenOffice-Impress-Datei öffnet auch in Powerpoint o. ä. Programmen).

Zu den Kosten der kapitalgedeckten Renten, Zitat (Beispiel Chile):

… die Kapitalbildung mithilfe der Rentenfonds sei recht teuer.

Quelle

Private Rentenversicherer müssen Gewinne machen um ihre Kosten zu decken. Hierin enthalten sind, neben den reinen Verwaltungskosten (die laufende Abwicklung), noch Kosten für Marketing, Kosten der laufenden Fondsverwaltung und die Gewinnabführung an Aktionäre/Teilhaber. Aus früherer, eigener Tätigkeit des Autors im Bereich der privaten Altersvorsorge kann berichtet werden, dass die Kosten zwischen 10 und 20 % liegen!
Im Vergleich dazu die Kosten bei der DRVB: „Die Verwaltungskosten unseres Unternehmens betragen gerade einmal 1,6 % der Einnahmen.“ – und das sind im Wesentlichen alle Kosten der DRVB)

Zu den Risiken der kapitalgedeckten Renten:

Die Generali Leben verkauft ihren gesamten Bestand an Lebensversicherungen an die Abwicklungsplattform Viridium.

Quelle

Renditen wie sie notwendig sind um a) die Kosten zu tragen wie bisher (Verkaufspersonal und Privisionen, Verwaltung, Fondsverwaltung, Marketing und Gewinne für Aktionäre) und b) Erträge (Zinsen) für die Versicherungsnehmer zu erwirtschaften sind seit Jahren nicht in Sicht und werden heute wie auch in den nächsten Jahren nicht zu erwarten sein (Gründe siehe bspw. hier). Es ist darüberhinaus nur noch eine Frage der Zeit, bis die Vermögenspreisblase platzt (die reichsten 1 Prozent besitzen mehr als 50 Prozent des Welt-Vermögens [und dieser Trend nimmt zu] – die Kaufkraft der Masse schwindet – und diese Menschen kaufen sich letztendlich gegenseitig ihre Aktien, Konzerne, Paläste und Mietskasernen ab und treiben im Streben nach Gewinn die Preise immer höher : Es entsteht – besser: ist entstanden – eine Vermögenspreisblase [siehe hier]).
Die Risiken für kapitalgedeckte Renten sind also maximal hoch, für das Umlageverfahren sind sie im Vergleich dazu nahe Null!

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