Finanzindustrie, Finanzprodukte wtf?

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Die Finanzindustrie schafft mit innovativen Finanzprodukten Wohlstand und Sicherheit, so der Mythos.

Es wird häufig von Finanzindustrie und Finanzprodukten gesprochen. Warum sind diese Begriffe völlig falsch und irreführend?

Weder Industrie noch Produkt passen begrifflich in einen Zusammenhang mit Geld und Finanzinstitutionen; sie sind sprachliche Verwirrungen im „Marketinggeklingel“, verwirrendes „Neusprech“ eigens kreiert um Menschen zu täuschen.

Eine Industrie befasst sich als Teil der Wirtschaft mit der gewerblichen Gewinnung, Bearbeitung und Weiterverarbeitung von Rohstoffen oder Zwischenprodukten zu Sachgütern. Unter einem Produkt wird in der Betriebswirtschaftslehre ein materielles Gut oder eine (immaterielle) Dienstleistung verstanden, die das Ergebnis eines Produktionsprozesses ist.

Mythen über eine sogenannte Finanzindustrie und –produkte sind definitionsgemäß falsch, irreführend und daher zu verwerfen.

Etwas ausführlicher: Die Industrie, genauso das Handwerk, stellt Sachgüter (Wirtschaftsgüter, Waren) her; die Definition Industrie wurde oben bereits gegeben. Weder Geld noch Finanzpapiere sind materielle Wirtschaftsgüter (Sachgüter, Waren). Denn: Eine Ware im Sinne der Wirtschaftswissenschaften ist ein materielles Wirtschaftsgut, welches Gegenstand des Warenhandels und des Warenumsatzes ist. Der Vollständigkeit halber: Eine Dienstleistung ist ein immaterielles Gut und kann daher ebenfalls nicht in einen Zusammenhang mit „Finanzindustrie“ oder „Finanzprodukt“ gebracht werden.

Geld in jeder Form ist keine Ware, kein Produkt!

Wortkreationen wie die hier behandelten dienen nur dem Zweck: 1) Es soll durch „Marketingsprech“ einerseits etwas Großes, Bedeutendes als Gedanke vorgegeben (vorgetäuscht) werden – Industrie im Gegensatz zu Handwerk – und andererseits 2) soll Produkt verschleiern, dass es um Geld geht. Produkt ist neutral wie Kloschüssel, Zahnbürste, Fernseher, Fahrrad … das ist die gleiche Masche, wie sie von Spielbanken angewendet wird: Man tauscht Geld in Chips, in „Stücke“, und spielt demzufolge nicht mehr um Geld, sondern nur noch um Chips. Erst am Ende bemerkt der Spieler, dass er sein Geld los ist!

Man kann bestenfalls nur die Begriffe Finanzdienstleister und Finanzdienstleistungen verwenden, will man statt der Marketingglocke wenigstens ein Marketinglöckchen läuten. Gerade in einem Umfeld niedriger Zinsen (die Gründe dafür siehe sind im letzten Beitrag besprochen worden: „Die EZB schädigt die Sparer“) ist der Angriff auf die vorstehenden Mythen notwendig, sie sind mehr als nur Schönschreibungen, sie sind – leider auch von der Politik betriebener – irreführender Neusprech und versuchte Volksverdummung!

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