Das Geld der Sparer finanziert die Wirtschaft…

… denn die Spargelder werden von den Banken als Kredite weitergereicht; so lautet der Mythos. Es stellt sich die interessante Frage: Wie entsteht ein Bankkredit?

Bild von Charles Thompson auf Pixabay

Grundsätzlich wird das Geld der Sparer von den Banken angelegt, verliehen – nur so können die Banken ihrerseits Zinsen zahlen – aber genauso grundsätzlich vergeben die Banken Kredit nur auf Grund ihrer Einschätzung der Zahlungsfähigkeit, der Schuldentragfähigkeit des Kreditnehmers. Sind die Vermögensverhältnisse desjenigen, der einen Kredit nachfragt einwandfrei, dem Kreditbetrag angemessen und beurteilt die Bank seine Schuldentragfähigkeit positiv, wird der Kredit dem Kreditnehmer gutgeschrieben, einfach per Buchung auf sein Konto, per Tastatureingabe („keystroke“)!

Darüberhinaus nutzt die Wirtschaft die Möglichkeit eigene Schuldpapiere (Unter-nehmensanleihen, Aktien, Genussscheine, Verkauf von Anteilen usw.) auszugeben bzw. zu verkaufen, sich auf diese Weise zu finanzieren und dem Sparer zinstragende Anlagen gegen Geld zu verkaufen.

Der Mythos: „Das Geld der Sparer finanziert die Wirtschaft, …“ ist falsch!

 

Aus der Tatsache, dass am Jahresende alle Spargelder verliehen sind zu schließen, dass so die Wirtschaft finanziert wird ist fehlerhaft. Das Gegenteil ist richtig: Die Unternehmen nehmen Kredite auf und zahlen dafür einen Zins … es ist also die Wirtschaft, die die Sparer finanziert (zuerst Kredit, dann Zins!).

Der Mythos unterschlägt außerdem die anderen Finanzierungsinstrumente, die die Wirtschaft nutzt, man kann grundsätzlich aus der Betrachtung „vom Ende her“ nicht zwingend schließen, dass entsprechend so geplant wurde. Sollten die Spargelder die Wirtschaft allein finanzieren – quasi als Fonds für die Kredite, und diese Finanzierung ausreichen – müsste der Finanzbedarf im Voraus bekannt sein … und in gleicher Höhe müssten die Sparmöglichkeiten vorhanden sein und realisiert werden. Das ist absurd!

Auch der Kauf von Aktien oder Unternehmensanleihen stellt keine Finanzierung via Sparen dar. Der Anleger kauft Anteile am Unternehmen und Rechte auf Dividenden, Zins und Mitsprache – das hat mit Finanzierung durch Sparguthaben wenig zu tun!

Banken sind nicht auf Spareinlagen angewiesen sind um Kredite zu vergeben (s.o.). Der Nachweis hierfür wurde real erbracht

… am 7. August 2013 durch Prof. Richard Werner in Form des Abschlusses eines echten Kreditvertrages bei einer kleinen, regional verwurzelten Genossenschaftsbank (Raiffeisenbank Wildenberg e.G.) in Deutschland [geführt]. Die Überprüfung wurde nicht zuletzt deshalb bei einer kleinen Bank durchgeführt, weil große Banken eine Mitarbeit abgelehnt haben. …

Quelle und hier (Bestätigung der Bank, PDF, 1 S.)

Über diesen Vorgang ist mehrfach berichtet worden … aber nicht in der tagesschau, nicht in den „Leitmedien“. Dort wurde lautstark geschwiegen!

In der Volkswirtschaftslehre (VWL) wird nach wie vor das Bild der Banken als Kreditvermittler („Intermediär“) zwischen Sparer und Unternehmen/Wirtschaft/Kreditnehmer gepflegt und gelehrt; und das, obwohl mittlerweile sowohl die Bank of England (März 2014) als auch die Deutsche Bundesbank (April 2017) – also beide nach dem Coup(!!) von Richard Werner – von diesem Bild Abschied genommen haben:

In the modern economy, most money takes the form of bank deposits. But how those bank deposits are created is often misunderstood: the principal way is through commercial banks making loans. Whenever a bank makes a loan, it simultaneously creates a matching deposit in the borrower’s bank account, thereby creating new money.

(In der modernen Wirtschaft wird das meiste Geld in Form von Bankeinlagen ausgegeben. Aber wie diese Bankeinlagen geschaffen werden, ist oft unverstanden: Der Hauptweg ist der über Banken, die Kredite vergeben. Wann immer eine Bank einen Kredit gewährt, erstellt sie gleichzeitig eine passende Einzahlung [gleichlautende Guthabenbuchung – Anmerkung HHö] auf dem Bankkonto des Kreditnehmers, wodurch neues Geld geschaffen wird. – Übersetzung HHö)

Quelle (dort unter „Money creation in the modern economy“, PDF)

Und:

Buchgeld ist der volumenmäßig größte Teil der Geldmenge und wird durch Geschäfte zwischen Banken und Kunden aus dem Inland geschaffen. Ein Beispiel dafür sind Sichteinlagen: Sie entstehen, wenn eine Bank mit einem Kunden Geschäfte abwickelt, also zum Beispiel einen Kredit gewährt oder einen Vermögenswert ankauft, und sie ihm im Gegenzug den entsprechenden Betrag auf seinem Bankkonto gutschreibt. Banken können also allein mittels eines Buchungsvorgangs Buchgeld schaffen: „Das widerlegt einen weitverbreiteten Irrtum, wonach die Bank im Augenblick der Kreditvergabe nur als Intermediär auftritt, also Kredite lediglich mit Mitteln vergeben kann, die sie zuvor als Einlage von anderen Kunden erhalten hat“, schreiben die Bundesbank-Ökonomen.

Quelle

Das muss man sich vorstellen: Man weiß, dass das Bild von den Banken (und vom Geld generell) in der VWL mindestens fehlerhaft (wenn nicht total) falsch ist, verschweigt diesen Umstand nach Kräften und predigt die alten, falschen Botschaften täglich in den Medien … gut, dass die auch nix davon verstehen!

Gott sei Dank führt der Quatsch(!!), den die VWL im Mainstream immer noch lehrt, nun endlich dazu, dass sich langsam aber sicher abweichende Meinungen bilden und festigen, z. B. die Plurale Ökonomik (hier, hier und hier). Aktuell sind international verschiedene Briefe an die Lehrenden geschrieben, salopp formuliert, man möge doch bitte die alten, nicht mehr haltbaren Position offen diskutieren und dann räumen. Darauf wird MYTHOS noch zurückkommen.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Helmut Höft

    In eigener Sache:

    Ein interessierter Leser macht per separater Mail darauf aufmerksam, dass der vorstehende Artikel zuviel auf einmal will und so etwas unverständlich ist. Dem ist zuzustimmen, MYTHOS schließt sich dem Urteil an und stellt wie folgt klar:

    Unbeschadet der einzelnen Aussagen, die für sich genommen korrekt sind, sind hier zuviele Einzelaspekte zusammengefasst die nicht unbedingt alle unter die Überschrift passen.

    1. Das Geld der Sparer finanziert die Wirtschaft nicht – dieser Mythos ist falsch!

    Im Nachhinein, am Ende des Jahres, erscheinen alle Sparguthaben als „verliehen“ („sonst könnten die Banken keine Zinsen zahlen“, glaubt der Sparer); daraus zu schließen, dass die Sparer die Wirtschaft finanzieren – dass die eingezahlten Sparguthaben gleichzusetzen sind mit den ausgegebenen Krediten – ist dennoch falsch (siehe oben: „Der Mythos unterschlägt … Das ist absurd!“). Volkswirtschaftlich betrachtet stellen Sparguthaben „stillgelegtes, dem Wirtschaftskreislauf entzogenes Geld“ dar. Die damit verbundene Problematik ist bereits in den ersten beiden Beiträgen dargelegt worden.

    2. Die Wirtschaft finanziert sich durch Kredit (Banken – siehe u.a. Zwischenruf 101219 –, Unternehmensanleihen etc.) und – heute immer mehr zunehmend – über Eigenmittel.

    Damit ist das Thema im engen Sinn erledigt; alles Weiter ist „Zugabe“, ist Erweiterung des Themas:

    3. Banken sind (zur Kreditvergabe) nicht auf Spareinlagen angewiesen (s. Nachweis durch Prof. Richard Werner im Praxistest 7.08.2013), die Prüfung des Kreditnehmers reicht aus, der Rest läuft per „keystroke“.
    4. Banken sind keine Vermittler zwischen Sparer und Kreditnehmer (s. BoE März 2014 und BuBa April 2017)

    HHö, 20.03.2020

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