Der Staat muss sparen – Teil 3

„Die (Staats-)Schulden müssen abgebaut werden.“ Dieser Mythos hinterfragt nicht Schulden generell. Warum nur der Staat? Warum müssen nicht auch die mehr als fünfmal so hohen Privatschulden abgebaut werden?

Wie in Beiträgen zuvor entsteht die logische Konsequenz: Werden Schulden abgelöst, werden Vermögen flüssig (liquide); Geldanlagen werden zu Geldguthaben auf dem Konto. Entschulden sich Unternehmen oder Staat – lösen also ihre Schulden gegen Geld ab – werden die Inhaber von entsprechenden Anleihen „entspart“. Sie halten keine Anleihen mehr, sondern erhalten statt dessen ihr Geld zurück. Aber genau das war ursprünglich nicht gewollt – gewollt von den Sparern, Versicherern, Fondsmanager usw. war hingegen eine sichere Anlagen gegen Geld zu kaufen – Geld in sichere, zinstragende Anlagen zu wandeln – eben Unternehmens- oder Staatsanleihen.

Selbstverständlich ist der Staat – wie jedes Unternehmen, wie jeder Einzelne – verpflichtet nach den Regeln eines ordentlichen Kaufmanns zu handeln, also solide zu wirtschaften.

Der Mythos: „Der Staat muss sparen“ hat keine allgemeine Gültigkeit.

Dieser Artikel fasst im Prinzip alles zusammen, was bisher zum Thema „Sparen“ und „Schulden“ gesagt wurde.

Wie im Beitrag zu vor muss erneut festgehalten werden:

Die Gegenposition zu Schulden ist Guthaben, ist Sparen. Hat der Staat (oder ein Unternehmen) einerseits einen Schuldtitel ausgegegeben, haben Sparer andererseits eine Guthabenposition gekauft. Findet sich für überschüssiges Geld das gespart wird, kein Kreditnehmer, kein Schuldner, kann das angesparte Geld nicht gegen Zins ausgeliehen werden.

Verlangt man: „Der Staat muss sparen, muss seine Schulden zurückzahlen“ begeht man den Fehler die einzelwirtschaftliche (persönliche) Ebene auf die gesamtwirtschaftliche (allgemeine) Ebene zu übertragen. Leider ist es so, dass was für den Einzelnen sinnvoll ist, für die Allgemeinheit nicht immer sinnvoll sein muss.

Anleihen, im Volksmund gerne auch „Schätzchen“ genannt, nicht nur vom Staat sondern auch von großen Unternehmen, gelten als sichere Anlagen. Zinstragende Sparguthaben aller Art sind die Gegenposition von Schulden, von Krediten für Investitionen, sparen kann man nur, wenn ein Schuldner das gesparte Geld als Kredit aufnimmt; alles andere nennt man „horten“ (Geld unter die Matraze legen). Horten führt nur dazu, dass dem Wirtschaftskreislauf Mittel entzogen werden, die nicht reinvestiert werden können, also zum schrumpfen der Nachfrage führen. Konsequenz: Die Wirtschaft schrumpft, die Investitionen werden kleiner, die Auslastung der Produktion nimmt ab, die Arbeitslosigkeit wächst.

Wie im vorherigen Beitrag erklärt sind Versicherer, Pensionsfonds etc. Verpflichtet die Gelder ihrer Kunden möglichst sicher anzulegen, eben u. a. in sicheren (Staats- und Unternehmens-) Anleihen.

Verlangte man analog zu den Mythen „Sparen ist gut“ und „Der Staat muss sparen“ (allgemein formuliert: „Schulden müssen abgebaut werden“) die Rückzahlung (Tilgung) aller Schulden so sieht man sich dem Fehlen von Krediten und Zinsen gegenüber. Sparen würde entfallen – die Gegenbuchung Kredit aufnehmen ebenfalls –, es bliebe nur noch Horten über! Und der Rückfall in Zeiten vor Achtzehnhundert, ins Mittelater, ins Altertum.

Immer beachten: Staat und Unternehmen tätigen laufend Investitionen, stimulieren die Wirtschaft und schaffen dadurch Einkommen. So ist es zwangsläufig, dass Kredite auch laufend erneuert werden durch neue Kredite, die die alten ersetzen. Eine wachsende Wirtschaft, wachsender Wohlstand, bringt es also zwangsläufig mit sich, dass die Kredite (Schulden) des Staates und der Unternehmen wachsen – es entstehen ja auch neue Werte als Gegenbuchung dafür.

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