Der Staat muss sparen – Teil 2

Die (Staats-)Schulden müssen abgebaut werden. Dieser Mythos stellt nicht die Frage: Was ist die Konsequenz, wenn der Staat die Schulden abbaut und keine Schulden mehr macht?

Die logische Folge ist: Entschuldet sich der Staat – löst also seine Anleihen gegen Geld ab, zahlt die Schulden zurück und macht keine neuen Schulden mehr – werden die Inhaber von Staatspapieren „entspart“. Sie würden dann keine neuen Anleihen mehr kaufen können und bekämen, wenn die derzeit gehaltenen Papiere fällig sind, ihr Geld zurück. Aber genau das ist ja nicht gewollt, gewollt von den Sparern, Versicherern, Fondsmanager usw. ist es, sichere Anlagen gegen Geld zu kaufen – bspw. Staatsanleihen. Wichtig zu beachten: Möglichst sichere Anlagen, also gerade Staatspapiere, sind für Versicherer und Pensionsfonds sogar in den sogenannten Basel-Vorschriften (Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, siehe hier) gesetzlich verpflichtend fest gelegt!

Dass der Staat mit seinen Mittel sparsam (wie ein ordentlicher Kaufmann) umgehen muss ist selbstverständliche Voraussetzung.

Der Mythos: „Der Staat muss sparen“ ist zu verwerfen.

Spätestens hier muss wieder die Frage gestellt werden: „Was ist die Gegenposition zu Schulden, zu Kredit?“ Die Gegenposition zu Schulden ist Guthaben, ist Sparen. Hat der Staat einerseits einen Schuldtitel ausgegegeben, haben Sparer andererseits eine Guthabenposition gekauft. Findet sich für überschüssiges Geld das gespart wird, kein Kreditnehmer, kann das angesparte Geld nicht gegen Zins ausgeliehen werden.

Staatsanleihen, im Volksmund gerne auch „Schätzchen“ genannt, gelten als sicherste  Anlagen, der Staat als sicherster „Hafen für Geld“ (Fachbegriff: „Lender of  last ressort“, dt. „Kreditgeber letzter Instanz“).

Zinstragende Guthaben aller Art sind die Gegenposition von Schulden, von Krediten für Investitionen, [s. hierzu auch Mitchell-Innes The Credit Theory of Money – in der Bücherecke auf deutsch] sparen kann man nur, wenn ein Schuldner das gesparte Geld als Kredit aufnimmt; alles andere nennt man horten („Geld unter die Matraze legen“). Horten führt dazu, dass dem Wirtschaftskreislauf Mittel entzogen werden, die nicht reinvestiert werden können, führt also zum Schrumpfen der Nachfrage (s. „Sparen ist gut – Teil 2“). Konsequenz: Die Wirtschaft schrumpft, die Auslastung der Produktion nimmt ab, die Investitionen werden kleiner oder entfallen ganz, die Arbeitslosigkeit wächst.

Sicher auch eine der Ursachen für die „Kreditklemme“ heute – im Sinne von: es werden zu wenige Kredite aufgenommen und zu wenig investiert – ist die Tatsache, dass es an entsprechender Nachfrage mangelt. Kein Investor tätigt neue Investitionen in neue Anlagen, wenn die vorhandenen Anlagen nicht voll ausgelastet sind. Die Folge ist: Ersparnisse und Anlagen werden nicht für Kredite nachgefragt, tragen keine Zinsen mehr, Geld wird wie Sauerbier angeboten aber keiner hat entsprechende Verwendung dafür, Konsequenz: Manges Investitionsaussichten landen Billionen im Finanzkasino.

Zu diesem Aspekt ein Zitat von Marriner S. Eccles,  Chairman of the Federal Reserve unter Thedodore Roosevelt von 1932–48:

„As mass production has to be accompanied by mass consumption, mass consumption, in turn, implies a distribution of wealth … to provide men with buying power. … Instead of achieving that kind of distribution, a giant suction pump had by 1929-30 drawn into a few hands an increasing portion of currently produced wealth. … The other fellows could stay in the game only by borrowing. When their credit ran out, the game stopped.“

„Da die Massenproduktion von Massenkonsum begleitet werden muss, bedeutet der Massenkonsum wiederum eine Verteilung des Reichtums … um den Menschen Kaufkraft zu verschaffen. … Anstatt diese Art der Verteilung zu erreichen, hatte eine riesige Saugpumpe bis 1929-30 einen immer größeren Teil des derzeit produzierten Reichtums in die Hände einiger weniger gezogen. … Die anderen Gefährten konnten nur durch Ausleihen im Spiel bleiben. Als ihr Guthaben [Kredit, Anm. des Übersetzers] erschöpft war, hörte das Spiel auf.“

Quelle

Marriner D. Eccles beschreibt einen wesentlichen Aspekt der „Große Depression“ („Weltwirtschaftskrise“ 1929-31): Die Löhne – die Teilhabe der Arbeitnehmer an der Wertschöpfung und damit ihre Einkommen – waren zu niedrig, die Menschen überschuldeten sich um teil zu haben und mussten, in der Folge, einerseits ihre Ausgaben reduzieren um einer weiter steigenden Verschuldung entgegen zu wirken; die Folge: sinkende Nachfrage, unausgelastete Kapazitäten. Andererseits boten sie ihre Vermögensgegenstände zum Verkauf an um sich zu entschulden; die Folge: Erhöhung des Angebots bei sinkender Nachfrage, fallende Preise!

Das klingt doch sehr aktuell: Geld ist so billig wie nie und trotzdem liegt die Investitionstätigkeit weltweit darnieder. Ironisch gefragt: Hat das vielleicht etwas mit der „giant suction pump“ zu tun, die Einkommen und Vermögen an wenige Hände reicht und die für den Konsum der breiten Masse erforderlichen Mittel absaugt? Mangel an Nachfrage gleich ausbleibende Investitionen – „ohne Moos nix los!“

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