Geld ist ein Tauschmittel–Teil 2

Geld wird als Tauschmittel oder als allgemeines Zahlungsmittel verstanden, als Tauschmittel (Ware gegen Geld oder Leistung). Was ist Geld überhaupt?

Geld ist das vereinbarte, das gesetzlich festgelegte Zahlungsmittel (G.F. Knapp „Staatliche Theorie des Geldes, 1913); Geld ist Kredit (A. Mitchell-Innes „The Credit Theory of Money“, 1914).

Interessant und diskussionswürdig ist die Definition nach Mitchell-Innes: Jeder Kauf ist die Aufnahme einer Schuld, die durch Kredit (Geld) in gleicher Höhe – ggf. sofort, Zug um Zug – beglichen wird. Jeder Verkauf ist die Gewährung von Kredit (Geld) welcher eine Schuld in gleicher Höhe – ggf. sofort, Zug um Zug – ausgleicht.

Gemeinsam den beiden Definitionen ist die Akzeptanz beider Parteien bzw. deren gesetzliche Verpflichtung. Der Mythos: „Geld ist ein Tauschmittel“, Zahlungsmittel – ist beiden Definitionen gemäß – erneut abzuweisen. Geld ist Kredit!

Die ältesten Funde von Zahlungsmitteln – Dokumenten zahlungshalber wie wir sie heute bspw. als Scheck, Wechsel, und Schuldscheine kennen – stammen aus Mesopotamien. Es sind dies Schuldscheine in Gestalt von Tontafeln in die Kredit- bzw. Schuldverhältnisse eingeritzt, und die zahlungshalber weitergegeben wurden.

Archäologisches Geld stammt u. a. aus der Zeit der Alten Griechen und des Römischen Reiches. Wir müssen uns diese „Gelder“ jedoch anders vorstellen als in einem Hollywood-Film, wenn der aristokratische Grieche Sklaven gegen „Stater“ oder „Drachmen“ kauft oder sein römischer Kollege gegen „As“ oder „Sesterzen“ – da kamen keine Münzenauf den Tisch wir wir sie kennen (Zitat A. Mitchell-Innes „What is Money“, 1913, aus der eigenen Übersetzung):

… Viele gelehrte Autoren – Barclay Head, Lenormant, Vazquez Queipo, Babelon – haben versucht, diese Münzen zu klassifizieren um den Wertstandard der verschiedenen griechischen Staaten zu ermitteln; … Was die Elektrummünzen betrifft, die die ältesten uns bekannten Münzen sind, so variiert ihre Zusammensetzung auf die ungewöhnlichste Weise. Während einige von ihnen mehr als 60 Prozent Gold enthalten, enthalten andere, die als gleichwertig bekannt sind, mehr als 60 Prozent Silber und zwischen diesen Extremen gibt es jeden Legierungsgrad, so dass sie unmöglich einen festen inneren Wert haben können. Alle Verfasser sind sich einig, dass die Bronzemünzen des antiken Griechenland Token [Marken, Chips, Stücke, Anmerk. des Übersetzers] sind, deren Wert nicht von ihrem Gewicht [oder Edelmetallgehalt, Anmerk. des Übersetzers] abhängt. …

Alles was definitiv bekannt ist ist, dass die verschiedenen griechischen Staaten die gleiche Denomination verwendet haben – Stater [wichtigste griechische Münze, Anmerk. des Übersetzers], Drachme, etc. – dass der Wert dieser Einheiten sich stark in den verschiedenen Staaten unterschied und ihr relativer Wert nicht konstant war; …

Die alten Münzen Roms hatten im Gegensatz zu denen Griechenlands ihre unverwechselbaren Wertzeichen und das Auffälligste an ihnen ist die extreme Unregelmäßigkeit ihres Gewichts. Die ältesten Münzen sind das As und seine Teile und es war die Tradition, dass das As in 12 Unzen aufgeteilt, ursprünglich ein Pfundgewicht aus Kupfer war. Aber das römische Pfund wog 327 1⁄2 Gramm und Mommsen, der große Historiker der römischen Münzprägung, wies darauf hin, dass sich nicht nur keine der vorhandenen Münzen (und es gab sehr viele) diesem Gewicht näherte, sondern dass sie zudem stark mit Blei legiert waren so dass selbst die schwersten von ihnen, die auch die frühesten waren, nicht mehr als zwei Drittel eines Pfunds Kupfer enthielten, …

Und so geht es lustig weiter durch die Archäologie und die Geschichte der letzten 3.000 Jahre.

Es besteht die grundsätzliche Schwierigkeit darin, dass Menschen dem Geld aus Edelmetall – vor allem historisch – einen Wert an sich zu gesprochen haben – und letztendlich orientiert sich auch der moderne Mensch „irgendwie an Edelmetall, an Gold“. Warum predigen uns die Nachrichten jeden Tag den Goldkurs? Warum nicht den von Palladium, ebenfalls ein Edelmetall und viel wertvoller als Gold, Beispiel: 23.07.19, Kurs pro Unze (31,1 g): Au 1.271,88 € zu Pd 1.368,22 €. Wir sind es seit Jahrhunderten gewöhnt, dass Gold etwas ganz besonderes ist!

Gold: Ein Mythos für sich!

All das kann vernachlässigt werden denn letzendlich ist Geld nichts anderes als Kredit: Wir haben eine Ware oder Dienstleistung (Arbeitsleistung) verkauft und erhalten dafür Schuldscheine (Geld). Wir kaufen Waren/Dienst- /Arbeitsleistung und geben Schuldscheine (Geld). Weiter dazu aus Mitchell-Innes (Zitat aus der eigenen Übersetzung „The Credit Theory of Money“, 1914):

… Kurz gesagt, die Kredittheorie ist das: dass ein Kauf und Verkauf der Tausch einer Ware gegen Kredit ist. Aus dieser Haupttheorie entspringt die Untertheorie, dass der Wert von Kredit oder Geld nicht vom Wert eines oder mehrerer Metalle abhängen, sondern von dem Recht, welches der Gläubiger auf „Zahlung“ erwirbt, d.h. zur Befriedigung des Kredits und auf die Verpflichtung des Schuldners „seine zu Schulden begleichen“ – und umgekehrt das Recht des Schuldners, sich von seiner Schuld zu befreien durch das Angebot einer gleichwertigen, vom Gläubiger geschuldeten Forderung und der Verpflichtung des Gläubigers zur Annahme dieses Angebots zur Befriedigung seines Kredits. …

Theoretisch schaffen wir jedes Mal wenn wir kaufen eine Schuld und erwerben jedes Mal, wenn wir verkaufen einen Kredit, aber in der Praxis wird diese Theorie auch modifiziert, zumindest in fortgeschrittenen kommerziellen Gemeinschaften. Wenn wir im Geschäft erfolgreich sind, sammeln wir Kredite bei einem Bankier an und können dann kaufen ohne neue Schulden zu machen, indem wir lediglich einen Teil unserer angesammelten Kredite auf unsere Verkäufer übertragen. Oder, wenn wir im Moment in dem wir einen Kauf tätigen wollen, keine angesammelten Kredite haben, können wir anstatt Schuldner der Person zu werden von der wir kaufen, mit unserem Bankier verein-baren, einen Kredit in seinen Büchern „auszuleihen“ und diesen geliehenen Kredit an unseren Verkäufer übertragen, indem wir uns verpflichten, dem Bankier den gleichen Kreditbetrag (und etwas mehr) zu übergeben, den wir erwerben, wenn wir wiederum Verkäufer werden. …

Zitat aus der Zusammenfassung beider Texte von A. Mitchell-Innes:

● Es gibt so etwas wie ein Tauschmittel nicht.

● Ein Kauf und Verkauf ist der Tausch einer Ware gegen einen Kredit.

● Kredit und Kredit allein ist Geld.

● Die Währungseinheit ist ein abstrakter Standard für die Messung von Krediten und Schulden. Sie ist schwankungsanfällig und bleibt nur dann stabil, wenn das Gesetz der Kredit- und Schuldengleichung eingehalten wird.

● Ein Kredit hebt eine Schuld auf; das ist das primitive Gesetz des Handels. Durch den Verkauf wird ein Kredit erworben, durch den Kauf wird eine Schuld geschaffen. Käufe werden daher durch Verkäufe bezahlt.

● Der Zweck des Handels ist der Erwerb von Krediten.

● Eine Münze ist ein Kreditinstrument oder ein Schuldschein, die/der in seiner Art identisch ist mit einem Tally (Zählstock, Kerbholz) oder einer jeder anderen Form von Geld, von wem auch immer ausgegeben.

● Die Ausgabe von Geld ist kein exklusives Privileg der Regierung, sondern nur eine ihrer Funktionen als großer Käufer von Dienstleistung und Waren.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Da Geld (Ziffern in den Bankbuchhaltungen oder Bargeld), aus Schulden und Bankinvestitionen entsteht, bestehen die Guthaben dieser Logik folgend, aus nicht getilgten Bankkrediten und nicht abgeschriebenen Bankinvestitionen.
    Jeder Geldbesitzer muss demnach wissen, dass er aus Schulden Dritter, seine Bedürfnisse und Luxus befriedigt. Es besteht eben eine „ungesetzliches Treuhandverhältnis“ zwischen Schuldner und Geldbesitzer; denn der Gesetzgeber hat dem Geld ein Delkredererisiko einverleibt!
    Eine völlig abstruse Abhandlung, einzig aus dem Grund, der Wirtschaftsteilnahme der Banken welche niemals im Einklang mit dem Sinn und Zweck der Geldschöpfung sein kann.

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