Schulden sind schlecht

… ein gängiger Mythos. Es stellt sich die interessante Frage: Was haben Schulden mit Wohlstand zu tun? Was hat es auf sich mit den Schulden?

Wohlstand entsteht durch Investition. Kredit ist in aller Regel die Voraussetzung für Investitionen, kein Unternehmen kann seine Investitionen ansparen. Investitionen ihrerseits sind die Voraussetzungen für Arbeit, Einkommen und Wohlstand.

Für ein historisch ungenügendes Wachstum bis zur Industrialisierung, war vor allem der Mangel an Kredit verantwortlich da die Zeiten sehr turbulent und unsicher waren (Kriege, Seuchen, Missernten).

Der Mythos: „Schulden sind schlecht“ ist zu verwerfen. Schulden (Kredit) sind Voraussetzungen für Wirtschaft und Wohlstand.

Bereits in MYTHOS Teil 1 + 2 von „Sparen ist gut“ wurde gezeigt, dass eine (kapitalistische) Wohlstandswirtschaft nicht ohne Kredit (Schulden) betrieben werden kann.

Besonders anschaulich beschreibt Alfred Mitchell-Innes (1864 – 1950) die Situation, die letztendlich zu einem Mangel an Kredit – und dadurch an Wachstum – führte bis zum Beginn der Neuzeit, hier ist die Zeit gemeint bis ca. 1650, dem Vorabend der Industrialisierung. Historisch ist der Hauptgrund für das geringe Wachstum in der Zeit vor der Industrialisierung in einem Mangel an Kredit zu sehen. Mitchell-Innes hat das in zwei Papieren dargelegt – 1913/14 in den USA geschrieben – (1) „What is Money“ und (2) „The Credit Theory of Money“ (eigene Übersetzungen können auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden).

Zitat aus dem letzteren Papier (1914):

Wir, die wir an die Zeiten des Friedens und an lange Zeiträume des Wohlstands und der staatlichen Stabilität gewöhnt sind, wissen kaum wie instabil eine bestimmte Währungseinheit sein kann [Anmerkung des Übersetzers: jede Währungseinheit, auch heute!]. …

Es sind nicht König Jean oder König Philippe oder Edward oder Henry, die die Wertminderer von Geld waren, aber König Krieg, der große Schöpfer von Schulden mit Hilfe seiner Leutnants, Pest, ruinierten Ernten und Tierseuchen – was auch immer verhinderte, dass Schulden rechtzeitig abgebaut wurden. Es ist nicht die Wiederherstellung des Wertes des Geldes durch Münzgesetze sondern der Frieden, der große Schöpfer von Krediten und von dieser unveränderlichen Wahrheit muss die Kredittheorie des Geldes weitgehend abhängen.

Während des Jahres 1695 [Anmerkung des Übersetzers: Kriege gegen Frankreich und die spanischen Niederlande] erschlaffte der Krieg und es war offensichtlich, dass der Frieden absolut notwendig war. Im Jahr 1696 war der Krieg praktisch vorbei und 1697 wurde Frieden geschlossen. Die zunehmende Verschuldung (floating debt) wurde durch die neu gegründete Bank of England finanziert und der Außenhandel, mit dem Kredite im Ausland akquiriert wurden, konnte erneut ausgebaut werden. Diese drei Ursachen reichten aus, um die Wiederherstellung des Wertes des englischen Geldes zu erklären und hätte es zu diesem Zeitpunkt jemanden gegeben, der die Natur des Geldes verstanden hätte, hätte er mit absoluter Sicherheit die verhängnisvolle Wirkung voraussehen können, die die Entstehung [einerseits] einer riesigen zunehmenden Schuld auf den Geldwert haben würde und [andererseits] die heilende Wirkung des Friedens für die Finanzierung der Schulden und der Rückkehr des landwirtschaftlichen Wohlstands voraussagen können. …

Abgesehen von diesem Ausschnitt aus Mitchell-Innes höchst interessanten Ausführungen: Wenn die Investition der Anfang des Wirtschaftens und des Wohlstandes ist, können Schulden nicht schlecht sein. Beispielhaft kann man hier auch an das Brettspiel „Monopoly“ denken (U.S. Patent Nr. 748626, 1904): Das Spiel kann nur gespielt werden unter der Bedingung, dass vor dem ersten Wurf des Würfels jeder Spieler vom Kassenhalter ein Spielkapital (der Spieler erhält einen Kredit, anders gesagt: er nimmt Schulden auf) zugeteilt bekommt. Auch hier gilt die „Geld-zuerst-Regel“.

Werfen wir zur weiteren Verdeutlichung noch einen Blick auf eine junge Familie (2 Kinder): „Ein Haus bauen? Schulden machen? Nein, wir sparen an – und wenn dann die Kinder aus dem Haus sind und wir genug angespart haben – dann wird gebaut!“ Ist das der richtige Weg? Sind Schulden schlecht? Nein!

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Die Umkehrfrage: Ist Geld schlecht? Nein natürlich nicht!
    Nun stellt sich doch die Frage, warum man Schulden schlecht findet. Wie sagte doch Eure Bundeskanzlerin Merkel sinngemäss: „Ich möchte kein Wohlstand auf Pump“!
    Von wem wird Sie geistig geschult? Genau, wie alle Regierenden und Medien, von den einfältigen Ökonomen! Diese meinen, gemäss ihrer Lehrmeinung, zuerst das Geld und dann die Schulden! Dumm, dümmer am dümmsten! Wird jedoch tagtäglich wegen den Staatsschulden, medial thematisiert!

    … (vom Moderator entfernt)

    1. Lieber Georg Bender, Danke für Deine Kommentare. Ich habe hier den Teil, der imho (zu) weit über das Thema hinausgeht entfernt, auch bitte ich Dich Polemik und Elitenbashing zu drosseln (selbst wenn Du imho. leider, weitgehend Recht hast).

      1. Werter Moderator
        Wenn die Fakultät Ökonomie, Regierende, Medien und Bevölkerung von der Annahme ausgehen, dass man Geld zur Bank bringt und die Kredite von den Banken, aus Guthaben gewährt werden, können sie schlicht und einfach das Geldsystem nicht verstehen! Der Gipfel der Irreführung ist jedoch, wenn die Bankverantwortlichen, straffrei behaupten dürfen, die Banken könnten die Guthaben aus ihrer Giralgeldschöpfung bei den Zentralbanken parken, wenn doch auf diesen Konten nur Zentralbankgeld als Ziffern verbucht sind. Wenn nun noch die Justiz, diese Wunder, welche niemand vollbringen kann, mit faulen Gesetzen deckt, führen genau diese Mythen zur Meinungsbildung, Schulden seien schlecht und Guthaben seien gut!
        Die Politik nützt diese Denkfehler masslos aus und kreiert die Unterdrückungsinstitutionen Arbeits- und Sozialamt!
        Einfache Frage: Muss man die Betrügereien mit Samthandschuhen behandeln, resp. sollen die Mythen benannt werden, aber nicht kritisiert! Wer hat Angst vor wem?

        1. Lieber Georg: Du lieferst hier imho ein gutes Beispiel für den Dissenz zwischen MYTHOS und Dir. Alles (weitgehend) richtig was Du sagst, wenn es aber so ist (können sie [die Bevölkerung] schlicht und einfach das Geldsystem nicht verstehen!) dann kann das Anliegen, die Menschen „schlauer“ zu machen nicht in Deiner Form angetragen werden.
          Zukünftig: Bitte nah am Thema kommentieren, nicht immer die ganz große Keule!

  2. An dieser Stelle aus dem Kommentar von Friedericke Spiecker a.O. zitiert:
    … der Nachfrage-Effekt, den die Investition gleich in der ersten Runde auslöst, wenn also die Maschine selbst produziert wird. Dazu benötigt der Sachinvestor Ressourcen (z.B. Arbeitskraft), die er mit dem Kredit finanziert (o, o, o, Schulden sind doch schlecht, oder?). Ob der Nachfrageeffekt gesamtwirtschaftlich ein Plus darstellt oder nicht, hängt in der Tat von der Finanzierungsart der Investitionen insgesamt ab: Reichen die gesamtwirtschaftlichen (Geld-)Ersparnisse zur Finanzierung aller Sachinvestitionen aus, gleichen die Sachinvestition nur den sparbedingten Nachfrageausfall aus. Ist darüber hinaus ein Teil der Sachinvestitionen aus Krediten „aus dem Nichts“ finanziert, stellen diese ein echtes Plus bei der Nachfrage dar.
    Wenn also gesamtwirtschaftlich die Sachinvestitionen über die Geldersparnisse hinausgehen und deshalb notgedrungen aus Krediten „aus dem Nichts“ finanziert sein müssen, kommt es bereits in der ersten Runde zu einem gesamtwirtschaftlichen Nachfrageplus und damit automatisch zu einem Einkommensplus. Wie es in den Folgerunden aussieht, hängt wie gesagt von der Auslastung der (neu geschaffenen) Kapazitäten ab.

    Und wenn die Folgerunden (die folgenden Jahre) mit großen „Sparerfolgen“ (z. B. Reisterrentenverträge, private Rentenversicherung usw.) „gesegnet“ sind, dann wird es eng! (s. auch Grafik in „Sparen ist gut – Teil 2“)

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