Sparen ist gut – Teil 1

Der gängige Mythos: „Sparen ist gut“ stellt nicht die Frage: Woher kommt das Geld zum Sparen?

Die Frage ist höchst interessant und kann auch so formuliert werden: Was kommt zu erst, investieren oder sparen?

Einkommen wird durch Arbeit erzielt. Das setzt einen Arbeitsplatz voraus, den ein Dritter dadurch zur Verfügung stellt, dass er eine Investition tätigt die Arbeitsplätze schafft. Ein ausreichendes Einkommen ist darüberhinaus die Voraussetzung für das Sparen. Wer sein gesamtes Einkommen konsumiert, kann nicht sparen.

Die Investition ist die logische Voraussetzung für das Sparen. Zuerst kommt die Investition, die Arbeitsplätze schafft und den Menschen ermöglicht Einkommen zu erzielen. Ein (in der Höhe ausreichendes) Einkommen ermöglicht es dann den Menschen zu sparen. Ohne vorangegangene Investition gibt es kein Einkommen und somit kein Sparen.

Es gilt die „Geld-zu-erst-Regel“: Erst kommt das Geld – es muss zuerst einer Geld ausgeben, eine Investition tätigen – dann kommt das Sparen.

Der Mythos: „Sparen ist gut“ kann deshalb keine Allgemeingültigkeit beanspruchen.

Soweit die kurze Antwort. Weitere Info gewünscht? Hier entlang!

Das Sparen ist, aus der Sicht eines Einzelnen, sinnvoll. Man kann es verstehen als

  1. aufgeschobenen Konsum – Ansparen für eine später geplante, größere Ausgabe (auch das sogenannte „Vorsorgesparen“ für das Alter fällt in diese Kategorie – spare heute, konsumiere später … aber )

    oder

  2. Verwendung von nicht benötigtem Einkommen das einem Dritten gegen Zins als Kredit (z.B. durch Kauf von Aktien, Unternehmens- oder Staatsanleihen etc.) zur Verfügung gestellt wird

In beiden Fällen gilt: Für das Sparen benötigt man überschüssiges Einkommen, oder man muss sich das Ersparte – den sogenannten „Notgroschen“ – buchstäblich vom Munde absparen.

Zu 1.: Für größere oder unvorhergesehene Ausgaben sparen Menschen etwas Geld. In der Regel handelt es sich dabei um Geldbeträge von £ 1.000 € – um z.B. eine Waschmaschine zu ersetzen – bis eventuell ~ 10.000 € – für den „neuen“ Gebrauchtwagen, je nach Möglichkeit. Das ist natürlich sinnvoll – und es bringt den Sparbetrag relativ zeitnah in den Geldkreislauf wieder ein.

Zum … aber …: Das Sparen zur Vorsorge im Alter birgt Gefahren durch den langen Zeithorizont in sich. Aufgeschobener Konsum über viele Jahre – u.U. Jahrzehnte – bedeutet, dass weniger Waren und Dienstleistungen heute nachgefragt werden – mindest in der Höhe der Ersparnisse – und dadurch eine Dämpfung der Wirtschaft erfolgt. Die mögliche Folge davon ist: höhere Arbeitslosigkeit heute.

Zu 2.: Ist das Einkommen wesentlich höher als es die monatlichen Kosten des Lebensunterhalts sind, steht Geld für „Anlagen“ zur Verfügung. Anlagen dienen in der Regel der Vorsorge, a) werden also später verkauft um laufende Ausgaben im Alter zu bestreiten, oder b) dienen als Einkommensquelle durch Dividenden, Zinsen etc. zu jedem anderen Zeitpunkt. Zu beachten ist jedoch die Gefahr für die Wirtschaft: Höhere Beträge über viele Jahre sparen – u.U. Jahrzehnte – bedeutet Nachfrageverlust heute, mit möglichen negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Beschäftigung heute (mehr dazu in Teil 2).

Es geht in jedem Fall dem Sparen eine Investition voraus. Ein Arbeitgeber (sei es der Staat oder ein privater Unternehmer) tätigt eine Investition – z.B. der Staat: baut Infrastruktur auf, unterhält Verwaltung, Schulwesen, Rechtswesen, zahlt Gehälter und Pensionen usw. – z.B. der Unternehmer: baut Produktionsstätten auf, produziert und vertreibt Waren usw. Beide stellen auf diese Weise ein Angebot an Arbeitsplätzen und Einkommen zur Verfügung. Das ermöglicht den Menschen Einkommen zu erzielen und zu konsumieren und zu sparen – falls das Einkommen hoch genug ist.

Wir sehen also: Die Investition muss stets dem Sparen voraus gehen. Erst kommt das Geld, dann kommt das Sparen („Geld-zu-erst-Regel“)! Alles andere ist nicht logisch.

Interessant ist auch, warum wird die Frage: „Woher kommt das Geld zum Sparen?“ nicht gestellt wird. Sie erscheint einerseits banal, andererseits gibt es vermutlich zu viele Menschen, die zwei oder mehr Einkommensquellen benötigen um überhaupt auszukommen. In zu vielen Haushalten ist schlichtweg keine Geld zum Sparen übrig. Sich der Frage zu stellen könnte daher die Frage nach Einkommens-/Vermögensverteilung in peinlicher Weise befeuern – dann wird die Frage lieber nicht gestellt. MYTHOS wird sich der Frage „Woher kommt das Geld“ und den Konsequenzen daraus zu einem späteren Zeitpunkt stellen.

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Vor allem Genannten, kommt die Geldschöpfung aus dem Nicht (es gibt keine Quelle = Banken haben kein Geldguthaben, sie schöpfen es), welche nicht im Sinn und Geist über das Bankensystem organisiert ist. Die Betrügereien der Fakultät Ökonomie beginnt mit der Betrugslehrmeinung und wird mit Gesetzen der Judikative gedeckt!
    Sparen muss immer wieder mit neuer Geldschöpfung oder Geldbesitzumlage ermöglicht werden!

    1. Tach Georg. Abgesehen davon, dass Du weit vorausgreifst – wir kommen da ganz sicher hin, versprochen: Du hast natürlich recht. Eine Investition ist idR kreditfinanziert (Keystroke bei vorliegender positiver Solvenzbeurteilung des Kreditnehmers, that’s it), man kann diesen Weg bis zum Sparen verlängern …

  2. Danke für die Zuschriften und persönlichen Kommentaren von Freunden.

    1. Schriftbild/-farbe: Die Kritik ist berechtigt, es gibt Luft für Verbesserungen – leider erst in ca. 14 Tagen, die Technik ist gerade in Urlaub.
    2. Bleiwüste: MYTHOS wird bis auf weiteres ohne Bilder auskommen.
    3. Leistungsniveau: MYTHOS schreibt nicht für Ökonomen und Menschen, die definitiv Bescheid wissen sondern für die Anderen, auch für die, die sagen: „Das hab‘ ich schon gewusst!“ und dann „Danke für die Erinnerung – und für die Erklärung.“ Ich weiß, was im Vorlauf ist, der Riemen wird noch angezogen. Sprache und Darstellung werden auch forthin weitgehend ohne Fachchinesisch auskommen.

    Es wird noch zweimal per Mail eingeladen, dann verlass‘ ich mich auf Euch! Gerne!

    Zu guter letzt: MYTHOS muss sich noch warmlaufen, deshalb zwei Wünsche: Weiter mit Kritik und verbreitet bitte die Botschaft. Selbst was nicht gefällt mag dem Freund, dem Bekannten doch interessant erscheinen.

  3. Hinweis aufs Sparen aus der Feder von Friedericke Spiecker, Zitat: „Der Widerspruch zum gesamtwirtschaftlichen Ergebnis dieses Verhaltens [des Sparens] führt zu der Erkenntnis, dass Ersparnisse Verschuldung in gleicher Höhe voraussetzen, wenn das Gesamteinkommen nicht sinken soll – und, dass eine positive Verzinsung von Ersparnissen erfolgreiche, kreditfinanzierte Sachinvestitionen benötigt.“

  4. Frau Friedericke Spiecker widerspricht sich im gleichen Artikel!
    Wer spart schadet durch den Rückbehalt der Wirtschaft! Einfältiger geht es nicht! Sparen kann man nur, wenn die Ausgaben eines Dritten, höher ausfallen, als die Ausgaben des Sparers. Die Ausgaben stammen immer aus den Geldumlagen zur Bedürfnisabdeckung!
    Die Verzinsung kann nicht im Sinn und Zweck einer Geldschöpfung sein! Schon gar nicht die Verzinsung der Guthaben! Sie werden immer von Schuldnern geschöpft und an die Guthaben umgelegt und nicht wegen der Verwendung der Guthaben für Aktivgeschäfte der Banken = Lehrmeinung der Fakultät Ökonomie = strafbare Irrlehre!

    1. Hallo Georg, Einspruch!

      „Spiecker widerspricht sich …“ Die Wirtschaft trägt die Kosten (erzeugt die Einkommen) – sagen wir 100 – und bekommt nur einen Teil zurück – sagen wir 90. Soweit hat Frau Spiecker recht (s. auch Grafik im Beitrag „Sparen … – Teil 2“) .

      „Ausgaben eines Dritten höher …“ 1. Was Spiecker sagt steht nicht im Widerspruch sondern stellt die Fakten dar wie sie sind. 2. Man kann auch „sparen“ ohne Kredit eines Dritten (also ohne Zinsen), es hat dann nur einen anderen Namen: Horten. In Beiden Fällen werden der Wirtschaft Mittel entzogen (die Grafik in Teil 2 stellt genau dieses dar).

      „Ausgaben stammen aus den Geldumlagen zur Bedürfnisabdeckung!“ Die Fakten bleiben: 1. der verminderte Rückfluss (aka Mangel an Kaufkraft in Höhe des Sparvolumens wie beschrieben), die dadurch geminderte Nachfrage und 2. die Tatsache, dass nur das „Zuviel“ an Einkommen gespart/gehortet werden kann (= Thema Vermögens-/Einkommensverteilung). Sparen geht nur wenn das Einkommen größer ist als zur „Bedürfnisaddeckung“ – wie Du es nennst – benötigt wird.

      „Verzinsung nicht im Sinn und Zweck der Geldschöpfung …“ Korrekt: Am Ende zahlt immer der Endverbraucher für alles, was an Kosten aufläuft. Wer auch sonst? So kann man auch formulieren: Die Wirtschaft finanziert den Sparer – und nicht umgekehrt – und der Sparer am Ende sich selbst ;-).

      Erstaunlich das, jaja, der Mythen aller Orten!

      Was sehr gut zur Abrundung dieses Themas passt, Zitat: Nach Ansicht von Heiner Flassbeck müsse man sich vor Augen halten, „wie unvollkommen und krisenanfällig der Prozess von Sparen und Investieren wäre, gäbe es kein „Geld aus dem Nichts“, Geld also allein geschaffen von der Zentralbank oder dem Bankensystem … Gespart werden kann ja immer nur aus Einkommen, das in der Vergangenheit erzielt wurde, und zwar mit Hilfe von Produktionskapazitäten, die genau dieses Einkommen, nicht mehr und nicht weniger, hergaben. Entscheiden sich jetzt die Arbeiter- und Unternehmerhaushalte, von diesem erzielten Einkommen 15 oder 20 Prozent nicht wieder auszugeben, können die vorhandenen Kapazitäten nicht mehr ausgelastet werden und der Anreiz der Unternehmen zu investieren sinkt … Diese inhärente Tendenz eines marktwirtschaftlichen Systems, sich selbst zu strangulieren, kann allerdings in einer Papiergeldwirtschaft mit geeigneter Geldpolitik prinzipiell überwunden werden.“

  5. Wichtig ist zu berücksichtigen, dass eine (erfolgreiche!) Sachinvestition – egal, ob sie sich aus Krediten „aus dem Nichts“ oder aus Ersparnissen finanziert – aus den für sie verwendeten Ressourcen ein Mehr an Gütern herstellt im Vergleich zu der Situation, in der sie unterbleibt. Das ist der Produktivitäts-Effekt, den eine Sachinvestition hat, wenn sie denn funktioniert (also simpel gesprochen, wenn die neu produzierte Maschine auch in den nachfolgenden Perioden ausgelastet wird).
    Das andere ist der Nachfrage-Effekt, den die Investition gleich in der ersten Runde auslöst, wenn also die Maschine selbst produziert wird. Dazu benötigt der Sachinvestor Ressourcen (z.B. Arbeitskraft), die er mit dem Kredit finanziert. Ob der Nachfrageeffekt gesamtwirtschaftlich ein Plus darstellt oder nicht, hängt in der Tat von der Finanzierungsart der Investitionen insgesamt ab: Reichen die gesamtwirtschaftlichen (Geld-)Ersparnisse zur Finanzierung aller Sachinvestitionen aus, gleichen die Sachinvestition nur den sparbedingten Nachfrageausfall aus. Ist darüber hinaus ein Teil der Sachinvestitionen aus Krediten „aus dem Nichts“ finanziert, stellen diese ein echtes Plus bei der Nachfrage dar.
    Wenn also gesamtwirtschaftlich die Sachinvestitionen über die Geldersparnisse hinausgehen und deshalb notgedrungen aus Krediten „aus dem Nichts“ finanziert sein müssen, kommt es bereits in der ersten Runde zu einem gesamtwirtschaftlichen Nachfrageplus und damit automatisch zu einem Einkommensplus. Wie es in den Folgerunden aussieht, hängt wie gesagt von der Auslastung der (neu geschaffenen) Kapazitäten ab.
    Und noch ein Punkt: Liegen Ressourcen brach (z.B. herrscht Arbeitslosigkeit), werden durch Sachinvestitionen, die insgesamt die Geldersparnisse übersteigen, also zum Teil aus Krediten „aus dem Nichts“ finanziert sein müssen, diese Ressourcen mobilisiert. D.h. es ist keine Preissteigerung aufgrund der zusätzlichen Nachfrage nach Ressourcen zu befürchten (ein ja oft gehörter Vorwurf an die Kreditschöpfung „aus dem Nichts“).
    Und selbst wenn keine Ressourcen brachliegen und daher der „aus dem Nichts“ finanzierte Teil der Sachinvestitionen zu Preissteigerungen führt, bedeutet das nicht, dass es nur (!) zu höheren Preisen kommt. Denn erfolgreiche Sachinvestitionen, die bei Konkurrenz um die Ressourcen andere Verwendungsmöglichkeiten ausboten, schaffen mehr Produktivität als die durch sie verdrängten Verwendungsmöglichkeiten. Mit anderen Worten: die reale Gütermenge steigt ebenfalls und nicht nur die Preise.

    1. Vielen Dank, liebe Frau Spiecker, für Ihren sachgerechten Kommentar 😉 – ich erlaube mir in einem Eigenkommentar zu dem aktuellen Thema „Schulden sind schlecht“ hieraus zu zitieren.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.